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Im Gespräch: Skisprunglegende Innauer : „Am Sport kann man ablesen, dass wir übertreiben“

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Skisprunglegende Toni Innauer: „Ich glaube, dass ich eher ein Visionär bin”
          6 Min.

          Nach mehr als 20 Jahren als Nationaltrainer und Sportdirektor für den nordischen Bereich im Österreichischen Skiverband (ÖSV) hat Anton, genannt „Toni”, Innauer, 1980 Olympiasieger im Skispringen von der Großschanze, sein Amt niedergelegt. In seinem Buch „Am Puls des Erfolgs“ beschreibt der Österreicher diese Zeit.

          Können Sie sich an den letzten Winter erinnern, an dem Sie nicht in irgendeiner Funktion an Schanzen unterwegs waren?

          Ehrlich gesagt, nein. Ich kann mich nicht erinnern, wie sich das angefühlt hat.

          Innauer mit Andi Goldberger (l.): „Habe es geschafft, vom egozentrischen Sportler zum von meinen Athleten begeisterter Trainer zu werden”
          Innauer mit Andi Goldberger (l.): „Habe es geschafft, vom egozentrischen Sportler zum von meinen Athleten begeisterter Trainer zu werden” : Bild: picture-alliance / dpa

          Können Sie sich vorstellen, wie es im nächsten Winter sein wird?

          Ich freue mich auf das Gefühl, wie es wird, wenn ich in keiner Weise – außer dass hoffentlich mein Sohn Mario starten wird – dort gebunden sein werde.

          Sie schreiben von Ihrem „Anlauf aus der Welt des Spitzensports hinaus“. Was meinen Sie damit?

          Ich möchte diese Welt loslassen und auch die Sicherheiten, die sie bietet. Ich will einfach Abstand gewinnen. Ich weiß nicht, ob ich eine Schleife fliege und wieder zurückkomme. Es ist mir derzeit wichtig, mich zu spüren ohne diese Welt. Ich versuche, da ein bisschen mehr hineinzulegen, weil ich mich gern mit Dingen in einer Tiefe beschäftige, die im Spitzensport oft schon als störend empfunden wird.

          Was ist Ihr Plan für das nächste Jahr? Sie werden auch mit dem Deutschen Skiverband in Verbindung gebracht.

          Ich habe mit dem ÖSV eine Art Gentlemen’s Agreement geschlossen, dass ich ein Jahr lang nicht im Skisport arbeiten werde. Ich lanciere nichts, ich habe keine Gespräche geführt, es gibt auch zunächst einmal keine Überlegung dahin.

          Also was machen Sie in dem Jahr?

          Ich werde mich umschauen, mit genau der Ruhe, die ich nie hatte. Was bringt mir wirklich noch Sinn? Ich habe vieles mehrfach erlebt. Das ist mir als Athlet schon so gegangen. Noch einmal Weltmeister zu werden, hat mir keinen wirklichen Spirit vermittelt. Ich möchte mich einfach hinsetzen mit Menschen, Dinge sorgfältig durchsprechen, etwa in der angewandten Psychologie, und versuchen, den Kopf dafür zu haben ohne das Gefühl: Es geht sich zeitlich nicht aus, ich habe ja den Job beim Skiverband. Außerdem werde ich mir einen Fahrplan für Vorträge und Seminare in der Wirtschaft erstellen.

          Sind Sie ein Managertalent?

          Ich glaube, dass ich eher ein Visionär bin und meine Stärke darin liegt, plötzlich Zusammenhänge zu sehen, die viele andere erst später wahrnehmen, wenn es vielleicht schon zu spät ist. Ich glaube nicht, dass ich ein großer Organisator und Systematiker bin, aber ich sehe Kraftlinien und Vernetzungen und kann die passend gewichten und damit auch wohl immer wieder in die richtige Richtung gehen und Entscheidungen treffen, die fruchtbar sind. Das hat mehr mit meiner Intuition zu tun als mit klassischem Management-Talent.

          Was ist in diesem Zusammenhang die wichtigste Entscheidung, die Sie getroffen haben?

          Es gibt so eine unkonventionelle Entscheidung, dass ich vor vielen Jahren begonnen habe vielleicht auch durch meinen Sohn – mich mit der Nachhaltigkeit zu beschäftigen und an Dingen zu arbeiten, die keinen momentanen großen Erfolg oder Publizität bringen. Aber deshalb schöpfen wir jetzt talentemäßig aus dem Vollen. Wir haben ausgezeichnet ausgebildete Trainer, wir haben Trainerbegabungen die ich entdeckt und gefördert habe – Alexander Pointner (Cheftrainer der Skispringer) ist die Spitze der ganzen Sache. Es geht darum, dass man ein tolles Management-System hat, und dann geht die Suche nach den besten „Spielern“, den besten Talenten los. In einem Nationalmannschaftssport müssen wir uns den Nachwuchs selber heranziehen. Da habe ich zu der Zeit, als es notwendig war, sehr viel investiert. Wir waren über Jahre dominierend bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Bis hinunter in den Alpencup haben wir sehr viele gute, handverlesene Sportler, begabte Sportler.

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