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Im Gespräch: Rosi Mittermaier und Christian Neureuther : „Ich bin heilfroh, dass Felix keine Abfahrt fährt“

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Heute: Mittermaier und Neureuther auf der Zugspitze Bild: privat

An diesem Dienstag hat die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen begonnen. Im Interview sprechen Rosi Mittermaier und Christian Neureuther über Garmischer Bauern, die Olympiabewerbung und die Gefahren des Skisports.

          Wie wichtig ist diese Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen für die Münchner Olympiabewerbung?

          Rosi Mittermaier: Sehr wichtig. Unser WM-Motto ist „Festspiele im Schnee“ - und das genau wünschen wir uns. Dass wir unseren Sport toll präsentieren können. Dass am Ende alle sagen, die sind gerüstet für Olympia.

          Christian Neureuther: Wir müssen zeigen, was für eine Begeisterung von den Menschen für den Sport ausgeht. Das IOC muss erkennen können, dass Olympische Spiele in München, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden ein Gewinn für Olympia sein werden, weil wir die wichtigsten Werte leben: Emotion, Fairness, Begeisterung, dazu kommen die Qualität der Wettkampfstätten, die Umweltverträglichkeit, die Organisation.

          Damals: Neureuther und Mittermaier beim Eishockey während der Winterspiele in Innsbruck 1976

          Verstehen Sie die Bauern, die ihr Land nicht für Olympia hergeben wollen?

          Es geht nicht um die Garmischer Bauern. Es geht um fünf Grundstücksbesitzer. Es geht darum, dass es einige wenige Betroffene gibt, die sagen, das ist mein Grund und Boden, und da lass ich keinen drauf. Ich habe Verständnis, dass durch die Art und Weise, wie man mit diesen Menschen umgegangen ist, Aggressionen entstanden sind. Zusätzliche Verhärtung entstand durch die Einbeziehung einer führenden Anwaltskanzlei. Auf der anderen Seite appelliere ich an die Vernunft und die Herzen dieser Menschen und sage: Die internationale Sportbewegung und die Werte von Olympischen Spielen verdienen es, Einzelinteressen zurückzustecken. Sonst ist kein Kitt mehr in unserer Gesellschaft. Wir reden ja nicht nur über Olympia, wir reden auch über die Paralympics. Wir reden über Werte wie Fairplay, Integration, Abbau von Barrieren und Nachhaltigkeit.

          Plädieren Sie in letzter Konsequenz für Enteignungen?

          Neureuther: Nein, das ist ein Unwort, das immer nur neue Konflikte erzeugt. Wir müssen den Konsens suchen, miteinander reden, versuchen zu überzeugen, und durchaus auch materielle Zugeständnisse machen. Jemandem etwas wegnehmen, das ihm gehört? Nein, so weit würde ich nie gehen.

          Mittermaier: Zusätzlich muss man wissen, dass es weniger ein olympisches als ein lokalpolitisches Problem ist, das bringt leider einen völlig falschen Ton in die Diskussion. Der Ton darf aber nicht so laut sein, dass ganz Sport-Deutschland nur noch den Kopf über uns schüttelt. Leider fand aber keine entsprechende Kommunikation statt.

          Neureuther: Es ist bitter für uns, dass es oft gar nicht mehr um das Thema Olympia geht, sondern um persönliche Auseinandersetzungen. Das ist nicht unser Ansatz. Wir stehen für Olympia ohne politisches Kalkül. Dass es Menschen gibt, die anderer Ansicht sind, akzeptieren wir. Aber wir wollen miteinander reden und versuchen, diese mit unseren Argumenten zu überzeugen.

          Zum Sportlichen: Hat Maria Riesch das Zeug zum Superstar dieser Weltmeisterschaft?

          Neureuther: Sie hat fünf Chancen, mit dem Team-Event sogar sechs. Das Faszinierende an Maria ist ja, dass sie unter Druck gewinnen kann. Viele können gut Ski fahren, aber unter Druck das richtige Maß an Risiko zu finden und unter den Erwartungen nicht zusammenzubrechen - das ist das Besondere. Und das hat Maria.

          Ihr Sohn Felix hat Medaillenchancen im Slalom. Sie haben sich in den letzten Jahren so gut wie nie an den Pisten gezeigt, wenn er Rennen fuhr. Machen Sie für die WM eine Ausnahme?

          Mittermaier: Der Felix hat einen kleinen Fanklub, ich denke, da bin ich ganz gut aufgehoben. Was der Christian macht, weiß ich nicht.

          Neureuther: Ich weiß es auch noch nicht. Wir werden weder für Felix noch für die Öffentlichkeit präsent sein. Mich belastet das nervlich doch sehr, wenn der Felix fährt. Wenn ich auf dem Hang stehe, an der Strecke, habe ich die wenigsten Probleme, dann bin ich nah dabei. Ich fühle ja immer noch wie ein Rennläufer. Am schlimmsten ist es vor dem Fernseher.

          Hat es zu Ihrer Zeit mehr Spaß gemacht, Rennläufer zu sein, als heute?

          Mittermaier: Es ist heute, wie wir es mit Felix erleben, genauso, wie es früher war. Und das ist das Schöne. Da geht einem das Herz auf. Der Felix ist zum Beispiel beim Training am Matterhorn und ruft an und sagt: Wir sind in der Früh als Erste oben, es geht die Sonne auf, und wir fahren in den Hang rein. Das ist Skisport, das ist schön. Auch die gegenseitigen Freundschaften sind gleich geblieben und auch die Wettkämpfe. Diese Spannung, die ein Skirennen bringt, ist unglaublich, die geht dir, wenn du aufhörst, ab. Da fragst du dich: Was mache ich eigentlich jetzt in meinem Leben, damit ich wieder Spannung reinbringe?

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