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Im Gespräch: DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier : „Wir fördern keine Gladiatorenkämpfe"

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Spektakulär, aber gefährlich: Ski-Freestyle Bild: dapd

Die Freestyler erobern die Hänge und Pisten - und sie nehmen in Slopestyle und Half Pipe enorme Risken in Kauf. Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Ski-Verbandes, ist im Interview skeptisch wegen der Flut an neuen und gefährlichen Sportarten.

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          Herr Maier, nehmen wir an, Sie würden noch mal als Kind auf die Ski steigen. In welche Richtung würde es gehen: Alpin, Cross, Freestyle, Freeride?

          Schwierige Frage. Ich habe eine sehr hohe Affinität zu den Alpinen, aber auch zu den Freeskiern. Skicross wäre nichts für mich, ich wollte keinen Sport auf Ski betreiben, in dem ich Körperkontakt habe. Was mich schon immer fasziniert hat, sind das Skifahren im Gelände und der Rennsport.

          Warum sind die Skiverbände, warum ist Olympia plötzlich so heiß auf jugendliche Funsportarten? Ski Halfpipe und sogar Ski Slopestyle sind schon in Sotschi 2014 olympisch, obwohl es bislang kaum Verbands- und Wettkampfstrukturen gibt. Warum diese Eile?

          Ich glaube, dass die Verbände überhaupt nicht scharf darauf sind, so viele Disziplinen dazuzubekommen. Das wird ihnen über das IOC und in Deutschland auch über die Sportfördersysteme aufdiktiert. In dem Moment, in dem neue Disziplinen olympisch werden, unterliegen die Verbände dem Zwang, diese Sportarten zu fördern. Im Augenblick gibt es eine Überflutung durch viele neue Sportarten. Das ist nach meinem Geschmack alles viel zu hektisch. Man muss sich, auch das ist meine persönliche Meinung, auch einmal fragen: Passt diese Flut an neuen Sportarten, die das IOC aufnimmt, überhaupt zu Olympia? Ich sehe, Freestyle-Disziplinen wie Halfpipe und Slopestyle eher kritisch im olympischen Kontext. In diesen Disziplinen stehen Freiheits- und Kreativitätsgedanken an erster Stelle.

          Warum macht das IOC überhaupt einen solchen Druck?

          Ein Grund mag darin liegen, dass die X-Games mittlerweile eine ernstzunehmende Konkurrenzveranstaltung zu den Olympischen Spielen geworden sind. Das IOC ist extrem kapitalorientiert, und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Drei Milliarden Menschen haben am Fernsehen Olympische Winterspiele gesehen, aber schon 500 Millionen haben die X-Games gesehen, und die Altersgruppe, die von den X-Games abgedeckt wird, ist auch die Zielgruppe der Olympischen Spiele in der Zukunft.

          Wie geht ein Verband wie der DSV mit dieser Flut an neuen Disziplinen um?

          Wir bauen die Strukturen offen und respektvoll auf. Wir wollen den neuen Disziplinen nicht mit den klassischen Verbandsstrukturen begegnen. Wir wollen den Spirit dieser Leute nicht unterdrücken. Sie sollen sich weiterhin auf ihre Weise darstellen können. Ich glaube, dass diese lebhaften neuen Disziplinen einem traditionellen Verband wie dem DSV auch guttun werden. Verbände unterliegen genauso einem Wandel wie alles andere auch. Wir werden auf lange Sicht von diesen neuen Disziplinen profitieren können.

          Skeptiker: Wolfgang Maier erwartet Vorleistungen der alpinen Trendsportarten
          Skeptiker: Wolfgang Maier erwartet Vorleistungen der alpinen Trendsportarten : Bild: dpa

          Das Problem ist die Finanzierung?

           Ja, das bereitet uns Probleme, und zwar massive Probleme. Eine Nationalmannschaft kostet den Verband in der Grundförderung in etwa 500 000 Euro. Ein Verband wie der DSV, der nicht über die öffentliche Hand finanziert wird, bekommt für Trainingslehrgänge, Wettkämpfe und Gehälter der Trainer und Betreuer keine Staatsmittel. Gefördert werden hingegen Trainingsstätten. Natürlich ist das für uns dann eine extrem große Belastung, wenn der DSV eine Skicross-, eine Halfpipe- und eine Slopestyle-Nationalmannschaft aufbauen soll. In all diesen Disziplinen ist es schwer zusätzliche Mittel zu erwirtschaften, vor allem was die Sponsorengelder betrifft.

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