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Im Gespräch: DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier : „Wir fördern keine Gladiatorenkämpfe"

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Aber Sie sollen mit diesen neuen Disziplinen gleich Medaillen gewinnen.

Der Deutsche Olympische Sportbund will die erfolgreichste olympische Wintersportnation stellen. Dieser Anspruch ist konsequent und nachvollziehbar. In Vancouver 2010 hat man aber gesehen, dass die traditionellen Sportarten extrem umkämpft sind, während die Medaillen in den Trendsportarten noch relativ leicht zu gewinnen waren. Die Kanadier haben den Medaillenspiegel gewonnen, obwohl sie in den meisten traditionellen Sportarten leer ausgegangen sind, sie haben die entscheidenden Medaillen in den neuen Sportarten geholt. Und jetzt ist es eben die Absicht des Deutschen Olympischen Sportbundes, und das ist legitim und berechtigt, dass wir in diesen neuen Disziplinen wettbewerbsfähig sein sollen. Unser Problem ist, dass der DOSB die Hauptkosten dafür auf die Verbände verlagert.

Was die neuen Disziplinen verbindet, ist ein hohes Maß an Spektakel und Risikobereitschaft. Sie sind durch die Bank gefährlich, der Tod der Freestylerin Sarah Burke hat das gerade wieder bestätigt. Wie sehen Sie den Status quo dieser Sportarten?

Die X-Games zeichnen sich durch ein extrem hohes Risiko aus. Je spektakulärer der Sturz, desto besser. Es gibt keine Rücksicht auf Verluste. Aber wenn die Disziplinen olympisch werden und wir sie fördern, dann können wir nicht eine Nationalmannschaft aufbauen und finanzieren in einer Disziplin, in der einer dem anderen ungestraft das Schienbein abfährt. Wir können und wollen keine Gladiatorenkämpfe fördern, deshalb müssen sich diese Disziplinen zuallererst in sicherheitsrelevanten Fragen entwickeln. Das höchste Gut eines Verbandes ist der Sportler und seine Gesundheit. Deshalb müssen die bestehenden Reglements zum Beispiel im Skicross verändert werden. Wir wollen die Athleten schützen, gleichwohl ist es auch dann möglich, modernen und attraktiven Sport zu zeigen.

Gilt das auch für die Halfpipe? Da sind die Eiswände mittlerweile fast sieben Meter hoch.

Auch da wird sich etwas ändern müssen, das hat der Tod von Sarah Burke gezeigt. Auch in der Halfpipe muss man sich der Diskussion stellen, wohin sich der Sport entwickeln soll.

Wie kann sich das klassische alpine Skifahren in diesem jugendlich-dynamischen Umfeld positionieren?

Ich glaube, dass die alpinen Disziplinen weiterhin eine gute Zukunft haben. Aber es wird nicht mehr eine so große Auswahl an Talenten geben. Die Geburtenjahrgänge sind rückläufig, Und es werden dem alpinen Rennsport auch Talente verlorengehen an die neuen Disziplinen, das ist klar. Aber das heißt nicht, dass die eine Sportart auf Kosten der anderen ausbluten muss. Man wird sich anders aufstellen müssen, man wird die Förderkonzepte überdenken müssen, und man wird die Toleranz aufbringen müssen zu sagen: Okay, wir können jetzt nicht mehr aus vierzig Leuten pro Jahrgang aussuchen, sondern vielleicht nur noch aus zwanzig, aber wir sind dafür bestens aufgestellt. Wir müssen uns auf die Verteilung von Talenten auf mehr Disziplinen einstellen.

Das Gespräch führte Michael Eder.

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