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Im Gespräch: Biathlon-Star Magdalena Neuner : „Ich habe keine Angst mehr vor dem Schießen“

  • Aktualisiert am

Der Moment des ersten Weltmeistertitels 2007 Bild: REUTERS

Es ist nicht alles nach Plan gelaufen in der Vorbereitung auf die dritte Saison im Weltcup. Doch einen Sieg hat Magdalena Neuner schon errungen, wie sie im FAZ.NET-Interview sagt.

          5 Min.

          Viele Termine, Krankheit: Es ist nicht alles nach Plan gelaufen in der Vorbereitung auf die dritte Saison im Weltcup, doch einen Sieg hat die Magdalena Neuner schon errungen.

          Im FAZ.NET-Interview spricht die 21 Jahre alte Biathletin über Maßkrug-Design, Frauen-Fußball und auch Biathlon.

          Obertilliach statt Muonio - Einzelvorbereitung statt Teamtraining: Ist das ein Nachteil beim Einstieg in die Saison?

          Als sich herauskristallisiert hat, dass ich wegen Krankheit nicht mit der Mannschaft nach Finnland fliegen kann, war das schon deprimierend. Aber irgendwann habe ich mich mit der Situation abgefunden, zumal die Bedingungen in Obertilliach gut waren.

          „Ich habe mir meinen Status in den letzten zwei Jahren erarbeitet”

          Die Vorbereitung ist alles andere als störungsfrei verlaufen: erst eine Pilzinfektion, dann ein grippaler Infekt. Hatten Sie zu wenig Regeneration?

          Ich habe neulich im Radio gehört, dass ich wegen der Pilzinfektion sieben Wochen ausgefallen sei. Das stimmt nicht. Ich habe mich im Training schlapp gefühlt, und da hat sich herausgestellt, dass bei mir der Pilz Candida albicans verstärkt aufgetreten ist. Ich habe dann die Candida-Diät gemacht - also komplett ohne Kohlenhydrate - und jeden Tag weitertrainiert, aber es war eine unheimliche Quälerei. Und eine Grippe kann jeden erwischen. Als Leistungssportler wandelt man aber auf einem schmalen Grat.

          Wie haben Sie sich von der anstrengenden vergangenen Saison erholt? War das bei der Terminflut überhaupt möglich?

          Ich habe letztes Jahr den Fehler gemacht, zu Hause zu bleiben, und es ist einfach ein Irrglaube, dass man sich daheim erholen kann. Diesmal war ich drei Wochen auf den Seychellen und konnte richtig abschalten. Danach hatte ich wieder die Energie für die ganzen Termine.

          Was für Termine?

          Drei Fotoshootings, zum Beispiel. Und das Übliche, was halt an Sponsorenterminen so ansteht.

          Sie sind auch Botschafterin der Schlaganfallhilfe geworden. Wie kommt man dazu?

          Man hat mich angesprochen, und ich habe mich mit dem Thema beschäftigt. Das passt deswegen ganz gut, weil schon viele junge Menschen Schlaganfälle erleiden und man das Risiko durch regelmäßigen Sport stark senken kann. Ich bin jung, ich bin Sportlerin, und ich kann die Botschaft ganz gut rüberbringen.

          Das ist aber nicht Ihre einzige Botschafterrolle.

          Stimmt. Ich bin auch eine der Botschafterinnen für die Frauen-Fußball-WM 2011 in Deutschland. In dem Zusammenhang war ich einen Tag in Berlin bei Angela Merkel. Ich mache das ganz gerne, weil ich glaube, dass der Frauen-Fußball bei uns zu kurz kommt. Die Spielerinnen können nicht mal vom Fußball leben. Es wäre schön, wenn 2011 genauso eine Euphorie herrschen würde wie bei der Männer-WM 2006.

          Was für eine Beziehung haben Sie zum Fußball?

          Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich unbedingt in den Fußballklub. Die haben mich aber nicht genommen, weil ich ein Mädchen war. Ich war damals tierisch enttäuscht. Das ist jetzt so ein bisschen die Retourkutsche, dass ich mich für Frauen-Fußball einsetze.

          Sie sind unter die Künstler gegangen. Wie wird man Maßkrug-Designerin?

          Das war ganz lustig. Die Besitzer des Hofbräu-Kellers in München haben mich gefragt, ob ich für sie einen Oktoberfestkrug gestalten würde. Aber leider kann ich überhaupt nicht malen. Also habe ich meinen Cousin gefragt, der ist Maler und bei seiner Ausbildung Innungsbester geworden. Wir haben das dann zusammen gemacht. Gemalt hat natürlich er.

          Sie haben in jungen Jahren Erfolg, und Sie könnten sich sogar eine Menge davon kaufen. Wie schwer ist es, auf dem Boden zu bleiben?

          Gut, ich bin jetzt eine öffentliche Person, ich bin für die Leute interessant, ich habe mehr Termine und mein Berufsleben hat sich schon verändert. Aber ich bin genau der gleiche Mensch geblieben, meine Freunde sind noch dieselben. Ich weiß, dass ich gut verdiene, aber deswegen schmeiße ich nicht mit Geld um mich und kauf mir jeden Schnickschnack. Das Geld landet schön auf dem Konto.

          Bislang hat sich die Konkurrenz noch darüber freuen können, dass Sie wenigstens ab und zu mal ordentlich vorbeischießen. Was haben Sie dagegen getan?

          Ich habe schon im Frühjahr einen Schießtrainer zu Rate gezogen. Rudi Krenn war früher selbst Sportschütze. Er hat meinen Anschlag überprüft und mir Tipps gegeben. Ich habe mich auch viel intensiver mit dem Gewehr beschäftigt und am Schaft etwas verändert. Ich habe viel geschossen und jetzt keine Angst mehr.

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