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Hermann Maier : Der Körper als Werkzeug

  • -Aktualisiert am

Die Hoffnungen der Ski-Nation ruhen wieder auf Hermann Maier Bild: REUTERS

Österreich stellt die übliche Herbstfrage immer zaghafter: Kann Hermann Maier wieder alle schlagen? Vieles spricht gegen den „Herminator“, doch die Ski-Nation klammert sich an die Legende. Alle Nachfolger sind zu farblos, um ähnlich populär zu werden.

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          Österreich ist ein kleines Land, und in diesem Österreich kam vor kurzem eine DVD mit dem Titel "Zehn Jahre The Herminator und Raiffeisen" auf den Markt. Ein Sampler mit allen Werbespots, die jene Bankengruppe, eine der bekanntesten im Land, in Verbindung mit jenem Skifahrer, dem bekanntesten im Land, noch bekannter gemacht haben.

          Hermann Maier, den die Österreicher nach der Filmfigur des einzig noch berühmteren Landsmanns, des ehemaligen Schauspielers Arnold Schwarzenegger ("Terminator"), den "Herminator" nennen, kommt in den gut ein Dutzend Filmchen durchaus abwechslungsreich daher. Mal sympathisch, dann wieder plump, wenn er beispielsweise ohne jeglichen Schmäh (österreichisch für Charme) eine junge Frau anbaggert. Bemerkenswert ist, dass sich heuer der Kreis geschlossen hat. Wie Maiers erster Spot läuft auch der bis dato letzte unter "Vorsorge", wie damals ist Maier "auf alt" geschminkt, wie damals spielt ein Hund die Nebenrolle. Diesmal ist es ein Bernhardiner, den Maier apportieren lässt, Maier, der zufriedene Pensionist, der sein Geld gut angelegt hat.

          Ohne einen einzigen Sieg

          Der Skifahrer wirkt heute glaubwürdig wie nie zuvor. Ob es "der Maier" noch einmal schaffen kann, ob er noch einmal gewinnen, es noch einmal allen zeigen kann, das ist die Frage, die das kleine Österreich Jahr für Jahr im Herbst bewegt. Und dieser, der aktuelle Herbst, der sich am Wochenende im kanadischen Skiresort Lake Louise fortsetzen wird, ist insofern anders, als sich erstmals keine Mehrheit finden will für Antwort 1: "Aber sicher, sowieso, unser Hermann ist und bleibt der allertollste Skifahrer, den kann niemand schlagen, da fährt die Eisenbahn drüber."

          „Jetzt sehe ich, um wie viel ich schlechter fahre”

          Am Ende können auch die beiden mächtigsten Medien im Land, der ORF und die "Kronen Zeitung", beide Partner des Österreichischen Skiverbands (ÖSV), den Menschen nicht ewig ein X für ein U vormachen. Dass Maier schlagbar ist, haben die vergangenen Winter bewiesen, vor allem der Winter 2006/07, aus dem Maier ohne einen einzigen Sieg wiederkehrte.

          Nimmt Maier Vancouver 2010 in Angriff?

          Die Maiersche Schlagbarkeit mag ihren Ursprung in jenem Motorradunfall haben, der ihn im August 2001 beinahe das rechte Bein gekostet hatte. Doch hat der Salzburger, der 1998 mit seinem Sturz in der Olympia-Abfahrt von Nagano in Kombination mit den folgenden Olympiasiegen (Super-G, Riesenslalom) zu Weltruhm kam, auch hernach noch gewonnen. Zwölf seiner 53 Weltcupsiege feierte Maier nach seinem Unfall, dazu einen dritten WM-Titel, jenen im Riesenslalom 2005 in Bormio. Ein dritter Olympiasieg allerdings fehlt noch, und so erscheint es den Kundigen nicht unwahrscheinlich, dass Maier nicht bloß die WM 2009 (Val d'Isère), sondern auch die Spiele 2010 (Vancouver) noch in Angriff nimmt.

          Sein ehedem größter Gegner, Stephan Eberharter, war Maier schon vor dem Winter, in dem sich kein Sieg einstellen wollte, abhanden gekommen. Der Rücktritt des Tirolers (mittlerweile 38 Jahre), der drei Jahre älter ist, mochte auch darin begründet sein, dass er am Ende Maier nur noch schlagen, nicht aber besiegen konnte. Schlug er ihn, so hieß es, er schlüge einen Ramponierten, und schlug er ihn nicht, so zogen sie erst recht über ihn her. Nicht unbedingt das, was man eine Win-Win-Situation nennt.

          Neue Marke als neuer Reiz

          Nun sind Maiers Gegner andere, jüngere. Benjamin Raich zum Beispiel, Eberharters Landsmann aus Tirol. Oder Aksel Lund Svindal, der Gesamt-Weltcup-Sieger und Doppel-Weltmeister 2007 aus Norwegen. Oder der Amerikaner Bode Miller, von dem sie in Österreich gerne sagen, erst das gemeinsame Training mit den Österreichern habe ihn so stark gemacht.

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