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Hamburg Freezers : Entspannt in der Krise

  • -Aktualisiert am

Torwart in Aktion: Sebastian Caron bei den Freezers Bild: dpa

Die Hamburg Freezers hoffen, ihr obligatorisches Tief in der Deutschen Eishockey Liga schon hinter sich zu haben. Doch vor dem Spiel an diesem Freitag gegen Tabellenführer Nürnberg lauern neue Konflikte.

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          Was alle einigermaßen zuversichtlich stimmt: Die Krise kam diesmal ganz früh. „Wir hatten unser Tief sonst immer im Januar“, sagt Sportchef Stéphane Richer, „ich hoffe, dass wir es einfach nach vorn verlegt haben.“ Je früher, desto besser - in einer langen Saison kommt kein Klub aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ohne Niederlagenserie aus. Und die Hamburg Freezers haben jetzt noch genug Möglichkeiten, den Fehlstart abzumildern und sich anzupirschen.

          Der Tiefpunkt war sehr schnell erreicht: Nach dem 1:5 am vorletzten Sonntag in Ingolstadt und dem darauffolgenden 2:3 in Berlin war die hochambitionierte Hamburger Eishockey-Unternehmung wieder mal am Tabellenende angelangt. In Hamburg werden auf dem Boulevard dann aus den Freezers regelmäßig die „Krisers“.

          Doch es hat sich etwas Entscheidendes geändert am Eishockey-Standort Hamburg: Die Macher bleiben entspannt. Geschäftsführer Uwe Frommhold sowieso. Seit er vor genau einem Jahr auf den chronisch aufgeregten Michael Pfad folgte, bewegen sich die Freezers in relativ ruhigen Fahrwassern. Der Verkauf durch den Anteilseigner, die Anschutz Entertainment Group (AEG), ist bis auf weiteres vom Tisch.

          Und in Richer und Trainer Benoit Laporte, der zwar nie unumstritten, aber mit fast drei Jahren im Amt dienstältester Freezers-Coach ist, hat Frommhold ein Eis-Duo beisammen, dem er vertraut. Die Freezers blieben ruhig, und durch die Siege am vergangenen Sonntag gegen Straubing und am Dienstag in Düsseldorf haben sich die nun auf Rang acht stehenden Hamburger, die an diesem Freitag (19.30 Uhr) den Tabellenführer Nürnberg Ice Tigers erwarten, dem ersten Saisonziel angenähert: dem sechsten Platz und der damit verbundenen direkten Qualifikation für das Viertelfinale.

          „Der Trainer kann nichts für diesen Saisonstart“

          Dort war in der abgelaufenen Serie nach packenden Spielen gegen die Eisbären Berlin Endstation. Interessant war, dass sich in der zugespitzten Lage Anfang Oktober mehrere Führungsspieler vor den 53 Jahre alten Kanadier Laporte stellten. Linksaußen David Wolf sagte: „Benoit ist ein guter Trainer. Er hat doch jedes Jahr gezeigt, dass er uns weiterbringt.“ Und Rechtsaußen Jerome Flaake, wie Wolf aus der stärksten Freezers-Angriffsreihe kommend, sagt: „Der Trainer kann nichts für diesen Saisonstart.“

          Spiel mit harten Bandagen: David Wolf (l) von den Hamburg Freezers

          Aber Laporte ist derjenige, der die Freezers in den nächsten drei Jahren zum Meistertitel führen soll. Deshalb sind auch die Ansprüche an den einst so cholerischen, inzwischen friedlicheren Coach gewachsen. In diesem Jahr wollen die Hamburger das Halbfinale erreichen, dann das Finale, und 2015 am liebsten deutscher Meister werden. „Es ist an der Zeit, dass die Jungs Butter bei die Fische tun“, sagt Frommhold im schönsten Hamburgisch.

          Es braucht noch erfahrene, ausländische Cracks

          Einen Etat von rund sieben Millionen Euro hat Frommhold aufgestellt und die wichtigsten Spieler mit langen Verträgen ausgestattet: Flaake und Wolf haben bis 2018 unterschrieben, Christoph Schubert und Thomas Oppenheimer bis 2017. Ein Versprechen haben die Freezers somit schon eingelöst - ein Team zu werden, das auf junge, deutsche Spieler setzt.

          Aber um ganz oben zu landen, braucht man erfahrene, ausländische Cracks. Und hier haben die Hamburger zuletzt zu oft falsch gelegen. In Rob Collins und Colin Murphy hatten sie zwei starke Profis, die ihr Können aber nur alle paar Spiele aufblitzen ließen, oft lustlos wirkten. Für sie wurden der kanadische Spielmacher Philippe Dupuis und der dänische Nationalspieler Morten Madsen geholt.

          „Wir waren nicht zufrieden und mussten etwas ändern“

          So ganz haben Frommhold und Richer ihrem Coach die alleinige Krisenbewältigung nicht zugetraut. Sie griffen in spektakulärer Manier an der wichtigsten Stelle im Eishockey ein - und verpflichteten über Nacht den in Iserlohn aussortierten Torwart Sébastien Caron. Der als Diva bekannte Goalie unterschrieb vor einer Woche einen Vertrag bis Saisonende und spielte schon dreimal für die Freezers - obwohl Nationaltorwart Dimitri Kotschnew seinen Kreuzbandriss überwunden hat. Mancher sprach da von Panikkauf.

          Caron ist ein erfahrener und guter Torwart. Aber eigentlich haben die Freezers in Kotschnew und dem 22 Jahre alten Niklas Treutle ein starkes Duo. „Wir waren nicht zufrieden und mussten etwas ändern“, sagt Richer. Für Torwarttalent Treutle scheint der Weg in Hamburg nun verbaut. Und für Publikumsliebling Kotschnew geht es darum, seinen Platz als Nummer eins zu behalten. Keine leichte Situation: Am Dienstag in Düsseldorf meldete sich Kotschnew spielfähig. Doch Laporte ließ Caron durchspielen. Da lauern Konflikte.

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