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Hahnenkamm-Abfahrt : Albtraum-Sturz und „Traum“-Sieg auf der Streif

  • -Aktualisiert am

Scott Macartney verliert beim Zielsprung die Kontrolle Bild: REUTERS

Der furchterregende Sturz von Scott Macartney hat die legendäre Ski-Abfahrt in Kitzbühel überschattet. Der Amerikaner erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Sieger wurde der Schweizer Didier Cuche.

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          Es ist töricht, für einen Abfahrtsläufer ein Geburtstagsständchen anzustimmen, während dieser die Streif herunterschießt. „Happy birthday“, sang der Streckensprecher, während Scott Macartney mit etwa 141,2 Kilometern pro Stunde am Zielsprung abhob. Der in 40 Jahren Streif-Berieselung erfahrene Mann am Mikrophon brach seinen Glückwunsch-Song jäh ab, als er Macartneys Fluglage erkannte.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Kurz nach dem Absprung hatte der Amerikaner mit der Startnummer zwei die Balance verloren, machte eine Vierteldrehung nach links, bevor er wie ein Stein vom Himmel fiel, seitlich auf die harte Piste schlug. Ein Ski schleuderte durch die Luft, der gebrochene Helm kullerte den Hang hinab. Macartney rutschte ins Ziel und blieb bäuchlings liegen. Sein linkes Bein zuckte. Stille - am 30. Geburtstag.

          Macartney war beim Sprung „noch nicht vorbereitet“

          Typisch Kitzbühel? Ist die berühmt-berüchtigte Streif, als schwierigste Abfahrt vom Veranstalter, von Funktionären, aber auch von Rennläufern gepriesen, ihrem anziehenden wie abstoßenden Ruf gerecht geworden? „Wer einen Fehler macht“, soll der frühere Streif-König Franz Klammer einmal gesagt haben, „muss mit ernsthaften Konsequenzen für Leib und Leben rechnen.“

          Scott Macartney verliert beim Zielsprung die Kontrolle Bilderstrecke

          Macartney, erklärte der deutsche Olympiasieger Markus Wasmeier später, sei beim Sprung noch „nicht vorbereitet“ gewesen, habe zu weit „in den Fersen“ gestanden. Weil keinen der folgenden Kollegen an der gleichen Stelle Haltungsprobleme in Schieflage brachten, drängte sich ein Vorurteil auf. Macartney, seit acht Jahren im Weltcup am Start, 51. der Weltrangliste, leistete sich einen Fahrfehler, menschliches Versagen mit fatalen Folgen.

          „Im Starthaus lernt man, das auszublenden“

          15 Minuten dauerte die Behandlung auf der Piste, ehe der Abfahrer per Hubschraubertransport am langen Seil ins Kitzbüheler Krankenhaus und dann nach Innsbruck, in die Neurologie, verlegt wurde. Nach Angaben der behandelnden Ärzte erlitt der Amerikaner ein isoliertes Schädel-Hirn-Trauma und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Eine Operation ist zwar nicht nötig. Ob die Verletzung bleibende Schäden hinterlässt, war am Samstag noch unklar.

          Aus den Augen, aus dem Sinn. Das ist eine Überlebensstrategie bei Athleten, die in einem gefährlichen Sport an die Grenze gehen müssen, um gewinnen zu können. Macartneys Schicksal, auch im Starthaus auf den Bildschirmen en detail zu sehen, haben sie ausgeblendet, auch wenn er in der Zeitenliste schließlich als 33. im Blick blieb. „Wenn der Hubschrauber kommt, tut das einem leid, aber im Starthaus lernt man, das auszublenden“, sagt der frühere deutsche Abfahrtsläufer Stefan Krauß.

          „Der Ski war danach eindeutig langsamer“

          Und so nahm mit den nächsten Startern auch das Hahnenkamm-Rennen schnell wieder Schwung auf. Die Flexibilität des Streckensprechers reichte für eine launig gemeinte Einschätzung zur Fahrt des Mormonen Steven Nyman, Macartneys Teamkollegen: „Kein Sex vor der Ehe und so weiter, aber heute muss er Ski fahren.“ Das gelang dem Schweizer Didier Cuche am besten.

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