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Biathlon-Weltcup : „Ja, so langsam kommen die Deutschen“

Arnd Peiffer ist zum Start dieses Winters schon in guter Form. Bild: dpa

Die deutschen Biathlon-Männer um Arnd Peiffer erleben in diesem Winter einen gelungenen Saisonstart, auch wenn es Baustellen gibt. Vom Prinzip Hoffnung leben derzeit dagegen die Frauen ohne Laura Dahlmeier.

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          Manchmal bringt einen die kleine Tochter auf den richtigen Weg. Wenn sie Dinge einfordert, die sie für selbstverständlich hält. „Papa, warum hast du heute nicht gewonnen? Wo ist die Goldmedaille?“, hat Manon Fourcade ihren Papa nach dem Sprint in Hochfilzen gefragt, in dem er „nur“ Zweiter geworden war. „Ich wusste keine Antwort drauf“, sagte Fourcade, „also habe ich ihr versprochen: Morgen bekommst du dein Gold.“ Das war ziemlich leichtfertig, denn derzeit kann Frankreichs Mister Biathlon in der Spur nicht mit seinem schärfsten Widersacher Johannes Thingnes Bö mithalten. Weil der 25 Jahre Norweger im Verfolger aber gleich sechs Scheiben stehen ließ, nahm Fourcade die Einladung an. 20 Schuss, 20 Treffer – Gold für Manon. Vor einer Woche in Pokljuka war er sich selbst ein Rätsel, jetzt ist er wieder da.

          Das gilt genauso für Arnd Peiffer. Auch bei dem Niedersachsen hat das mit einem kleinen Mädchen zu tun. „Sie hat sich nicht an meinen Plan gehalten“, sagte Peiffer, „sie hat ihn bestimmt.“ Wegen der Geburt seiner Tochter war er verspätet nach Pokljuka gereist und bei seinem Kaltstart gedanklich noch nicht ganz beim Biathlon. In Hochfilzen ist er wieder im Berufsalltag angekommen. Platz zwei in der Verfolgung hinter Fourcade – „damit bin ich richtig zufrieden“, sagte Peiffer, der im Sprint Fünfter geworden war. Und am Sonntag, als die Branchenführer Fourcade und Bö eine Pause einlegten, gehörte Peiffer neben Simon Schempp, Johannes Kühn und Benedikt Doll vor 10.500 Zuschauern jenem Quartett an, das trotz Strafrunde von Kühn noch Dritter wurde, 28,8 Sekunden hinter Sieger Schweden.

          Da darf man getrost von einem gelungenen Start in den Winter sprechen. Drei Podestplätze in fünf Einzelrennen – Kühn Zweiter über 20 Kilometer in Pokljuka, Doll Dritter im Sprint in Hochfilzen, Peiffer Zweiter in der Verfolgung –, das kann sich sehen lassen. Dazu kommen vier Top-Ten-Plätze, und vier Männer haben die Norm für die WM in Östersund schon erfüllt. „Alle sagen jetzt: Ja, so langsam kommen die Deutschen. Die Ansprüche sind ganz schön hoch“, findet Olympiasieger Peiffer und erinnert an „Jahre, da hatten wir bis Weihnachten gar keinen auf dem Podest. Deswegen können wir bislang mehr als zufrieden sein. Das zeigt, dass wir gut aufgestellt sind“. Baustellen eingeschlossen. Schempp hat zwar die WM-Norm erfüllt, ist aber mit seiner Laufform noch nicht zufrieden. Erik Lesser ist wegen seiner Rückenbeschwerden gehandicapt und muss wohl auf die Weihnachtspause hoffen.

          Vom Prinzip Hoffnung leben derzeit auch die deutschen Frauen. Leider passte die Staffel, die am Sonntag in der Besetzung Vanessa Hinz, Franziska Preuß, Karolin Horchler und Denise Herrmann auf die 4x6 Kilometer ging, ins trübe Bild. Nach zwei Strafrunden von Franziska Preuß war noch nur Schadensbegrenzung möglich – Platz sieben, 2:05 Minuten hinter Sieger Italien. „Natürlich sind wir nicht zufrieden“, sagte der neue Trainer Kristian Mehringer.

          Drei neunte Plätze seiner Skijägerinnen – das genügt nicht den eigenen Ansprüchen, und Mehringer muss sich schon unangenehme Fragen gefallen lassen. Gerade, was das Laufvermögen angeht. Zumal Denise Herrmann, die einzige Topläuferin, derzeit nur unzureichend trifft. Vor gut einem Jahr ist die frühere Langläuferin mit zwei Siegen in die Saison gestartet – und das könnte das Problem sein. „Sie versucht es am Schießstand zu oft mit der Brechstange“, sagt Mehringer. Im Verfolger, in dem sie sich von Rang 60 auf 26 vorkämpfte, und in der Staffel war ein Aufwärtstrend zu erkennen.

          Zwar haben Franziska Preuß, die – bis auf den Blackout in der Staffel – bislang den besten Eindruck hinterlassen hat, Franziska Hildebrand und die junge Anna Weidel die WM-Norm erfüllt. Was fehlt, ist der Ausreißer nach oben. Worauf Mehringer entgegnet: „Natürlich hat da eine Sportlerin in der Vergangenheit einiges kaschiert. Wenn du immer eine auf dem Podium hast, und der Rest wird 20., 30., dann interessiert das keinen.“

          Gemeint ist Laura Dahlmeier, die am vergangenen Donnerstag mit Roman Rees im zweitklassigen IBU-Cup im Single-Mixed einen ersten Test unter Wettkampfbedingungen gemacht hat. „Läuferisch war sie schon ganz gut dabei, am Schießstand hat sie sich unter der hohen Belastung ein wenig schwer getan“, sagt Mehringer. „Aber insgesamt war der Einstieg ganz okay.“ Ob die zweifache Olympiasiegerin am kommenden Freitag in Nove Mesto/Tschechien wieder ins Weltcup-Geschehen eingreift, ist dennoch fraglich. „Wir müssen erst mal schauen, wie ihr Fitness- und Gesundheitszustand ist. Und was ihr noch fehlt, um voll konkurrenzfähig zu sein.“ Fürs eigene Team dürfte es schon jetzt reichen.

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