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Göttlers Nanga-Projekt : Einsam. Still. Eiskalt.

Über den Dingen: Die letzten Meter zum Gipfel des 8463 Meter hohen Makalu in Nepal, den David Göttler im vergangenen Mai bestieg Bild: David Göttler / The North Face

Ein Höhenbergsteiger, ein weißer Fleck, eine extreme Expedition: David Göttler könnte als erster Deutscher im Winter auf dem Gipfel eines Achttausenders stehen. Es ist ein außergewöhnliches Nanga-Projekt.

          Auf diesen Anruf hatte David Göttler gewartet. Schon lange hatten ihn die Abenteuer des Italieners Simone Moro fasziniert, seine Winterbesteigungen von Achttausendern, die Pioniertouren an Shisha Pangma (8027 Meter), Makalu (8463 Meter), Gasherbrum II (8035 Meter). Grenzgänge in Schnee und Eis, Kälte und orkanartigen Stürmen. Göttler und Moro zählen zum kleinen Kreis der Extrembergsteiger, sie kennen sich, sie sahen sich immer wieder mal, und vor einem Jahr, erzählt Göttler, da sagte er Moro dann: Also, wann immer du mal einen Platz frei hast bei einer Nanga-Parbat-Expedition im Winter, wär’s super, wenn du an mich denken würdest.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Und nun kam der Anruf tatsächlich. Bedenkzeit? David Göttler lächelt. „Ich musste eher versuchen, ein bisschen cool zu bleiben, Pokerface zu zeigen, und nicht gleich laut loszuschreien.“ Also überlegte Göttler doch noch ein bisschen, schaute in seinen Kalender, verschob ein paar Termine - und sagte zu: für den Nanga Parbat (8125 Meter) im Winter, eine Drei-Mann-Expedition, mit zwei Gipfelaspiranten: Simone Moro und David Göttler.

          Göttler, gebürtiger Starnberger, wohnhafter Münchner, staatlich-geprüfter Berg- und Skiführer, ist 35 Jahre alt und erfahrener Höhenbergsteiger. Er stand auf fünf Achttausendern, zuletzt im vergangenen Mai auf dem Makalu. Die österreichische Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, mit der er öfter unterwegs war, bezeichnete ihn mal als „perfekten Seilpartner“. Das Nanga-Projekt hat es ihm angetan, weil er sich schon immer im Winter an einem Achttausender versuchen wollte, weil der Nanga Parbat „ein sehr beeindruckender Berg ist“, wie er sagt, und weil er gern in einer internationalen Expedition dabei sein wollte.

          Und dann ist da noch ein Anreiz. Auch wenn der, sagt Göttler, „für mich im Moment gar keine Motivation ist“: Erreichen die beiden tatsächlich ihr Ziel, wäre David Göttler der erste Deutsche, der im Winter auf dem Gipfel eines Achttausenders steht. Und Moro und Göttler wären die ersten Menschen, die es im Winter überhaupt auf den Nanga Parbat schafften.

          Warum tut sich einer das alles an?

          Der in Pakistan gelegene Berg ist neben dem K2 (8611 Meter) der einzige der 14 Achttausender, der im Winter noch unbestiegen ist. Nicht zuletzt, weil die Witterungsbedingungen dort extrem sind. Das gewaltige Bergmassiv ragt wie ein gigantischer Felsblock aus der Landschaft, ohne schützendes Gebirge ringsum. „Wenn du starken Wind hast“, sagt Moro, „trifft er voll auf den Berg“. Wie sich das anfühlt, erfuhr der Italiener Anfang 2012 - da musste er seine Nanga-Parbat-Expedition nach 51 Tagen abbrechen. Das schlechte Wetter ließ ihm keine Wahl.

          Fragt sich also: Warum tut sich einer das alles an? Die wochenlange Kälte, ein Leben im Gefrierschrank, Temperaturen bis zu minus 50 Grad ertragen, fast ständig dem miesen Wetter ausgesetzt sein? Und dem wütenden Wind, der einen am liebsten vom eisigen Berg pusten will?

          „Das möchte ich zumindest einmal erfahren“

          David Göttler ist ein lockerer, ein offener, ein umgänglicher Typ, mit wachen Augen und schnellem Geist. Er könnte perfekt irgendeine Spaßsportart verkörpern. Stattdessen quält er sich einen der höchsten Berge hinauf, in Eiseskälte. Warum? „Für mich ist das Explorative, der weiße Fleck, das Spannende und Neue, das mich motiviert“, sagt er. Winter in Himalaja und Karakorum, das ist eine andere Welt. Eine Welt der Einsamkeit und der Stille.

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