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Geiger mit WM-Silber : Karl kommt wieder aus der Kiste

  • -Aktualisiert am

Strahlender Zweiter: Lokalmatador Geiger gewinnt überraschend Silber. Bild: AFP

Karl Geiger erlebt in dieser Saison eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Bei der Heim-WM in Oberstdorf holt er plötzlich wieder Silber von der kleinen Schanze. Das überrascht nur auf den ersten Blick.

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          Diese Vorstellung hätte ein großes Publikum verdient gehabt. Unter normalen Bedingungen wären 25 000 Besucher im weiten Rund des Oberstdorfer Schattenbergstadions gewesen und hätten Karl Geiger gefeiert. Stattdessen skandierten am Samstag nur ein paar Volonteers auf der Tribüne des Schattenbergstadions „Karle, Karle“. Trotzdem genoss Karl Geiger diese Momente in vollen Zügen. Zweiter war er beim Springen von der kleinen Schanze geworden. Hinter dem Polen Piotr Zyla. Auf die erste Medaille für das deutsche Team hatten bei dieser nordischen Weltmeisterschaft zwar alle gehofft, aber zugetraut hat man diese eher Markus Eisenbichler. Doch er kam nur auf den 17. Platz.

          Karl Geiger hat in dieser Saison eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle erlebt. Im Dezember hatte er eine Woche im Weltcup pausiert, um bei seiner Frau Franziska zu bleiben, weil die Geburt des ersten Kindes bevorstand. Doch Luisa kam erst zur Welt, nachdem der 28-Jährige aus Planica als Skiflug-Weltmeister zurückgekehrt war. Kaum zuhause, erhielt er die Nachricht, dass er positiv auf Corona getestet worden war. Gerade noch rechtzeitig zur Vierschanzentournee durfte er die Quarantäne verlassen. Und gewann das Auftaktspringen in seinem Heimatort Oberstdorf. Platz zwei in der Tourneewertung hinter dem Polen Kamil Stoch war ein weiteres Highlight.

          Doch diese Form konnte der 1,85 Meter große Skispringer nicht halten. Den Tiefpunkt erlebte er Anfang Februar in Klingenthal, als er sich zweimal nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte. Beim Titelgewinn in Planica hatte Bundestrainer Stefan Horngacher gesagt: „Dann kommt Karl aus der Kiste, holt den Weltmeister-Titel.“ Den Titel hat er am Samstag um 1,80 Meter verfehlt, denselben Spruch hätte der Coach wieder anbringen können. „Wenn wir wüssten, wie Karl immer aus der Kiste kommt?“, sagte Horngacher.

          Flug durch die Nacht: Karl Geiger hebt ab bei der WM in Oberstdorf.
          Flug durch die Nacht: Karl Geiger hebt ab bei der WM in Oberstdorf. : Bild: dpa

          Geiger hat gelernt, sich komplett auf den Wettkampf zu fokussieren. „Der Karl macht schon viel auf Sparflamme“, verrät der Bundestrainer. Er mache seine spezielle Wettkampfvorbereitung, „wo er sich halt extrem herholen kann und extreme Dinge leisten kann.“ Dies hat besonders für seinen zweiten Sprung gegolten. „Nach dem Tisch habe ich gemerkt: Uih, jetzt hebt es mich noch einmal richtig raus. Und dann über die grüne Linie zu segeln, dann habe ich gehofft: Bitte, bitte, bitte, lass’ es für etwas reichen“, beschrieb der Skispringer den Flug auf 102 Meter. Und es hat gereicht. Von Platz vier konnte er sich auf den zweiten Rang verbessern.

          Die Kraft der Familie

          Natürlich zählt Karl Geiger mittlerweile neben Markus Eisenbichler zu den Leistungsträgern im deutschen Team. Bei den Titelkämpfen 2019 in Seefeld wurde Eisenbichler Weltmeister, Geiger Zweiter. Dazu gab’s noch Gold im Team und Mixed. Doch noch ein Jahr davor hatte Geiger über sich gesagt: „Das große Talent war ich nie. Ich bin von Jahr zu Jahr besser geworden – das war ein ganz langsamer Prozess. Und dieser Prozess ist noch nicht vorbei.“ Der nächste Schritt folgte in Pyeongchang. „Der Knoten ist bei den Olympischen Spielen geplatzt – drei Einsätze, eine Silbermedaille. Das gab mir Kraft.“

          Die schöpft der Allgäuer aus seiner Familie. Sowohl seine Frau Franziska als auch seine Schwester Lucia helfen bei der Organisation dieser Titelkämpfe. Beide gehören zum Team, das die Siegerehrungen vorbereitet. „Ich habe meine Frau und meine Schwester zwar gesehen, aber ihnen nur kurz zugenickt“, erzählte er nach dem Wettkampf von ihrer Begegnung nach dem ersten Durchgang. „Ich bin dann weitergegangen. Ich wusste, dass erst ein Sprung runter und noch gar nichts vorbei ist.“

          Vor der Siegerehrung jedoch hat die Familie Geiger dann das strenge Protokoll missachtet. „Wir haben nichts gesagt, uns nur umarmt und ganz feste gedrückt, das hat mich unglaublich gefreut“, erzählte Geiger: „Die Unterstützung von zu Hause, das ist das, was zählt und im Endeffekt entscheidet.“ Gegen mehr Unterstützung durch Zuschauer hätte Karl Geiger allerdings nichts einzuwenden gehabt.

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