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Alpine Ski-WM : Wie Skirennlauf zum Extremsport wurde

  • -Aktualisiert am

Am Limit und darüber hinaus: Lindsey Vonn lässt es krachen. Bild: Spiess/Red Bull

„Auf Autopilot“: Mit Alltagsskifahren hat das, was die Profis auf Pisten wie bei der WM in St. Moritz leisten, nichts mehr zu tun. Mittlerweile sorgen selbst Veränderungen zu mehr Sicherheit für Skepsis.

          Die Knautschzone ist nur ein paar Millimeter dick, ein Rennanzug mit einem Rückenprotektor und einem Airbag für die Nackenpartie. Beinahe ungeschützt stürzen sich Abfahrer in die Tiefe und müssen versuchen, bei Geschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde die Ideallinie zu halten und Sprünge bis zu 70 Metern zu bewältigen. Wenn Skirennläufer wie der kanadische Weltmeister Erik Guay in Garmisch-Partenkirchen Ende Januar oder der überforderte Monegasse Olivier Jenot beim Super-G der WM in St. Moritz durch die Luft fliegen und auf die Piste knallen, ist das Teil des Spektakels, aber gleichzeitig führen solche Stürze den Beteiligten vor Augen, dass sich der Sport, vor allem die Abfahrt, am Limit bewegt, und manchmal darüber hinaus.

          Die Grenze der Belastbarkeit, findet der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes, Wolfgang Maier, sei längst überschritten. Auf den menschlichen Körper wirken in der schnellsten Disziplin des alpinen Skirennsports Kräfte von mehr als einer Tonne ein. „Normalerweise hält der Mensch das nicht aus, aber solange die Biomechanik stimmt und jeder Muskel richtig agiert, kann es der Athlet kompensieren“, erklärt Maier.

          Todesangst vor dem ersten Mal auf der „Streif“

          Material, Pistenpräparierung und verbesserte Athletik haben dazu geführt, dass Skirennfahren Extremsport geworden ist. Olympiasieger Stephan Eberharter erinnert sich an seinen ersten Start auf der „Streif“ in Kitzbühel. 21 Jahre alt war der Österreicher damals, ein paar Wochen später wurde er in Saalbach Weltmeister im Super-G. Todesangst habe er gehabt im Starthaus. Vor ihm war ein Chilene an der Reihe. „Kurz vor dem Start schnallte er plötzlich seine Ski ab und lief weg.“ Dann war Eberharter dran. Im Ziel hatte er neun Sekunden Rückstand.

          Ähnlich ergeht es vielen Athleten bei ihrem ersten Auftritt in Kitzbühel, der wohl spektakulärsten Strecke im Weltcup. Aber auch die WM-Abfahrt auf der Corviglia hat bereits im Training einigen Athleten die Grenzen aufgezeigt. Wer am Start steht, muss sich bewusst sein, dass der Ausgang eines Sprungs, einer Linienwahl bei Geschwindigkeiten bis zu 140 Kilometern pro Stunde, ungewiss ist. „In der Mausefalle in Kitzbühel weißt du nicht, ob du nach 70 oder 80 Metern landest, ob es dir den Ski nach links oder rechts dreht und ob du es überstehst oder nicht“, sagt Maier.

          Das Entscheidende für die Athleten auf der Abfahrt sei deshalb, „ob sie sich trauen, dies auszublenden“. Eberharter hat in seiner Karriere gelernt, „während der Fahrt auf Autopilot zu schalten und einfach nur noch zu funktionieren“. Für den Schweizer Skirennläufer Marc Gini geht es in der Abfahrt um „mentale Stärke und Intuition“, wie er in einem Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb.

          Die Athleten müssen sich darauf verlassen, dass die Renndirektoren, die Trainer, die Serviceleute und nicht zuletzt der Internationale Skiverband die bestmöglichen Bedingungen schaffen. Dazu gehörten die Pistenpräparierung und eine Überprüfung des Materials. Seit 2006 dokumentiert der Verband jede Verletzung eines Skirennläufers in einer Datenbank. Als Konsequenz der vielen Knieblessuren waren vor fünf Jahren die Radien für Riesenslalom-Bretter verändert worden. Mit längeren und schlankeren Ski sollten Geschwindigkeit und Fliehkräfte reduziert werden.

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