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Biathletin Koukalová : Schützenkönigin mit Botschaft

Ein Kuss für die Medaille: Gabriela Koukalová ist derzeit die Nummer eins im Weltcup. Bild: dpa

Die tschechische Biathletin Gabriela Koukalová ist ein Star. Und sie ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Ihre Stimme im Kampf gegen Doping hat Gewicht.

          Sie könnte es sich einfach machen, könnte ein paar Floskeln hinwerfen oder mit einem entwaffnenden Lächeln antworten, dass sie sich lieber nur zu sportlichen Themen äußern möchte. Und nicht zum Doping, auch wenn es derzeit in Oberhof viele bewegt. Ihrem Image würde das wohl kaum schaden. Gabriela Koukalová ist so etwas wie das Glamour-Girl im Biathlon-Zirkus, eine strahlende, perfekt gestylte Erscheinung.

          In ihrer Heimat Tschechien ist die 27 Jahre alte Frau ein Star. Ein Allroundtalent – und in ihrem Sport sehr erfolgreich. Zwei Silbermedaillen hat sie bei Olympia in Sotschi erkämpft, und 2016 hat sie den Gesamt-Weltcup gewonnen. Am Samstag löste sie die pausierende Deutsche Laura Dahlmeier als Führende der Gesamtwertung ab. Gabriela Koukalová hat einen umtriebigen Manager, eine Menge Sponsoren, und seit der Heirat mit dem Badminton-Spieler Petr Koukal gilt das Paar als so eine Art tschechische „Brangelina“-Ausgabe.

          Ihre Stimme hat Gewicht in der Heimat, aber auch in der Biathlon-Branche, und dessen ist sie sich bewusst. Auch der Verantwortung. Und deshalb weicht sie nicht aus, wenn es ungemütlich wird. Wenn es um das Thema McLaren-Report geht. In dem 31 russische Biathleten als verdächtig eingestuft werden.

          Anti-Doping-Kämpferin gemeinsam mit Šlesingr und Fourcade

          Sie war zwar nicht bei dem Meeting am vergangenen Mittwoch dabei, als 60 Biathleten über mögliche Konsequenzen aus dem Report beratschlagten und einen Forderungskatalog an ihren Verband zwecks schärferer Doping-Sanktionen auf den Weg brachten, „aber ich unterstütze dieses Athleten-Projekt voll und ganz“. Sogar einem Boykott hätte sie sich angeschlossen, aber der ist vorerst vom Tisch. Sie hat viel gesprochen mit ihrem Teamkollegen Michal Šlesingr, der mit Martin Fourcade und dem Amerikaner Lowell Bailey einer der Initiatoren der Athleten-Offensive ist. Arbeitsüberschrift: Doping darf sich nicht lohnen.

          „Michal ist so etwas wie unser Präsident in diesen Fragen. Er vertritt uns quasi, und er macht das sehr gut.“ Auch sie vertritt etwas – und zwar eine sehr eindeutige ethische Grundhaltung. „Ich möchte mich für eine saubere Herangehensweise an den Sport und an das gesamte Leben einsetzen. Ich glaube, die einzige Möglichkeit zur Selbstachtung besteht darin, absolut fair zu sein in allen Dingen, die man macht.“ Sie selbst würde für ihre eigene Glaubwürdigkeit gerne noch mehr als die „25 bis 30 Doping-Kontrollen pro Jahr“ auf sich nehmen. „Von mir aus könnten sie ruhig öfter kommen. Ich bin jederzeit bereit, weil ich einen sauberen Sport unterstütze. Das ist mir wichtiger als Siege.“

          Sie glaubt auch, dass das Doping-Kontrollsystem weitgehend funktioniert – „in Ländern wie Deutschland oder Tschechien“. Aber eben nicht überall. „Das russische Team ist offenbar nicht in der Lage, mit den internationalen Anti-Doping-Organisationen zu kooperieren“, sagt sie. „Aber dann haben sie bei unseren Rennen nichts zu suchen.“ Den Strafenkatalog der Internationalen Biathlon Union (IBU) für nationale Verbände hält sie für lächerlich. Zweimal schon musste die russische Biathlon-Union wegen einer Häufung von Doping-Fällen innerhalb einer Saison zahlen – 2009 waren es 50.000 Euro, 2014 sogar 100.000 Euro – die Höchststrafe. „Das tut doch keinem wirklich weh“, sagt die Tschechin: „Da wäre es doch besser, ihnen bei Verstößen Startplätze im Weltcup zu entziehen.“ Wenn man schon mangels gerichtsfester Beweise keinen ganzen Verband ausschließen kann.

          Die Augen weit aufgerissen, volle Konzentration für das vierte Schiessen beim Weltcup in Oberhof: Koukalová wird letztlich Zweite hinter Marie Dorin-Habert.

          Wie groß ihr Misstrauen mittlerweile ist, zeigt sich bei der Frage eines russischen Journalisten. Ob sie Anton Schipulin, der auch bei dem Meeting gewesen sei, für „sauber“ halte. Die Antwort: „Wenn all diese Athleten in einem Team sind, glaube ich keinem mehr.“ Am meisten ist sie von der IBU enttäuscht. „Ich bin sehr traurig darüber, dass sie die WM 2021 nach Tjumen vergeben haben. Sie hatten damals ja schon eine Menge Informationen über die russische Doping-Problematik. Das ist doch nicht in Ordnung.“ Allerdings wurde das westsibirische Biathlon-Zentrum beim IBU-Kongress in Moldau demokratisch gewählt. Jetzt ist sie „froh, dass wir wenigstens nicht den Weltcup in Tjumen laufen müssen“. Weil ihn Russland zurückgegeben hat. Aber konsequent findet sie das nicht: „Kein Weltcup, aber eine WM in Russland, damit bin ich nicht einverstanden.“ Große Hoffnungen, dass sich die Athletenvorschläge in absehbarer Zeit umsetzen lassen, kann ihr IBU-Präsident Anders Besseberg jedenfalls nicht machen. Über Regeländerungen, sagt der Norweger, entscheidet allein der Kongress. Und der findet erst wieder 2018 statt.

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