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Frust beim Eishockey-Topklub : München in Not

  • -Aktualisiert am

Mannheimer Übermacht: Der EHC München (blaue Trikots) verlor das Topspiel in der DEL. Bild: dpa

Eine solche Dominanz hat die DEL in ihren 25 Jahren noch nicht erlebt. Doch auch wenn der EHC weiter an der Spitze der deutschen Eishockey-Liga steht: Die alte Souveränität ist dahin. Das Problem der Münchener ist offensichtlich.

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          In den Eisstadien ist die Spieluhr auf den Countdown-Modus eingestellt. Sie zählt die verbleibende Zeit herunter. In der letzten Minute werden zusätzlich die Zehntelsekunden angezeigt. Es wirkt dadurch noch spektakulärer, wenn dann ein wichtiger Treffer fällt. 7,9 Sekunden vor Schluss der regulären sechzig Minuten war es am Sonntag, als der Kanadier Trevor Parkes für den EHC München die Scheibe zum 2:2 gegen die Adler Mannheim über die Torlinie brachte. Zwei Minuten zuvor hatte es noch 0:2 gestanden.

          Eine typische Eishockey-Aufholjagd, bei der die Münchner ihren Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzten. Sie wendeten also eine glatte Niederlage ab und schafften es in die Verlängerung. Die verloren sie jedoch schnell, Ben Smith schoss nach 41 Sekunden das 3:2 für Mannheim. Doch dem EHC München blieb wenigstens ein Punkt.

          In der Champions League vor dem Aus

          Die Tabelle der Deutschen Eishockey Liga (DEL) führt die Münchner einen Spieltag vor Hauptrunden-Halbzeit weiter an der Spitze. Mit erklecklichem Vorsprung: acht Punkte vor Straubing, dem Überraschungsteam der Saison, zwölf vor Mannheim, den Meister. Das Tabellenbild vertuscht aber, dass den Münchnern ihre Souveränität der ersten Wochen abhandengekommen ist. „Man kann nicht erwarten, dass wir von 52 Spielen 49 gewinnen“, sagt Patrick Hager, der Kapitän und Nationalspieler. Doch genau danach hatte es ausgesehen, als München, der Meisterschaftszweite, mit 16 Siegen aus 17 Spielen gestartet war. Eine solche Dominanz hatte die DEL in ihren 25 Jahren noch nicht erlebt.

          Von den folgenden acht Partien gingen vier verloren, und in der Champions Hockey League (CHL) steht der EHC München vor dem Aus. An diesem Dienstag (20.00 Uhr bei Sport1 und Magentasport) erwartet er den schwedischen Traditionsklub Djurgarden Stockholm zum Rückspiel im Viertelfinale, ein 1:5 aus der ersten Begegnung vor einer Woche lastet auf den Münchnern. Gespielt wird wie im internationalen Vereinsfußball nach der Regel, dass die Tordifferenz zählt, wenn jedes Team ein Spiel gewinnt (allerdings gelten Auswärtstore bei Gleichheit nicht doppelt). Der Münchner Trainer Don Jackson kann ein verzweifeltes Lachen nicht unterdrücken, wenn er die Taktik darlegt. „Wir sollten früh das erste Tor erzielen, ein zweites nachlegen und von da aus weitergehen.“ Der EHC, der in der vergangenen Saison noch das Finale erreicht hatte, müsste fünf Tore mehr erzielen als Djurgarden Stockholm.

          Das Münchner Problem ist die personelle Situation. Zuletzt mussten acht Spieler verletzt oder krank gemeldet werden. Beide Torhüter, der Olympia-Held Danny Aus den Birken und der inzwischen zum Nationalspieler aufgestiegene Kevin Reich, fallen länger aus. Im Tor steht nun Daniel Fießinger, ein 23-Jähriger, den der EHC meist bei seinem Partnerverein zwei Klassen tiefer, dem SC Riessersee, spielen lässt. Im Angriff muss Don Jackson auf etablierte Kräfte wie Mads Christensen, Frank Mauer und den als Schlüsselspieler verpflichteten Derek Roy verzichten. Und die Lage wird sich absehbar noch verschlechtern.

          Mit dem CHL-Spiel gegen Stockholm verabschieden sich John-Jason Peterka, Justin Schütz und Dennis Lobach für einige Wochen von ihrem Verein. Sie sind für die U-20-Weltmeisterschaft nominiert, am Mittwoch beginnt die Vorbereitung. Es herrscht Abstellpflicht, doch der EHC würde seinen jungen Spielern die Teilnahme auch gar nicht verwehren wollen. Schließlich betreibt der Getränkekonzern Red Bull, Besitzer des Vereins, in Salzburg eine Eishockey-Nachwuchsakademie. Der 17-jährige Peterka ist ihr bisher erfolgreichster Absolvent. „Die U-20-WM“, sagt Manager Christian Winkler, „ist sein wichtigstes Turnier, er wird sich den Scouts aus der National Hockey League im direkten Vergleich mit den Besten aus Kanada und den USA zeigen.“ Peterka und der zwei Jahre ältere Schütz sind jetzt schon Stammkräfte beim EHC. Erst im Januar werden sie zurückkehren von ihrer U-20-Mission. Verpassen werden sie sogar das nächste Topspiel gegen die Adler Mannheim. Es findet bereits kommenden Sonntag statt.

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