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Eishockey in Bremerhaven : Der unverhoffte Aufstieg der Pinguine

  • -Aktualisiert am

Haben gut lachen: Die Eishockeyprofis aus Bremerhaven sind in Feierlaune Bild: foto2press

In Bremerhaven wird Eishockey gelebt. Seit das Team der Fischtown Pinguins in der DEL spielt sogar noch mehr als zuvor schon. Das liegt vor allem an einem Spieler.

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          Der Wind bläst eisig, es ist längst dunkel geworden. Gewöhnlich ist hier montags Ruhetag. Doch von Ruhe ist am zweiten Weihnachtstag keine Spur. Während die letzten Zuschauer in die Halle drängen, haben Marion und Helge Barth in der Raucherecke die Ruhe weg. Wie so viele tragen sie Fantrikots dieser besonderen Saison, in der ihre Fischtown Pinguins Bremerhaven in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) debütieren. Die beiden sind trotzdem gut zu erkennen, was vor allem am markanten Äußeren von Marions Mann liegt: Helge Barth trägt Vollbart und einen schwarzen Lederhut, auf dem er eine nicht minder auffällige Sonnenbrille mit runden, pechschwarzen Gläsern drapiert hat. Sie seien hier, „um Freunde zu treffen und ein Bierchen zu trinken“. Vor allem aber kümmern sie sich als Fanbeauftragte um die Belange der Anhänger.

          Marion und Helge Barth machen noch einen kurzen Abstecher zum Getränkestand. Sie haben die Halle kaum betreten, da hebt drinnen bereits der Jubel an: Ein Pinguin tanzt über den Videowürfel, Tor für die Heimmannschaft. Der kleine Pinguin wird noch drei weitere Male tanzen. Das Spiel gegen Augsburg ist noch nicht zur Hälfte vorüber, da verleihen die allermeisten der 4647 Zuschauer in der ausverkauften Eisarena ihrer Begeisterung mit stehend dargebrachten Ovationen Ausdruck.

          Königstransfer der Pinguine

          Später, als die Bescherung in Gestalt eines 4:2-Sieges vorbei und die Tribüne leergefegt ist, steht Mike Moore strahlend in den Katakomben. Die Krawatte zum weißen Hemd ist bereits gebunden, die nassen, blonden Haare nach hinten gekämmt, es läuft Musik. Der 32 Jahre alte Kanadier gilt als Königstransfer der Pinguine und hat großen Anteil daran, dass die Pinguine nach 34 Spielen und vor dem Heimspiel gegen die Nürnerg Ice Tigers an diesem Freitag (19.15 Uhr) auf Rang neun der DEL-Tabelle rangieren. „Er ist unser Leader“, sagt Trainer Thomas Popiesch. Warum das so ist, lässt sich mit den gängigen Statistiken, mit Toren und Vorlagen nicht ermessen. Moore hat in 515 Spielen in der zweiten nordamerikanischen Liga, der AHL, auf dem Eis gestanden. Er war Kapitän diverser Teams und trägt natürlich auch in Bremerhaven das „C“ auf dem Trikot. Über seinen Wechsel nach Europa sagt Moore: „Es war Zeit, etwas Neues zu probieren.“

          Als Spielgestalter oder Scharfschütze in Überzahl taugt der Verteidiger kaum. Dafür spult Moore ein ungemeines Pensum ab, wenn er in brenzligen Situationen vor dem eigenen Tor aufräumt und vorlebt, was sich auf die Teamkollegen überträgt: jeden Zweikampf führen, als wäre es der spielentscheidende, dem Gegner körperlich zusetzen, für die Mitspieler einstehen. Dafür scheut der Mann mit der Nummer 55 auf dem Trikot auch persönliche Konsequenzen nicht, wie sein Strafzeitenkonto verrät.

          Moore ist ein Mann mit vielen Interessen. Parallel zur Eishockeykarriere machte er einen Abschluss in Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik an der Princeton University, engagierte sich bei der Feuerwehr und erwarb einen Pilotenschein. „Klingt nach einem Typen, der nicht weiß, was er will“, sagt Moore und lacht. Man hat ihm nicht zu viel versprochen: Bremerhaven hat er als „hockey community“ kennengelernt. „Ich spüre das daran, wie wir in der Nachbarschaft aufgenommen wurden.“ Gleich im ersten Monat habe seine Frau einen Job in einer amerikanischen Kaffeebar gefunden. „Wir lieben es hier und würden sehr gerne länger bleiben“, sagt der Kanadier.

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