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Finnland : "Keiner weiß, was uns der Skandal gekostet hat"

  • -Aktualisiert am

Mika Myllylä hatte Anteil an der finnischen Eiszeit Bild: AP

Schritt für Schritt erholt sich Finnland vom Doping-Desaster im Traditionssport Skilanglauf. 2001 wurden sechs finnische Stars erwischt. Es folgten magere Jahre.

          Einige Tage des Februar 2001 bleiben für immer schwarz in der Geschichte des finnischen Sports. Ausgerechnet im geliebten Langlauf, im Volkssport der Finnen, wurden vier Männer und zwei Frauen erwischt: Doping bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Lahti, Betrug durch Weltstars wie Mika Myllylä, Harri Kirvesniemi und Jari Isometsä, die Botschafter einer stolzen Nation von Langläufern.

          Das war ein Skandal, der größte in der Historie des kleinen, jungen, so sportlichen Landes. Der Schock schien alles zu lähmen. Und die Konsequenz tat weh. Ein Jahr später folgte der schmerzhaften Enthüllung die Bestätigung: Der finnische Langlauf, gefallen vom Gipfel des Leistungssports in die Tiefe, hatte nicht mehr die natürliche Kraft für eine einzige Medaille bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City. Zum ersten Mal kehrten die finnischen Langläufer von Olympia ohne Edelmetall heim.

          Gibt es ein flächendeckendes Doping?

          Natürlich gab es einen Neuanfang. Kopf hoch, schwungvoll stürmten die Finnen schon bald wieder durch die Loipe. Als wollten sie sagen, seht her, es geht doch auch ohne. Vielleicht. Nur nicht bei jedem. Bei der WM in Val di Fiemme, zwei Jahre nach dem Skandal von Lahti, wird eine Läuferin positiv getestet: Kaisa Varis - aus Finnland. Das war der eigentliche Tiefschlag, die Reduzierung des finnischen Ski-Langlaufes auf den Punkt Null. Und dieser Fall, Varis war die Lebensgefährtin des 2001 suspendierten Männer-Cheftrainers Kari-Pekka Kyrö, löste eine heftige Diskussion im Lande aus: Ist die Manipulation im Langlauf ein Einzelfall, oder gibt es ein flächendeckendes Doping im Land? Diese Frage ließ sich nicht klären. Nur eines stand sofort fest. Der Imageschaden im Langlauf färbte nun doch auf den gesamten finnischen Sport ab.

          Jari Isometsä such Rat bei seiner Frau Johanna

          Vielleicht ist das im Ausland nicht so aufgefallen - abgesehen vom Leistungsabfall im Langlauf. In Finnland aber waren die Folgen drastisch. Nacheinander traten Sponsoren mit Hinweis auf die weltweit veröffentlichten Dopingfälle von ihrem Engagement zurück. Die Regierung fror alle Fördermittel ein. Der Sport hatte seine Glaubwürdigkeit verloren und befand sich plötzlich in einer großen wirtschaftlichen Krise. "Kein Mensch kann ausrechnen, was uns der Verlust des Ansehens gekostet hat", sagt Jari Piirainen, der Generaldirektor des Finnischen Skiverbandes, "aber die konkreten wirtschaftlichen Verluste in unserem Verband lagen bei rund 3,1 Millionen Euro." Das waren etwa 40 Prozent des Jahresetats. Beim Ski-Verband ging es um die Existenz.

          Tankstellen retten Langlauf

          Um überleben zu können, mußte er den Gewinn der WM in Lahti, zwei Millionen Euro, zum Ausgleich der Verluste nehmen. "Das war grausam", sagt Piirainen, der vom Sportministerium in den Verband geschickt worden war: "Die zwei Millionen waren für ganz andere Zwecke in der Zukunft geplant. Wir wollten einen Teil des Geldes zum Beispiel in die wichtige Trainerausbildung investieren." Inzwischen läuft es wieder im Verband. Die Verantwortlichen einer Tankstellenkette sind überzeugt vom neuen Geist im finnischen Langlauf. Sie "betankt" Sport und Sportler. "Das war ein Glücksfall für uns. Man kann sagen, daß die Tankstellenkette den finnischen Langlauf gerettet hat", berichtet Piirainen.

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