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Felix Neureuther : Die Crux mit dem Rücken

  • -Aktualisiert am

Schmerzensmann: Felix Neureuther ist Leid mit dem Rücken gewöhnt Bild: dpa

Slalomstar Felix Neureuther ist wieder angeschlagen: Diese Hiobsbotschaft überschattet gar das Erstrunden-Aus des deutschen Teams bei der Ski-WM in St. Moritz. Die Aussichten sind nur noch bedingt gut.

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          Die Hoffnung auf die erste Medaille endete am einzigen Sprung im kurzen Parallelkurs. Felix Neureuther hob gleichzeitig mit seinem Gegner an der künstlichen Kuppe ab – und spürte bei der Landung, wie es „in den Rücken eingeschossen ist, dann konnte ich nicht mehr Gas geben“. Im Endspurt zog Matej Falat, die Nummer 175 der Slalom-Wertung, davon und holte den entscheidenden dritten Punkt für die Slowakei. Dass Neureuther im Ziel erst einmal in gebückter Haltung verharrte, hatte nichts mit der Enttäuschung zu tun, bereits in der ersten Runde des Teamevents ausgeschieden zu sein, sondern vielmehr mit dem lädierten Rücken, der ihm ausgerechnet bei seinem ersten Einsatz bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz wieder einmal Schwierigkeiten bereitete.

          Neureuther hatte das letzte von vier Duellen gegen die Slowakei bestritten. Zuvor waren Christina Geiger und Lena Dürr wie erwartet gegen die beiden hervorragenden Slalomläuferinnen Petra Vlhova und Veronika Velez Zuzulova chancenlos gewesen. Stefan Luitz hatte nach überstandenem Magen-Darm-Virus sein Duell mit Andreas Zampa klar gewonnen – und deshalb wären die Deutschen ins Viertelfinale eingezogen, wenn Neureuther ausgeglichen hätte und zudem eine glänzende Zeit gefahren wäre.

          Für das hoch gehandelte deutsche Team war es kein Trost, am späteren Silbermedaillengewinner gescheitert zu sein. Die Slowakei warf anschließend noch Italien und die Schweiz aus dem Rennen, ehe die Mannschaft im Finale an Frankreich scheiterte. Titelverteidiger Österreich blieb nach dem Aus im Viertelfinale zum ersten Mal ohne Medaille im Teamwettbewerb. Bemerkenswert war dabei der Auftritt von Marcel Hirscher: Der fünffache Gesamtweltcupsieger verlor seine beiden Rennen – einmal gegen einen unbekannten Belgier namens Dries van den Broecke und dann gegen den Schweden Andre Myhrer.

          Ratlosigkeit bei den Verantwortlichen

          Neureuther war nach dem Wettbewerb kurz angebunden. Dass er „ein bisschen“ Schmerzen habe, wie er sagte, dürfte ziemlich untertrieben gewesen sein. „Ich muss jetzt schauen, dass ich meinen Rücken hinbekomme“, sagte Neureuther, der seine wichtigsten Wettkämpfe noch vor sich hat: den Riesenslalom am Freitag und den Slalom zum Abschluss am Sonntag.

          Teil der Niederlage: Neureuther (r.) gegen den Slowaken Matej Falat

          Bei den Verantwortlichen herrschte dagegen erst einmal Ratlosigkeit, warum die deutsche Mannschaft wie vor zwei Jahren in Vail wieder in der ersten Runde gescheitert ist. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes, Wolfgang Maier. Er sei „richtig emotional getroffen. Am liebsten würde ich heimfahren oder etwas kaputthauen.“ Nach der Nominierung war er noch optimistisch gewesen. „Die Slowakei ist machbar“, sagte er. Anders als vor zwei Jahren gab es im deutschen Team anschließend keine Diskussionen über die Aufstellung. In Vail hatte Neureuther kritisiert, dass auf Slalomspezialistinnen verzichtet worden war. Dieses Mal wurde nach den Eindrücken im letzten Training für den Teamwettbewerb aufgestellt, und da seien Geiger und Dürr „deutlich stärker gewesen als Rebensburg“, sagte Frauen-Cheftrainer Markus Anwander.

          Allerdings war von Anfang an klar, dass für die nötigen Punkte im Kampf gegen die Slowakei wohl die Männer würden sorgen müssen. Dass in Linus Straßer der Sieger des Parallelslaloms von Stockholm zuschauen musste in der ersten Runde, begründete Maier mit dem Teamgedanken, alle sechs für den Wettbewerb Nominierten einmal starten zu lassen. In der nächsten Runde wäre Straßer an der Reihe gewesen. „Wir wollten es so probieren, und es ist uns nicht aufgegangen“, sagte der Alpinchef.

          Noch ohne Medaille

          Wie in Vail steht die deutsche Mannschaft nach sieben Wettbewerben noch ohne Medaille da. 2015 gelang es, in den letzten vier Tagen die drei angestrebten Medaillen doch noch zu holen – durch Viktoria Rebensburg im Riesenslalom (Silber) sowie Dopfer und Neureuther im Slalom (Silber und Bronze). Auch in St. Moritz könnten sich die Erwartungen des DSV in den abschließenden Technik-Rennen noch erfüllen.

          Es wäre nicht das erste Mal, dass Viktoria Rebensburg ausgerechnet beim Großereignis in ihrer Lieblingsdisziplin das beste Saisonresultat gelingen würde, allerdings verbreitete sie in den Tagen nach der verpassten Super-G-Medaille und dem enttäuschenden elften Platz in der Abfahrt keine große Zuversicht. Luitz gehört seit dem dritten Platz im Riesenslalom von Garmisch-Partenkirchen Ende Januar in den Kreis der Podest-Kandidaten, aber er sei eher „der Eisbeißer“, gibt er zu, also einer, der harte, eisige Bedingungen liebt. Aufgrund der höheren Temperaturen im Engadin wird allerdings auch die Piste auf der Corviglia in den kommenden Tagen weicher werden. Auf Neureuther ruhten in St. Moritz bisher wieder die größten Hoffnungen. Doch zu den Materialproblemen, mit denen er die gesamte Saison zu kämpfen hatte im Slalom, kommt nun auch noch ein lädierter Rücken. Bedingt gute Aussichten in St. Moritz.

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