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Ski-WM : Bronze, das sich wie Gold anfühlt

  • -Aktualisiert am

Die Medaille: Felix Neureuther mit Bronze Bild: dpa

Die Ski-WM endet versöhnlich für den deutschen Skiverband: Die Bronzemedaille für Felix Neureuther bewahrt den DSV vor der Null im Medaillenspiegel. Doch der Mangel an der Basis weckt kaum Hoffnung.

          Als Markus Wasmeier bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer den 36. Platz in der Abfahrt belegte, mehrten sich die Stimmen selbst wohlmeinender Kritiker, der Überraschungs-Weltmeister von 1985 möge es doch bitteschön endlich bleiben lassen mit dem Skirennsport. Vier Tage später wurde Wasmeier Olympiasieger im Super-G und eine knappe Woche danach holte er auch noch Gold im Riesenslalom. Vom Ruhm dieser Sternstunden lebt der ewige „Wasi“ noch heute. Es ist also nie zu spät, an sich zu glauben. Und mancher wird belohnt für seine Ausdauer.

          Bei der aktuellen Ski-WM in St. Moritz zum Beispiel. Die Ausbeute der deutschen Läufer war bis zum Schlusstag gleich null. Keine Medaille statt der angepeilten drei. Und nicht mal gute Resultate. Ein vierter Rang von Viktoria Rebensburg zum Auftakt im Super-G, zwei Top-Ten-Plätze von Andreas Sander in den schnellen Disziplinen. Das war’s.

          Alpindirektor Wolfgang Maier kündigte Änderungen an, lehnt unmittelbare Konsequenzen dennoch ab. Herren-Bundestrainer Mathias Berthold hat seinen Vierjahresplan auf Olympia 2018 ausgerichtet. Und Viktoria Rebensburg beharrt darauf, so schlecht nicht gefahren zu sein. Einsicht sieht anders aus. Doch sie können es sich leisten. Denn es fehlt der Druck von unten.

          Tendenz an der Basis fallend

          Wenn früher 200 Nachwuchsfahrer bei regionalen Meisterschaften antraten, sind es heute noch 50, berichten Insider. Tendenz weiter fallend. Und selbst die Besseren steigen oft aus, bevor es ernst werden könnte mit der Karriere. Denn so schön das Skifahren als Freizeitvergnügen ist, so gefährlich ist es als Rennsport, zudem zeitraubend und teuer. Der Aufwand ist enorm. Der Ausgang ungewiss. Immer weniger Eltern wollen ihre Kinder diesem Extremsport noch aussetzen.

          Und auch weiter oben ist das Risikomanagement angekommen. „Wenn es eng und kritisch“ werde, steige „die Vicky“ lieber aus, als eine Verletzung zu riskieren, monierte Maria Höfl-Riesch nach Rebensburgs Riesenslalom-Aus. Kritik von Olympiasiegerin zu Olympiasiegerin: 2010 gewannen beide noch gemeinsam Gold. Heute müht sich die Jüngere alleine weiter, während die nur fünf Jahre Ältere von der hohen Kanzel als Fernseh-Expertin urteilt.


           

          Doch es kann ja wohl kein Fehler sein, lieber auszusteigen, als die Gesundheit zu riskieren. Allzu viele Alpine mussten schließlich schon monatelang aussetzen, weil sie dachten, die Kurve noch zu kriegen: Kreuzbandrisse, Schienbeinbrüche, das Bulletin ist schier endlos. Andererseits nutzten bei dieser WM etliche Überraschungskandidaten den Moment, gingen an dem einen Tag, an dem es für sie zählte, volles Risiko und wurden belohnt. Nur die Deutschen gingen leer aus. Bis zum letzten Rennen.

          Im Slalom ruhten die Hoffnungen mal wieder auf Felix Neureuther. Zwar lahmte selbst der deutsche Vorfahrer vor seinem vermutlich letzten WM-Rennen. Doch vor der Ziellinie aufgeben ist auch keine Lösung. Neureuther sagte sich: „genieß die Fahrt". Er zeigte nochmal, was er drauf hat und gewann Bronze, das sich fast wie Gold anfühlte.  

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