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Felix Neureuther : Ein Jahrhunderttalent als Glücksfall

  • -Aktualisiert am

Felix Neureuther: Jahrhunderttalent und Glücksfall für den Verband Bild: USA Today Sports

Beim Finale der Ski-WM an diesem Sonntag will Felix Neureuther im Duell mit Marcel Hirscher Gold im Slalom gewinnen. Doch auch andere Deutsche rechnen sich Chancen aus. Für sie ist Neureuther ein Glücksfall.

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          Der Blick schweifte kurz über die Kameras hinweg, in der Reihe dahinter hatte Felix Neureuther seine Eltern erkannt. Er blieb stehen und zuckte bedauernd die Schultern, vom Papa kam eine ähnliche Reaktion zurück, dann setzte Neureuther seinen Weg fort. Er hatte soeben bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Vail/Beaver Creek sein bestes Riesenslalomresultat in dieser Saison geschafft.

          Neureuther wurde Vierter und belegte damit aber den Platz, der am undankbarsten ist bei einem Großereignis. Zu schlecht für ein Medaille, aber gut genug, um am Abend bei der Siegerehrung dabei zu sein. Da schaut man dann ein wenig sehnsüchtig auf das Podium daneben und darauf, wie drei Kollegen Medaillen um den Hals gehängt bekommen. „Einer muss ja Vierter werden“, sagte Neureuther. „Jetzt bin’s halt ich.“

          Das deutsche Technikteam liegt vorne

          Es war sein bestes Saisonresultat in dieser Disziplin, aber weil er nach dem ersten Durchgang noch Dritter war, reagierte er ein bisschen zwiegespalten. Dabei hatte Neureuther die gute Serie der Deutschen im Riesenslalom und Slalom in dieser Saison am Freitag fortgesetzt. Sie landeten sehr häufig unter den besten fünf. Dass dieses Mal Fritz Dopfer und Stefan Luitz etwas abgeschlagen waren, Fünfzehnter und Zwanzigster, hatte aber gute Gründe. Dopfer plagen seit einer guten Woche massive Rückenbeschwerden, und Luitz war gerade von einer schweren Muskelverletzung genesen, als ihn nach der Ankunft in Vail auch noch eine Grippe ereilte. „Von oben bis unten hat mir ein bisschen die Power gefehlt“, sagte er.

          Während Dopfer und Neureuther an diesem Sonntag im Slalom noch eine Chance auf eine Medaille haben, war der Riesenslalom für den Allgäuer der einzige WM-Einsatz. Trotz der verpassten Medaille im Riesenslalom ist das deutsche Technikteam nach Top-3-Resultaten in diesem Winter das beste im Weltcup. Neureuther, Dopfer und Luitz holten gemeinsam elf Podestplätze, die Skination Österreich dagegen nur zehn, und dafür war auch noch Marcel Hirscher allein verantwortlich. Der Salzburger gewann im Riesenslalom seine dritte Medaille in Vail/Beaver Creek, nach zweimal Gold reichte es dieses Mal jedoch „nur“ zu Silber hinter dem Amerikaner Ted Ligety.

          Fritz Dopfer: In kleinen Schritten zu Weltelite

          Aber auch die deutschen Podestplätze gehen hauptsächlich auf das Kontos eines Mannes - auf jenes von Neureuther, der im WM-Slalom an diesem Sonntag (18.15 und 22.30 Uhr MEZ / Live auf ARD und Eurosport) zu den großen Favoriten zählt. „Er ist der Dreh- und Angelpunkt“, sagt Alpinchef Wolfgang Maier. Noch, denn seit zwei, drei Jahren entwickelt sich um den Garmisch-Partenkirchener ein Team mit Perspektive. Neureuther, Dopfer und Luitz sind das Gerüst, dazu kam seit diesem Winter der junge Linus Strasser, und ein paar Talente befinden sich noch in der Warteschleife. „Wenn Fritz und Felix im Slalomtraining nicht optimal fahren, bekommen sie vom Linus gleich eine betoniert“, sagt Männer-Cheftrainer Mathias Berthold.

          Von der Konkurrenz profitieren beide

          Der interne Vergleich hatte davor jahrelang gefehlt. Der Deutsche Skiverband hatte viele Jahre lang froh sein müssen, überhaupt einen aussichtsreichen Athleten in den technischen Disziplinen zu stellen. Im Slalom klappte das immerhin noch. Zwischen der Ära Armin Bittner, die Anfang der neunziger Jahre endete, und dem Auftauchen von Neureuther zehn Jahre später gab es immerhin noch gelegentliche Gastspiele in den Top Ten. Neureuther ist als Glücksfall zu betrachten: ein Jahrhunderttalent sozusagen und nicht unbedingt das Produkt guter Nachwuchsarbeit.

          Die hatte der DSV lange vernachlässigt - oder schlichtweg nicht die richtigen Schritte eingeleitet. So reiste Neureuther am Anfang seiner Weltcup-Karriere mit Alois Vogl von Slalom-Rennen zu Slalom-Rennen. Der Lohberger war eigentlich schon ein Auslaufmodell, aber der damalige Cheftrainer Werner Margreiter hielt an ihm fest, und Vogl dankte es im reiferen Skifahrer-Alter mit einem Weltcupsieg und ein paar weiteren Podestplazierungen.

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