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Mannheimer DEL-Fehlstart : Gestutzte Flügel

Noch läuft nicht viel zusammen bei den Adlern aus Mannheim Bild: Picture-Alliance

Titelverteidiger am Tiefpunkt: Nach sechs Pleiten aus zehn Spielen stehen die Adler Mannheim in der Deutschen Eishockey-Liga gehörig unter Druck. Und Trainer Greg Ireland fehlt weiterhin ein ganz wichtige Spieler.

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          Neu ist die Erkenntnis nicht, unangenehm aber nach wie vor. Gerade mal einen Monat hat es gedauert, und schon haben die Adler Mannheim erfahren müssen, wie vergänglich Erfolg sein kann. Nichts läuft bisher nach Plan für den Titelverteidiger in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die 3:5-Niederlage in Krefeld, schon die sechste nach zehn Partien, markiert den vorläufigen Tiefpunkt dieser Saison; gegen die Pinguine, bis dahin Schlusslicht der Tabelle, wurden die Cracks, die im Frühjahr mit dem Gewinn der Meisterschaft noch Maßstäbe gesetzt hatten, phasenweise vorgeführt.

          Die Mannheimer rutschten auf den elften Platz ab und könnten, wenn sie nicht schleunigst das Potential abrufen, das in ihrer Ansammlung von zwei Dutzend Ausnahmekönnern ja durchaus steckt, eine weitere denkwürdige Spielzeit absolvieren - nur eben eine, die gar nicht ihren Erwartungen entspricht. „Das ist für uns eine große Enttäuschung“, kommentierte Manager Teal Fowler den jüngsten Fehlschlag. Er monierte, dass die Spieler „nicht von Anfang an bereit waren“, und sprach von einem weiteren Rückschritt. „Wir spielen zu kompliziert“, sagte Fowler dem „Mannheimer Morgen“: „Wir müssen nicht mehr machen, sondern die einfachen Dinge besser machen.“

          Viel Geld und hohe Ansprüche

          Gründe für den Fehlstart gibt es viele kleine; besonders die fehlende Effizienz im gegnerischen Drittel und die eigene Abwehrschwäche zählen dazu. Zusammengenommen ergeben sie ein großes Problem für Trainer Greg Ireland. Der Nachfolger des im Juni in die nordamerikanische Profiliga abgewanderten Geoff Ward kann sich nicht sicher sein, wie lange er den Job noch ausüben darf. Die Adler sind einer der ambitioniertesten Standorte in der DEL, wo viel Geld zur Verfügung gestellt wird, um hohe Ansprüche zu erfüllen, und auch die Anhänger durch viele Triumphe wählerisch geworden sind.

          Daniel Hopp, seit 17 Jahren in verantwortlichen Positionen für die Adler tätig, drückte sich als Geschäftsführer noch nie vor unpopulären personellen Konsequenzen, wenn er Wohl und Wehe seines Vereins in Gefahr sah. Auch er dachte eigentlich, im Sommer sei die Saat für eine dauerhafte Blütephase ausgebracht worden, nach dem siebten DEL-Titel wurde das Team noch einmal verstärkt - und wie.

          Hopp gelang es, Marcel Goc die Rückkehr nach Deutschland schmackhaft zu machen. Die Adler nahmen den ehemaligen NHL-Stürmer unter Vertrag und banden den 32-Jährigen sogleich bis 2020. Eine solch perspektivisch angelegte Zusammenarbeit gab es in der Liga, in der ansonsten kurzfristige Engagements überwiegen, noch nie. Bis jetzt konnte Goc nur andeuten, zu was er in der Lage ist - er ist seit dem zweiten Spieltag außer Gefecht gesetzt, genauso wie die ebenfalls von Ireland als Stützen vorgesehenen Nationalspieler Marcus Kink, Denis Reul und Brent Raedeke. Zudem fällt nun auch noch Routinier Jochen Hecht auf unbestimmte Zeit aus. Den Adlern wurden so früh in dieser Saison die Flügel gestutzt.

          Wo und wie es Goc genau erwischt hat, darüber hüllen sich er und sein Klub in Schweigen. Sie kommunizierten lediglich eine „Unterkörper-Verletzung“, unlängst lief er auf Krücken durch die Arena, was nach Auskunft des Managers aber lediglich eine Vorsichtsmaßnahme gewesen sei. „Es ist auf jeden Fall frustrierend“, beschreibt Goc, der während seines Aufbautrainings einen neuerlichen Rückschlag einstecken musste, seinen Alltag, in dem momentan Ärzte und Physiotherapeuten den Takt vorgeben. „Man verbringt durch die Reha noch mehr Stunden im Kraftraum als in der Vorbereitung. Spaßig ist das nicht, ich will so schnell wie möglich wieder raus aufs Eis.“ Doch er halte sich an den Rat der Mediziner und versuche, „momentan nicht zu viel zu machen“, um nicht durch übertriebenen Ehrgeiz den Heilungsprozess zu gefährden. Einzig der Moment seines Ausfalls mache die Situation halbwegs erträglich: In den kommenden Monaten, so seine Überzeugung, ließe sich Versäumtes „aufholen“.

          Kann derzeit nicht helfen: Mannheims Marcel Goc
          Kann derzeit nicht helfen: Mannheims Marcel Goc : Bild: dpa

          Goc hat noch viel vor. Er möchte zum ersten Mal in seiner Karriere, die mit sechzehn in Schwenningen begann, ein Kunststück vollbringen, das ihm trotz bester Gelegenheiten während zwölf Jahren in Nordamerika nie glückte: Meister werden. Goc verdiente sich für die San Jose Sharks, Nashville Predators, Florida Panthers, Pittsburgh Penguins und St. Louis Blues in 699 NHL-Partien den Ruf eines zuverlässigen Punktesammlers; 75 Tore und 113 Vorlagen stehen in seiner persönlichen Erfolgsstatistik, die er in Mannheim mit der ersehnten Auszeichnung weiter verschönern will.

          „Die Voraussetzungen dazu sind bei den Adlern gegeben“, ist Goc sich sicher, und auch wenn noch ein „hartes Stück Arbeit“ vor ihm und den verunsicherten Kollegen liege, klingt er zuversichtlich. Eine Botschaft aus seinen Anfangstagen in Übersee ist ihm bis heute Antrieb: „Wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“ Wird halt nur noch Zeit, dass er endlich im Vollbesitz seiner Kräfte loslaufen kann.

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