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Extrem-Snowboarder Kevin Pearce : Sprung ins Verderben

  • -Aktualisiert am

Zurück im Leben: Pearce vor dem Werbeplakat des Films: „The Crash Reel“ dokumentiert seinen Wandel nach einer schockierenden Konfrontation: Pearce lernt, die Grenze zu akzeptieren Bild: ddp

Wer etwas über die Faszination und den Wahnsinn von Extremsport erfahren will, sollte sich die Geschichte von Kevin Pearce anschauen. Vom 9. Januar an ist die schonungslose Dokumentation im Kino zu sehen. Ein Trailer gibt schon jetzt verstörende Einblicke.

          5 Min.

          David Pearce ist 28 Jahre alt, er leidet unter dem Down-Syndrom. „Es ist schwer“, sagt er, „ich hasse es.“ Menschen mit Down-Syndrom gelten als geistig behindert. David Pearce kann sehr ernst sein und sehr lustig, sehr nachdenklich und sehr schlagfertig, er liebt seine Familie, sorgt sich um sie. Aber manchmal hasst er sein Leben und wäre so wahnsinnig gern wie die anderen. So wie Kevin zum Beispiel, einer seiner drei Brüder – so wie Kevin einmal war. Gesund und erfolgreich, ein berühmter Snowboarder. Ein Star.

          Doch auch Kevin Pearce ist nicht mehr gesund seit diesem furchtbaren Silvestertag 2009.

          „The Crash Reel“ heißt der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm des amerikanischen Senders HBO, der am 9. Januar in vielen deutschen Cinemaxx-Kinos läuft. Er erzählt die Geschichte von Kevin Pearce, schonungslos, er erzählt sein Drama, und er beleuchtet den Actionsport so klar und scharf wie kein Film vor ihm. Wer etwas erfahren will über die Faszination und den Irrsinn von Wettkampfsport in seiner extremen Form, der sollte diese Erzählung nicht verpassen.

          Der Traum von der Goldmedaille

          Man sieht im Film, wie Kevin Pearce mit seinen Kumpels in einem vollbeladenen Pickup in Park City, Utah, ankommt, wie sie gemeinsam Geburtstag feiern, unbeschwert und voller Lebensfreude. Noch ein bisschen fahren wollen sie an diesem Silvestermorgen, es sind nur noch 49 Tage bis zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver, noch ein bisschen trainieren wollen sie und dann ins neue Jahr hineinfeiern.

          Kevin Pearce will in Vancouver die Goldmedaille in der Halfpipe gewinnen, und deshalb muss er jetzt auf seinem Snowboard diesen verdammten Trick üben, den Double Cork 1080, den er brauchen wird, um Shaun White zu schlagen, den amerikanischen Snowboardhelden. White hat den Sprung, einen doppelten Schraubensalto in sechs, sieben Meter Höhe, vorgelegt, er hat ihn einstudiert in einer Privatpipe, die ihm ein Sponsor in Silverton, Colorado, auf einen Berg gestellt hat, der nur mit dem Hubschrauber zu erreichen ist.

          Niemand, das ist klar, würde in Vancouver eine Chance gegen White haben, niemand außer Kevin Pearce. Und viele drücken ihm die Daumen, denn White und Pearce – das sind zu dieser Zeit zwei Extreme, der eine, White, ein geschäftstüchtiger Ego-Rider von der Westküste, der andere, Pearce, ein umgänglicher Teamfahrer von der anderen Seite des Kontinents, aus Hartland, Vermont.

          Der Roboter lässt sich doch besiegen

          White, Olympiasieger schon 2006 in Turin, gibt den Superstar, die Ich-AG. Pearce hingegen hat mit seinen Kumpels die „Frends“-Crew gegründet. Friends ohne „i“ – ohne das Ich, das in der Gemeinschaft unter Freunden keine Rolle spielen darf – daran glauben sie. Während White von Sponsoren und TV-Stationen verhätschelt wird, zu einem Topverdiener im amerikanischen Sport aufsteigt und sich mit Hollywood-Größen ablichten lässt, steht Pearce für die ruhige, naturverbundene Fraktion der Snowboarder.

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