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Evi Sachenbacher-Stehle : Mit Feuereifer bei der Sache

Das erste Jahr im Biathlon ist für Evi Sachenbacher-Stehle ein reines Lernjahr Bild: dpa

Langlauf-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle hat eine neue persönliche Herausforderung gesucht - und sie im Biathlon gefunden. Sie weiß allerdings, dass sie ein großes Wagnis eingeht.

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          Ziemlich genau ein Jahr ist das jetzt her. Es war im Trainingslager in Muonio, in den finnischen Wäldern. Sie war eigentlich nur Gast bei den Biathleten, weil sie eine Auszeit vom ewigen Langlauf-Trott genommen hatte. Da hat sie es getan. Verführen musste sie niemand mehr, weil es einfach nahelag.

          „Wenn alle ihre Gewehre dabei haben und die Ersatzwaffe ständig am Schießstand herumsteht, sagt man irgendwann: Komm, lasst mich doch auch mal.“ Spaß hat es gemacht, von Anfang an, weil mehr Scheiben fielen als erwartet, aber Hintergedanken, nein, die habe sie damals nun wirklich nicht gehabt. „Es war halt mal ne schöne Abwechslung.“

          Ein Jahr später ist Evi Sachenbacher-Stehle wieder mit im Abschlusstrainingslager in Muonio, diesmal als „richtige“ Biathletin mit Kaderstatus und eigener Waffe. Aus der netten Abwechslung ist ein ernsthafter Wechsel geworden. Und an diesem Wochenende steht in Idre (Schweden) für die bald 32 Jahre alte Langlauf-Olympiasiegerin die erste internationale Bewährungsprobe an.

          Noch nicht auf der großen Bühne, denn Biathlon-Novizen müssen erst einmal ihre Weltcup-Tauglichkeit nachweisen - im IBU-Cup, der zweiten Liga. Wobei dafür ein einziges Rennen genügen kann. Sollte Evi Sachenbacher im Endergebnis höchstens 15 Prozent Rückstand auf die durchschnittliche Leistung der ersten drei aufweisen, hätte sie diese Vorgabe erfüllt. Und der Weltcup, der ein paar Tage später in Östersund beginnt, stünde ihr offen. Sofern die Trainer wollen - und sie sich reif fühlt.

          Zielstrebig: Auf dem Weg zu Olympia-Gold im Teamsprint in Vancouver 2010

          Es ist ein kleines Rätsel, weshalb Evi Sachenbacher das mit dem Schießen nicht schon früher probiert hat. Schließlich hat sie als Langläuferin drei Jahre unter der Regie von Wolfgang Pichler trainiert. Der heutige Russen-Coach war damals noch Trainer der schwedischen Biathleten.

          „Schon verrückt“, sagt sie: „Ich habe oft mit den Schweden in Ruhpolding trainiert, war mit auf Lehrgängen, aber ich bin nie auch nur auf die Idee gekommen, das Schießen zu probieren.“ Andere schon. Sie haben Evi Sachenbacher immer wieder gelöchert. „Bis ich mich irgendwann selbst gefragt habe: Warum hast du es eigentlich noch nicht probiert? Und da ist der Wunsch langsam in mir gewachsen.“

          „Irgendwie hat mir das Feuer und der Reiz gefehlt“

          Es war eine schleichende Verführung, die dann in einer persönlichen Krisenzeit - nach Gold und Silber in Vancouver kam die große Leere - plötzlich die ersehnte neue Perspektive bot. Weg von alten, ausgelatschten Langlauf-Pfaden, weg auch von den gelegentlichen verbalen Breitseiten, die der damalige Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle seinen Mädels ab und zu verpasste - als Motivationshilfe.

          „Ich hatte schon noch Lust, weiterzumachen, aber irgendwie hat mir das Feuer und der Reiz gefehlt. Im Langlauf war alles so eingefahren. Im Biathlon habe ich eine neue Herausforderung gefunden, eine neue Motivation.“ Auf die Frage, ob sie ohne diesen Wechsel mit 31 Jahren womöglich ganz aufgehört hätte, sagt sie:. „Das hätte schon sein können.“

          Zielführend: Im Training am Schießstand

          Jetzt ist sie wieder mit Feuereifer bei der Sache. Das ist für ihren Trainer, Olympiasieger und Weltmeister Ricco Groß, bei der ganzen Umsteiger-Diskussion viel entscheidender als die Altersfrage. „Man muss nur mal sehen, mit welcher Hingabe und mit wie viel Herz sie sich hineinkniet.“ Zudem ist Evi Sachenbacher ein Naturtalent. Durchschnittlich 80 Prozent Trefferquote, wenn auch nur im Training - ein erstaunlicher Wert für das halbe Jährchen Schießtraining.

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