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Eistänzer Savchenko und Massot : Vorbereitung auf Tag X

  • -Aktualisiert am

„Wie ein Kartoffelsack“: Aljona Savchenko und Massot müssen einiges ertragen. Bild: dpa

Noch immer ist die sportliche Zukunft von Aljona Savchenko und ihrem französischen Partner Bruno Massot auf Eis gelegt. Alles was sie bekommen sind dicke Briefe und ein „non“ aus Paris.

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          Sie kämpfen seit 16 Monaten mit sich selbst und nicht mehr gegen die anderen. Das nervt die fünfmalige Paarlauf-Weltmeisterin Aljona Savchenko, die mit ihrem neuen französischen Partner Bruno Massot nicht vom Fleck kommt. Das eine Jahr Sperre, das sie in Kauf nehmen mussten, weil Massot den Verband gewechselt hat, haben die beiden längst hinter sich. Dass sie noch immer nicht hinaus dürfen in die Eisarenen dieser Welt, ist dem Veto des französischen Eissport-Verbandes geschuldet, der auf die Bitte der Internationalen Eislauf-Union (ISU), der Deutschen Eislauf-Union (DEU) ein „freundschaftliches Angebot“ zu machen, mit der Übermittlung eines dicken Pakets voller Rechnungen im summa summarum hohen fünfstelligen Bereich reagierte.

          Damit wollte der französische Verbandspräsident Didier Gailhaguet demonstrieren, wie viel er in die Ausbildung des abtrünnigen Massot investiert habe, und womöglich die Forderung nach einer Ablösesumme auf den Weg bringen, die im Eiskunstlaufen aber anders als im Profifußball nirgendwo statutarisch verankert ist. Paris sagt nach wie vor „non“ zur Starterlaubnis, die DEU reist in Person von Sportdirektor Udo Dönsdorf und Vizepräsident Uwe Harnos am Mittwoch zum deutsch-französischen Eisgipfel in die französische Hauptstadt, um das Paar mit Medaillenambitionen und olympischen Ansprüchen endlich freizubekommen.

          Savchenko und Massot bei der Kaderüberprüfung in Berlin.
          Savchenko und Massot bei der Kaderüberprüfung in Berlin. : Bild: dpa

          „Wir sitzen in einem Loch“, sagte die 2003 aus der Ukraine nach Chemnitz gekommene Aljona Savchenko am Samstag in Berlin über die Situation eines Paars, das nicht mehr tun kann, als sich im Training auf den Tag X vorzubereiten. „Wir wissen nicht, ob wir nächste Woche, nächsten Monat oder nächstes Jahr starten dürfen“, beschrieb sie ihre und die Situation ihres Partners, „es fühlt sich an wie ein Kartoffelsack auf unseren Schultern.“

          Bei einer Leistungsüberprüfung im Erika-Heß-Eisstadion durfte die langjährige Königin des Paarlaufs, die an der Seite ihres vormaligen Partners Robin Szolkowy Triumphe in Serie feierte, wenigstens mal wieder vor nationalen und internationalen Preisrichtern zeigen, was die neue, in Oberstdorf an sich und ihren Möglichkeiten arbeitende Kufenkombination schon im Repertoire hat. Das sah beim Kurzprogramm durchaus verheißungsvoll, bei der Kür aber noch sehr unfertig aus. Und so kritisierte Trainer Alexander König denn auch Massot, der kein Künstler vor dem Herrn ist: „Der Bruno muss mehr an seiner Haltung und Eleganz arbeiten.“ Noch jedenfalls wirken die Meisterin und ihr Kompagnon wie ein ungleiches Paar.

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          Die 31 Jahre alte jahrelange Vorläuferin der Paarlaufszene fängt mit Massot noch einmal von unten an, weil sie nach all den erfolgreichen Jahren noch immer nicht von ihrer Leidenschaft lassen kann. Das hat belastende Folgen. Denn, so hebt sie hervor, „wenn du nicht laufen kannst, hast du kein Geld und keine Sponsoren“. Die Obergefreite Aljona Savchenko lebt derzeit vom Sold der Bundeswehr. Ihr Partner, der auf den eigenen Karriereaufschwung hofft, kennt die Hartleibigkeit des französischen Verbandspräsidenten Gailhaguet in sportpolitischen Fragen.

          Schließlich leiden derzeit noch sechs weitere französische Eiskunstläufer, die für einen anderen Verband laufen wollen, unter Gailhaguets Verweigerungshaltung. Sie durchzuhalten wird aber schwer, da der EU-Bürger Massot vor kurzem im Landratsamt Sonthofen seinen Antrag auf Einbürgerung gestellt hat und damit die deutsche Staatsbürgerschaft neben seiner französischen anstrebt. „Ich hoffe“, sagt König zu diesem Bekenntnis seines Sportlers, „dass das den Franzosen zeigt: Wir haben die Schlacht gewonnen, ihr habt sie verloren, gebt ihn jetzt also frei.“

          Aus dieser Hoffnung Gewissheit machen zu können ist der Sinn der Paris-Reise von Dönsdorf und dem Juristen Harnos. Die ISU hält sich in der Causa Savchenko/Massot bisher vornehm zurück. Sie sieht zwar eine einjährige Läufersperre beim Wechsel eines Landesverbandes vor, hat aber keine verbindliche Vorkehrung dafür getroffen, wenn sich danach einer der beiden beteiligten Verbände weiter sperrt. Intern hat die DEU in ihrem Bemühen, Savchenko/Massot endlich in die Arena zu schicken, längst den Deutschen Olympischen Sportbund kontaktiert, auf dass gegebenenfalls auf sportpolitischer Spitzenebene ein Entscheid im Sinne des Sports und seiner Protagonisten getroffen werde. Wie sich Aljona Savchenko und Massot derzeit aber fühlen, verdeutlichte ihr Trainer König mit den Worten: „Wir fühlen uns als Opfer der Funktionäre, die die Macht haben. Das gibt einem ein schlechtes Gefühl.“

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