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Eisschnelllauf-Krise : Gremium zur Rettung der DESG

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Anni Friesinger-Postma: „Man hat die Zeit verschlafen“ Bild: dpa

Aus „Sorge um das Fortbestehen“ des Eisschnelllauf-Verbands gründet sich eine Initiative um Athletensprecher Geisreiter. Olympiasiegerin Anni Friesinger sieht die Krise des Verbands als selbst verschuldet an.

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          Aus „Sorge um das Fortbestehen“ der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) hat eine Gruppe um Athletensprecher Moritz Geisreiter zum Dialog zwischen allen Beteiligten aufgerufen. Ziel ist die Bildung eines „Zukunftsgremiums“ unter dem Motto „DESG – gemeinsam retten“. Die Unterzeichner laden dabei ausdrücklich auch die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein und deren Lebensgefährten Matthias Große ein, beide hatten in den vergangenen Tagen im Zentrum eines eskalierenden Streits um die Ausrichtung des Verbands gestanden.

          „Die teilweise stark gestörte Beziehung zwischen Mitgliedern, Verbandsführung, Sportlern, Trainern und Außenstehenden“ lähme die DESG und behindere die Konzentration der Sportler auf die begonnene Saison. Die Initiative ziele nun darauf ab, die öffentliche Wahrnehmung der Sportart wieder positiver zu gestalten und die finanzielle Situation des Verbands einer transparenten Analyse zu unterziehen. Um nötige Veränderungsprozesse anzustoßen, sollen zudem „unangenehme und unbequeme Themen“ angesprochen werden.

          „Ich finde es positiv, wenn sich Mitglieder Gedanken um die Zukunft des Verbandes machen“, sagte DESG-Vizepräsident Uwe Rietzke, der gemeinsam mit Schatzmeister Dieter Wallisch nach dem Rücktritt von Präsidentin Stefanie Teeuwen derzeit als Übergangs-Doppelspitze die Geschäfte führt. „Allerdings hätte ich die Probleme ungern in dieser Form in der Öffentlichkeit diskutiert.“

          Der Sprecher der Initiative, Rainer Erdmann aus Berlin, nannte den Beweggrund für den Vorstoß: „Wir wollen vom Kritisieren zum positiven Handeln übergehen. Die Begeisterung unter den Sportlern“ sei groß. Große signalisierte Bereitschaft: „Wir haben als Erste die Missstände angesprochen, deshalb freuen wir uns über diese Initiative. Sie zeigt, wie groß der Unmut über die DESG-Führung ist.“

          Moritz Geisreiter: „Sorge um das Fortbestehen“ der DESG

          Die ohnehin angeschlagene DESG hat turbulente Tage hinter sich, nach Teeuwens Rücktritt Anfang November war eine öffentliche Debatte um ihre Nachfolge entbrannt. Im Zuge dessen brachte Pechstein offensiv Große als neuen Präsidenten ins Spiel. Wenige Tage später schloss die DESG diesen wegen „teilweise unsachgemäßen und dadurch verbandsschädigenden medialen Aussagen“ aus dem Betreuerstab der Nationalmannschaft aus. Pechstein hatte daraufhin zum Rundumschlag gegen den Verband ausgeholt, prangerte Missstände an und warf der DESG die „vorsätzliche Schädigung“ ihres sportlichen Weges und Umfelds vor.

          Wie gravierend die Situation ist, wird nun auch mit Blick auf die Unterstützer des „Zukunftsgremiums“ deutlich: Dazu zählen Vertreter der drei wichtigsten deutschen Eisschnelllauf-Stützpunkte Erfurt, Berlin und Inzell, die normalerweise in Konkurrenz zueinander stehen.

          Auch sportlich lief die Saison enttäuschend an. Beim Weltcup-Auftakt in Minsk am vergangenen Wochenende holte die DESG auf den Einzelstrecken nur eine Top-10-Platzierung: Pechstein wurde im Massenstart Neunte.

          Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma sieht die Krise unterdessen als selbst verschuldet an. „Man hat sich damals einfach auf den Lorbeeren ausgeruht und auch die Zeit verschlafen“, sagte die 42-Jährige der „Sport Bild“. „Die Holländer haben schon viel früher die Inliner und Shorttracker mit ins Programm genommen, die dann erfolgreiche Eisschnellläufer wurden.“

          Friesinger-Postma konnte sich eine Spitze gegen ihre frühere Konkurrentin Pechstein nicht verkneifen. So habe der Verband jetzt ein Programm, um wieder in die Weltspitze zurückzukehren. „Wenn das Programm nicht zu Claudia passt, muss sie sich ein eigenes Team suchen. Bei mir war das damals auch so. Ich habe selbst jedes Jahr 100.000 Euro über Sponsoren für mein eigens Team gezahlt. Das ist einfach so, wenn man Erfolg haben will.“

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