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Olympia in Pyeongchang : Pechstein und die „Super-Spiele“

„Eigentlich sind es meine achten Spiele“: Claudia Pechstein. Bild: dpa

Während Olympia 2018 wird Claudia Pechstein 46 Jahre alt. Sie nimmt in Korea zum siebten Mal an Spielen teil – auch wenn sie selbst eine andere Zählweise hat. Nun spricht sie über ihre Zukunftspläne.

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          „Ich bin stolz und überrascht, was mein alter Körper noch hergibt“, behauptet Claudia Pechstein kokett. Fünf Mal ist sie Olympiasiegerin im Eisschnelllauf geworden, und am Wochenende hat sie sich für ihre siebten Winterspiele qualifiziert. Während der Spiele in Pyeongchang in Südkorea, am 22. Februar, wird sie 46 Jahre alt werden. Sechs Tage vorher ist der Lauf über 5000 Meter, in den sie als Siegerin des Weltcups von Stavanger mit guten Aussichten geht.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Eigentlich sind es meine achten Spiele“, sagt die Eisschnellläuferin und spielt damit auf die Sperre von zwei Jahren an, die der Weltverband wegen erhöhter Retikulozyten-Werte in ihrem Blut verhängte, angeblich ein Indiz für Manipulationen. Sie kostete die Berlinerin die Teilnahme an den Winterspielen von Vancouver 2010 – damals war sie immerhin schon 37.

          In ihrer Heimatstadt schaut sie zwischen den Wettkämpfen in Skandinavien und denen in Calgary und Salt Lake City für zwei Tage vorbei. Auf einer Veranstaltung des Olympiastützpunktes Berlin und des Koreanischen Kulturzentrums in der Stadt versichert sie, in Polizei-Uniform erschienen, dass sie „Super-Spiele“ erwarte und sich darauf freue. Ob ihr die Atombomben- und Raketentests des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un nicht Angst machten, muss sie sich fragen lassen. Kurz vor den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City 2002 habe der Terror-Anschlag von 9/11 stattgefunden, erinnert sie sich: „Salt Lake City war deshalb der sicherste Ort der Welt. Das wird diesmal genauso sein.“ Als Athlet konzentriere man sich ohnehin aufs Sportliche und sonst nichts.

          Achtzehn Medaillen haben Athleten des Olympia-Stützpunktes Berlin bei Olympischen Winterspielen gewonnen; siebzehn davon im Eisschnelllauf. Die Hälfte der Ausbeute, neun Medaillen, davon fünf goldene, gehen auf das Konto von Claudia Pechstein. Damit ist sie die erfolgreichste deutsche Teilnehmerin an Winterspielen. Mit ihrer siebten Teilnahme wird sie zu Ludger Beerbaum und Ralf Schumann aufrücken, der eine vier Mal Olympiasieger im Springreiten, der andere Gewinner von drei Goldmedaillen im Pistolenschießen.

          Ebenfalls sieben Mal hat die Turnerin Oksana Chusovitina an Olympischen Spielen teilgenommen; 1992 wurde sie im „Vereinten Team“ der einstigen Sowjetunion Mannschafts-Olympiasiegerin, danach startete sie für Usbekistan sowie 2008 und 2012 für Deutschland. Die Kanutin Josefa Idem, die aus Goch am Niederrhein stammt und 2013 kurz Sportministerin Italiens war, hat sogar acht Mal an Olympischen Spielen teilgenommen; zwei Mal in der deutschen, sechs Mal in der italienischen Mannschaft. In Sydney 2000 wurde sie Olympiasiegerin.

          Die achte Olympia-Teilnahme, 2022 in Peking, kann sich auch Claudia Pechstein vorstellen. Solange sie Erfolg habe, sagt sie, werde sie weiter laufen, selbst als Fünfzigjährige. Seit Sotschi 2014 ist Dabeisein für sie schon ein Erfolg. Da kam sie von ihrer Sperre zurück, stritt vor Gericht um Wiedergutmachung und erkämpfte auf der Eisbahn das Recht auf Teilnahme an den Spielen. „Wenn die anderen schneller sein werden, ist es auch gut“, sagt sie nun. „Wenn ich eine Medaille gewinne, um so besser. Mein Leben ändert sich nicht, ob ich noch eine Medaille gewinne oder nicht.“

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