https://www.faz.net/-gtl-we55

Eisschnellläuferin Anni Friesinger : „Ich ernähre auch den Verband und alle Trainer“

  • Aktualisiert am

„Ich will noch einmal Olympia-Gold gewinnen”: Anni Friesinger Bild: AP

Und wieder Heerenveen: Anni Friesinger will an diesem Wochenende ihren WM-Titel im Sprint-Vierkampf verteidigen. Im F.A.Z.-Interview spricht die Eisschnellläuferin über ihr Leben auf dem Bauernhof, die Grenzen der Belastbarkeit und einen folgenschweren Insektenstich.

          4 Min.

          Und wieder einmal Heerenveen: Anni Friesinger, gerade 31 Jahre alt geworden, will an diesem Wochenende ihren Weltmeistertitel im Sprint-Vierkampf verteidigen. Der Eisschnelllauf-Star aus Inzell, der sich in dieser Saison in seinem Sport neu orientierte, startet jedoch nicht unbelastet in den Niederlanden. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Anni Friesinger über einen folgenreichen Insektenstich, die Grenzen der Belastbarkeit und ihr zukünftiges Leben auf dem Bauernhof.

          Haben Sie, nachdem Sie durch einen Insektenstich vorübergehend aus der Bahn geworfen wurden, schon wieder das richtige Gefühl für das Eis?

          Bei mir war das Problem, dass ich Antibiotika genommen habe. Ich konnte mich nicht richtig schwer belasten, weil das auf den Organismus gehen kann. Jetzt bin ich zwar wieder gesund, aber die Vorbereitung auf die Sprint-WM war schlecht. Ich weiß nicht, wie viel ich dadurch an Kraft und Ausdauer verloren habe.

          Luftholen für die Weltmeisterschaften in Heerenveen
          Luftholen für die Weltmeisterschaften in Heerenveen : Bild: REUTERS

          Hatten Sie sogar Sorge, in Heerenveen nicht teilnehmen zu können?

          Ja natürlich. Ich würde auch definitiv nie mehr laufen, wenn ich wirklich krank bin. Vor einigen Jahren hätte ich noch anders gedacht und gehandelt. Aber ich habe nur einen Körper. Er ist das größte Gut.

          Es heißt, Sie hätten versucht, Ihren Start im Sprint zu verbessern. Haben Sie - trotz Ihres Malheurs - Fortschritte erzielt?

          Tatsache ist, dass ich nie so powervoll wie Jenny Wolf starten kann, weil ich gar nicht die Muskulatur dafür habe. Meine Position war zu rückenlastig, ich musste Ausgleichbewegungen machen, ehe ich den ersten Schritt setzen konnte. Jetzt versuche ich, ähnlich wie die Topsprinter das Gewicht mehr nach vorn zu verlagern. Das muss sich aber erst einschleifen. Ich hoffe, dass ich dadurch vielleicht eine Zehntelsekunde rausschlagen kann. Wenn ich erst mal in Schwung bin, laufe ich die gleichen Rundenzeiten wie Jenny Wolf. Das ist mein großer Vorteil.

          Sie sind in Heerenveen dabei, aber nicht bei der Mehrkampf-WM im Februar in Berlin. Warum konzentrieren Sie sich in diesem Winter auf den Sprint?

          Wenn ich zur Allround-WM hätte gehen wollen, hätte ich komplett anders trainieren müssen und hätte sicherlich noch ein, zwei Trainingspartner gebraucht. Aber die stehen nicht zur Verfügung. Für die ganz langen Sachen brauchst du Leute, die dich mitziehen. Das war der eine Punkt. Das andere war, dass ich gesagt habe: Alles zu kombinieren, das geht nicht. Ich habe das im vergangenen Jahr probiert und musste am Ende der Saison gesundheitlich Tribut dafür zahlen.

          Stoßen Sie als Eisschnellläuferin inzwischen also an Grenzen?

          Na ja, gut. Die Leistungsdichte ist jetzt auch bei den Damen viel größer geworden. Man darf nie einen schlechten Tag bei uns haben. Ich bin jetzt auch in der Kategorie 30 plus angekommen, die Erholungsphasen bei mir werden länger. Es geht irgendwann nicht mehr alles. Ich strebe nach dem Perfekten, das kostet viel Energie. Ich versuche deswegen, die Wettkämpfe zu reduzieren. Und mit Gianni Romme habe ich jetzt einen Coach, der auch mal sagt: Weißt du was, du gehst jetzt nicht an den Start. Früher hätte ich das wirklich nicht gemacht, weil ich so getrieben war. Und Markus Eicher war ein Trainer, der einen nicht unbedingt gebremst, sondern eher gepusht hat.

          Schmerzt die Erkenntnis, kürzertreten zu müssen?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im Herzen der Fabrik: Der Reinraum der neuen Chip-Fabrik von Infineon im österreichischen Villach.

          Neues Chip-Werk : „Es könnte gar nicht besser für uns laufen“

          Mitten in der globalen Chip-Krise hat Infineon im österreichischen Villach sein neues Halbleiter-Werk eröffnet. Künftig sollen dort jährlich Chips im Wert von rund 2 Milliarden Euro gefertigt werden. Ein Besuch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.