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Eiskunstlauf : Siegreiche Zitterpartie für Savchenko/Szolkowy

  • -Aktualisiert am

Aljona Savchenko und Robin Szolkowy (l.): Europameister in der Kälte von Bern Bild: dpa

Nicht nur die Kälte in der offenen Berner Eishalle sorgt für Bibbern: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy zittern auch aus andere Gründen. Die deutschen Eiskunstläufer holen sich trotz kleiner Fehler den Europameistertitel im Paarlauf zurück.

          Der erste Ausrutscher des Vorjahrs ist wettgemacht. Aljona Savchenko und Robin Szolkowy sind wieder Paarlauf-Europameister. Bei den tiefgekühlten Berner Eiskunstlauf-Titelkämpfen triumphierten die beiden Chemnitzer über die russische Kombination Kawaguti/Smirnow, die 2010 in Tallinn auch mit Hilfe eines russophilen Preisgerichts Erste geworden waren. Danach gab es für die bis dahin notorischen Gewinnern aus der Paarlaufschule des ehemaligen Weltmeisters Ingo Steuer in der vorigen Saison nichts mehr zu gewinnen: Dritte bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver, Zweite bei der Weltmeisterschaft in Turin, es war ein enttäuschender Winter für die Paarlauf-Trendsetter der vergangenen fünf Jahre.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Am Donnerstag aber kehrten die in dieser Saison bei jedem ihrer fünf Starts siegreichen Savchenko/Szolkowy auf den goldenen Pfad zurück, und zwar nach einer Zitterpartie. Aljona Savchenko war bei einer vorgeschriebenen Pirouette im Eis hängen geblieben und wusste danach nicht mehr, „was ich machen sollte“. Also blieb sie stehen, bis beide gemeinsam den Rest der Kür der Kälte und ihrem Schreckerlebnis trotzend tapfer und ohne weitere große Fehler fortsetzten. Nach dem Pekinger Grand-Prix-Triumph im Dezember eroberten sie zum vierten Mal den kontinentalen Höchstpreis in ihrem Sport. Am Ende betrug ihr Vorsprung vor den in der Kür enttäuschenden Sankt Petersburgern Kawaguti/Smirnow und deren Permer Landsleuten Basarowa/Larionow 3,5 respektive 18 Punkte.

          In Bern schlug sich auch das zweitbeste deutsche Paar, die Oberstdorfer Maylin Hausch und Daniel Wende , vorzüglich. Es erreichte unter Anleitung seines Trainers Karel Fajfr mit Rang sechs trotz einiger Wackler und Patzer während der Kür seine bisher beste EM-Plazierung. Elfte wurden Katharina Gierok und Florian Just (Krefeld/Essen).

          Anmut und Athletik: Die Deutschen holen sich den EM-Titel zurück

          Savchenko/Szolkowy schufen mit ihrem erwarteten Erfolg eines exzellente Basis, um sich auch bei der Weltmeisterschaft Ende März in Tokio den Titel nach einem Jahr Pause wie 2008 und 2009 zurückzuholen - dann allerdings gegen stärkere Konkurrenz wie die chinesischen Titelverteidiger Pang/Tong und das erstmals startberechtigte neue russische Stargespann Tatjana Woloschar (bisher für die Ukraine laufend) und Maxim Trankow.

          Angst vor der Kälte

          Vor der Kür am Donnerstag hatten die neuen Europameister ein wenig „Angst“, wie Robin Szolkowy nach dem Kurzprogramm zugab. Nicht wegen der russischen Konkurrenz, sondern wegen des frostigen Klimas in der mit 3000 Zuschauern luftig gefüllten Halle. Da schwierige Programmelemente wie Dreifachwurflutz, Dreifachsalchow und drei Hebungen im zweiten Teil der Kür präsentiert werden, fürchtete Szolkowy, die Höchstschwierigkeiten des Viereinhalbminutenprogramms mit kalten Fingern nicht wie gewohnt stemmen zu können.

          „Augen auf und durch“, lautetete seine Devise bei einer EM, deren äußere Umstände er „im Grenzbereich“ ansiedelte. Zu recht, wie sich zeigen bei ihrer Kür zur Musik aus dem Film „Der rosarote Panther“ zeigen sollte. Gesiegt hatten die Zwei letztlich wegen ihrer Qualität, auch unverhoffte Rückschläge wettmachen zu können - etwas, das die großen Meister des Sports schon immer ausgezeichnet hat. „Sie haben super gekämpft“, lobte Trainer Ingo Steuer sein Paar, „obwohl ihnen nach der Hälfte der Kür die Arme eingefroren waren.“ Als alles gut gegangen war, tauten die beiden Gewinner eines frostigen Abends dann ganz schnell wieder auf. Siege wärmen, auch im kalten Bern.

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