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Savchenko/Szolkowy : Der gemeinsame Weg endet auf dem WM-Thron

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Geschmeidig und fast makellos: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy holen WM-Gold Bild: dpa

Hätten Aljona Savchenko und Robin Szolkowy so eine Leistung nur bei Olympia gezeigt: Das Eiskunstlaufpaar gewinnt im letzten gemeinsamen Auftritt durch eine fast makellose Kür Gold bei der WM.

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          Die Chemnitzer Aljona Savchenko und Robin Szolkowy haben ihre Karriere mit dem fünften Titel bei Weltmeisterschaften gekrönt. Damit übertrafen die Sachsen zum Ende ihrer gemeinsamen Laufbahn den deutschen Rekord der Olympiasieger Maxi Herber und Ernst Baier, die vor 75 Jahren viermal im Paarlauf triumphiert hatten. „Es fühlt sich großartig an, wir hatten hier das vielleicht großartigste Publikum weltweit“, sagte Szolkowy am Donnerstag in Saitama bei Tokio.

          Mit der „Nussknacker“-Kür von Peter Tschaikowsky gewannen die zweimaligen Olympia-Dritten mit 224,88 Punkten vor den Olympia-Zweiten Xenia Stolbowa/Fedor Klimow (215,92/Russland) und den Kanadiern Meagan Duhamel und Eric Radford (210,84). Die Olympiasieger Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow aus Russland saßen nur im Publikum, ihr Weltrekord von 237,71 Zählern war nicht in Gefahr.

          Trotzdem gelang Savchenko/Szolkowy bei ihrem letzten Wettkampf eine außerordentliche Leistung: Sie interpretierten die Ballettkür geschmeidig und fast ohne Makel. Nur beim zweifach geplanten Axel fehlte beiden eine Umdrehung. „Es ist schade um den Axel, das war nicht geplant. Aber ich kann damit leben“, sagte die gebürtige Ukrainerin.

          Wären sie so bei Olympia vor sechs Wochen gelaufen, hätte es zumindest zu Silber gereicht. Doch in Sotschi stürzte der 34-Jährige beim Toeloop und seine vier Jahre jüngere Partnerin beim risikoreichen dreifachen Wurfaxel. Als Trostpflaster dient nun die neue WM-Bestmarke, die nur die Russen Irina Rodnina und Alexander Saitzew mit sechs Titeln übertrafen. Zudem stand das Paar von Trainer Ingo Steuer bei zehn Welttitelkämpfen achtmal auf dem Podium - einmal mehr als die legendären Russen Ludmila und Oleg Protopopow.

          Das glückliche Ende einer gemeinsamen Karriere: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy sind erleichtert nach ihrer Kür - nun trennen sich ihre Wege

          „Das ist schon etwas Besonderes, ich bin sehr stolz“, sagte Trainer Ingo Steuer. Unklar ist, wie es weitergeht. Zwar haben die Ausnahmeläufer einen vorläufigen Dreijahresvertrag mit der Schaulauftournee „Art on Ice“ in der Schweiz unterschrieben, andererseits kann sich Savchenko eine Fortsetzung der Wettkampfkarriere mit einem anderen Partner vorstellen. Entschieden ist noch nichts. Die deutschen Vizemeister Maylin und Daniel Wende  (159,42/Oberstdorf/Essen) beendeten die Titelkämpfe auf Platz 13.

          Damit hat die Deutsche Eislauf-Union bei der WM 2015 in Schanghai wieder zwei Startplätze. Platz zwölf und damit drei Tickets waren in Reichweite, aber die 25-Jährige strauchelte beim dreifachen Toeloop, ihr Ehemann beim Axel. „Wir haben uns gut gefühlt, keine Ahnung, warum wir gepatzt haben“, sagte der Sportsoldat. Nur am Morgen hatten die Zwei etwas Stress, als sie wegen der langen Busfahrt fast das frühe Training verpassten. „Wir sind eine Stunde von Tokio hergefahren, weil auf der Strecke ein Unfall war“, berichtete Maylin Wende.

          Erleichterung nach dem Urteil der Punktrichter: ljona Savchenko und Robin Szolkowy mit ihrem Trainer Ingo Steuer

          Derweil plant der Präsident der Internationalen Eislauf-Union (ISU), Ottavio Cinquanta, zum Ende seiner Amtszeit gravierende Änderungen. In einem Brief an ISU-Funktionäre schlägt der Italiener die Abschaffung des Kurzprogramms und die Vereinfachung des Wertungssystems vor. „Wir können nicht so weitermachen, wie wir es seit hundert Jahren machen“, sagte der 75-Jährige. Konkret wollte er sich nicht zu seinen Vorschlägen äußern, sie sollen erst vom technischen Komitee bewertet werden.

          Bisher sind die möglichen Änderungen nicht Bestandteil der Tagesordnung beim ISU-Kongress im Juni 2014 in Dublin. Cinquanta hätte im Sommer aus Altersgründen abtreten müssen, hat seine Amtszeit von den Mitgliedsverbänden aber um zwei Jahre verlängern lassen. Auch im Eisschnelllauf soll es gravierende Veränderungen geben. Wegen der großen Dominanz der Niederländer soll es bei Olympia 2018 weniger Startplätze pro Nation in den einzelnen Disziplinen geben, zudem sollen die Langstrecken abgeschafft werden. Sowohl im Eiskunstlauf als auch im Eisschnelllauf ist mit massiven Gegenpositionen vieler Verbände zu rechnen.

          Anders als bei Olympia stehen die Deutschen wieder in der Mitte

          Die deutschen Weltmeister im Paarlaufen

          1910 Anna Hübler/Heinrich Burger
          1911 Ludowika Eilers/Walter Jakobsson (Deutschland/Finnland)
          1936 - 1939 Maxi Herber/Ernst Baier
          1951/1952 Ria Baran/Paul Falk
          1963/1964 Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler
          1982 Sabine Baeß/Tassilo Thierbach (DDR)
          1997 Mandy Wötzel/Ingo Steuer

          2008/2009/2011/2012/2014 Aljona Savchenko/Robin Szolkowy

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