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Eiskunstlauf : Reformerischer Drang

  • -Aktualisiert am

Pink mit Panther: Savchenko/Szolkowy im Dezember 2010 in Peking Bild: AFP

Entschlossen, aber entschleunigt: Der Weg zum Glück 2014 in Sotschi soll für Savchenko/Szolkowy etwas anders gepflastert sein als bisher. Auch Trainer Steuer mutet längst nicht mehr so verspannt an wie noch vor einiger Zeit.

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          Alles war im Fluss, vieles stand nicht mehr unter Strom, und Ingo Steuer kam sich vor wie ein begossener Pudel. Von wegen frohe Weihnachten. Als der Paarlaufweltmeister von 1997 und jetzige Trainer der ehemaligen Weltmeister Savchenko/Szolkowy am 26. Dezember sein Büro im Chemnitzer Eiskunstlauf-Bundesstützpunkt betrat, war nichts mehr so wie vorher.

          Ein Dachschaden, hervorgerufen durch das extreme Winterklima zwischen klirrender Kälte, Neuschneemassen und Tauwetter, hatte unter anderem dazu geführt, dass sein Arbeitsraum geflutet und dabei eine Fülle von Dokumenten, Aufzeichnungen und technischem Gerät irreparabel beschädigt wurde. „Das Büro ist komplett abgesoffen“, zog Steuer am Freitag seine persönliche Schadensbilanz, die auch deshalb besonders trüb ausfiel, weil der Versicherungsschutz für die Räumlichkeiten mitsamt persönlichem Hab und Gut laut Steuer kurz vorher ausgelaufen sei. Dass er als Trainer nun nicht mehr von Unterlagen profitieren kann, die er akribisch angelegt hatte, kommentierte der ehemalige Stasi-Mitarbeiter bei den deutschen Eiskunstlaufmeisterschaften in Oberstdorf selbstironisch so: „Ich schreibe ja alles auf - schon von klein auf. Das wissen wir ja.“

          Sein sächsisch-trockener Humor ist durch die kleine Katastrophe jedenfalls nicht auch noch weggespült worden. Der Eislauflehrer des Weltmeisterpaares von 2009 und 2008 hatte ja auch bis zum zweiten Weihnachtstag allen Grund, die vielen Übungs- und Wettkampftage mit Aljona Savchenko und Robin Szolkowy nach den Olympischen Winterspielen des Vorjahrs in Vancouver zu genießen. Drei Starts, drei Siege bei den Grand-Prix-Konkurrenzen, darunter der Gesamtsieg der hochklassigen Wettkampfserie in Peking über die chinesischen Weltmeister Pang/Tong, dazu zwei neue Programme, die den wiederentdeckten Spaß seiner zwei Stars an ihrem Sport eindrucksvoll belegen: Savchenko/Szolkowy und mit ihnen ihr längst nicht mehr so verspannt wie noch vor einiger Zeit anmutender Coach haben sich von den schweren Rückschlägen der Olympiasaison augenscheinlich bestens erholt.

          Lächeln trotz Enttäuschung: Savchenko, Steuer und Szolkowy mit Medaillen in Vancouver

          Sotschi soll der Gipfel werden

          Auf dem Weg nach Vancouver hatten Krankheiten und sportliche Enttäuschungen - nur Platz zwei für die dreimaligen Europameister bei der EM - dazu geführt, dass die beiden Chemnitzer in den entscheidenden Momenten weder konzentriert noch locker genug waren, ihr Potential auszuschöpfen. „Wir waren zu sehr auf Olympia - und damit auf die Mission Gold - fokussiert“, sagt Steuer im Nachhinein, „das hat uns ein bisschen behindert.“ Und so reichte es nur zu Rang drei hinter den chinesischen Paaren Shen/Zhao und Pang/Tong. „Wir hatten es in der Hand und haben es aus der Hand gegeben“, beschreibt Steuer den Tag, an dem ein Traum platzte. „Wir haben uns wahnsinnig darüber geärgert, es aber abgehakt. Heute ist Vancouver für uns kein Thema mehr.“

          Olympia aber schon, denn Savchenko/Szolkowy haben sich nach kurzer Bedenkzeit aufgerafft, noch einen olympischen Zyklus mitzumachen, um 2014 in Sotschi endlich am Karrieregipfel anzukommen. Der Weg zum erhofften Glück soll aber etwas anders gepflastert sein als bisher. Für diesen Winter zumindest haben sich das Paar und sein Trainer Entschleunigung verordnet, um mit mehr Ruhephasen, mehr Geduld, mehr Freude an der Arbeit die alten Ziele neu angreifen zu können: Titel bei der deutschen Meisterschaft, Europameisterschaft und Weltmeisterschaft.

          Mit Vergnügen hat Aljona Savchenko, die diesmal die Kürmusik auswählte, den rosaroten Panther ins Auge gefasst, also die Filmmusik zu den Filmen mit dem etwas irren Inspektor Clouseau, dargestellt vom englischen Erzkomödianten Peter Sellers. „Aljona konnte sich sofort damit identifizieren“, sagt Steuer, „sie ist die Dominante im Paar, während Robin der stille Genießer ist.“ Katzenhaft komisch geht es in der neuen Kür der alten Meister zu, rasant dazu im neuen Kurzprogramm „Korobuschka“ zu moderner russisch-ungarischer Folkmusik.

          „Das Tempo geben die Jüngeren vor“

          Um ihr neues Aufbauwerk ungestört abzuschließen, sind Savchenko/Szolkowy erst später als sonst in den Wettkampfbetrieb aufgebrochen. Sie ließen sich ihre neue Lust aufs Eis auch nicht durch gelegentliche Pannen nehmen, etwa, als ihre Schlittschuhe nach dem zweiten Grand-Prix-Wettbewerb in Paris erst fünf Tage später in Chemnitz eintrafen, drei Tage vor dem Abflug zum Pekinger Grand-Prix-Finale. Auch sportlich wollen die stilistischen Trendsetter des neuzeitlichen Paarlaufs noch ein Stück vorankommen. Neue Hebungen gehören zu ihren Programmen - und im Training probieren sie auch schon mal den vierfachen Wurfflip aus, das Nonplusultra an Schwierigkeiten. „Ich muss mir immer Gedanken darüber machen, was die anderen nicht können“, beschreibt der Trainer seinen reformerischen Drang.

          Schließlich weiß er auch, dass sein Paar es in Sotschi mit jungen, hochbegabten russischen und chinesischen Widersachern zu tun bekommen wird. Im Februar 2014 wird Aljona Savchenko 30 und Robin Szolkowy 34 Jahre alt sein. „Das Tempo“, sagt Steuer, „geben die Jüngeren vor. Damit Schritt zu halten, ist sehr schwierig.“ Doch es funktioniert. Die Chinesin Shen Xue war 31 und ihr Partner Zhao Hongbo 36 Jahre alt, als die beiden in Vancouver olympisches Gold eroberten.

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