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Eiskunstlauf : Neue Kür, alter Anspruch

  • -Aktualisiert am

Aljona Savchenko und Robin Szolkowy: Vor dem Glanz steht die Arbeit Bild: dpa

Der dritte Weltmeistertitel ist Vergangenheit. Jetzt müssen Aljona Savchenko und Robin Szolkowy den Hunger ihrer Fans abermals stillen. Sie spielen Engel und Dämon.

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          Der Inspektor kommt nicht mehr. Aljona Savchenko und Robin Szolkowy haben Jacques Clouseau in Rente geschickt. Er, der in der Filmgeschichte den Rosaroten Panther jagte, hat seine Renaissance auf dem Eis schon wieder hinter sich. Aljona Savchenko und Robin Szolkowy krönten Ende April mit ihrer Kür zur Titelmusik der Pink-Panther-Reihe ihr eigenes Werk und bezauberten in Moskau Publikum wie Preisrichter, die gar nicht anders konnten, als die beiden Chemnitzer zum dritten Mal mit dem Weltmeistertitel zu belohnen. Nie liefen die 26 Jahre alte gebürtige Ukrainerin und ihr 32 Jahre alter Partner so schön, so gut, so faszinierend wie in der Megasport-Arena. Vergangenheit.

          "Die Kirsche auf der Torte gibt es vor der neuen Saison nicht mehr", sagt Trainer Ingo Steuer "wenn die alte Saison vorbei ist, ist auch der Kuchen aufgegessen." Also müssen Savchenko/Szolkowy von neuem dafür sorgen, dass sie den Hunger ihrer Fans auf noch mehr perfekten Paarlauf stillen. An diesem Wochenende beginnt für die zwei ihr nächstes Abenteuer mit einem neuen Kurzprogramm, einer neuen Kür und dem alten Anspruch: die Besten zu sein.

          Nur kein Stress

          Erste Station ihrer Wettkampftournee ist der Ontario in Kalifornien, wo Savchenko/Szolkowy bei der Grand-Prix-Konkurrenz Skate America starten. Es folgen weitere Grand-Prix-Auftritte bei der NHK-Trophy in Sapporo, dem Cup of Russia in Moskau und, mutmaßlich, beim Grand-Prix-Finale in Quebec City Anfang Dezember. Bis zum Jahresende wollen die Weltmeister und viermaligen Europameister ihre anspruchsvolle Agenda abarbeiten - mit nationalen Folgen. "Die deutsche Meisterschaft in Oberstdorf Anfang Januar", sagt Steuer, "steht bei uns nicht auf dem Plan." Das kann Elke Treitz, die für den Sport zuständige Vizepräsidentin der Deutschen Eislauf-Union (DEU), "aus sportlicher Sicht absolut verstehen".

          Nur kein Stress: Die Mission Gold, die die Bronzemedaillengewinner der Spiele von Vancouver 2010 bisher bei Olympia verfehlten, treibt das Paar schon genug an. "Wir haben", sagt der frühere Paarlaufweltmeister Steuer, "unser Training ganz in Richtung Sotschi 2014 ausgerichtet." Deshalb ging es bei der Basisarbeit im Chemnitzer Küchwald erst einmal um das mühselige Erlernen der diesmal vorgeschriebenen Elemente. Da Steuers Musterschüler bei ihren Küren auf Schritt und Tritt stets den höchsten Schwierigkeitsgrad erreichen wollen, sei darüber "eine ganze Weile" vergangen.

          Viel Arbeit bis zum Glanz

          Auch deshalb erwartet Steuer nicht wie selbstverständlich, dass sein Traumpaar wie im vorigen Winter überall dort triumphiert, wo es antritt. "Bis sich der Glanz zeigt, steht noch viel Arbeit vor uns." Die russischen Tänze aus dem vergangenen Kurzprogramm werden ersetzt durch "Angels and Demons" aus dem Kino-Thriller "Illuminati". Rollentausch: Die blonde Aljona, die resolute Schrittmacherin in diesem Chemnitzer Eiskombinat, spielt dabei den Engel, der sanftmütige Robin den Dämon. Die Komik des Rosaroten Panthers wird in der Kür abgelöst durch moderne Ballettkunst auf Kufen zur Musik aus dem Film "Pina" über die verstorbene weltberühmte Choreographin Pina Bausch.

          Bei der Einstimmung auf ein Jahr mit den Saisonhöhepunkten EM in Sheffield im Januar und vor allem WM im März in Nizza konnte von vollkommener Harmonie im Verhältnis der drei Chemnitzer Eiskünstler zu ihrem Verband wie fast alle Jahre wieder keine Rede sein. Nicht, weil Klaus Kärcher, der neue Manager von Savchenko/Szolkowy, bisher noch keinen lukrativen Sponsorenvertrag vorweisen kann. "Da fällt nun mal nichts vom Himmel", sagt Steuer, der sein Paar auffordert, "ein bisschen öffentlichkeitswirksamer aufzutreten". Immerhin nahmen die beiden zuletzt zwei Auszeichnungen, die Goldene Henne und den Bürgerpreis zur Deutschen Einheit, entgegen.

          Keine Distanz zur Vergangenheit des Trainers

          Letzterer war begleitet von Protesten einer Gruppe von DDR-Dopingopfern. Der Vorwurf an die Adresse des Paares lautete, dass es über die Jahre "kein klares Wort, keine Kritik und damit auch keinerlei Distanz zur (stasi-)belasteten Vergangenheit ihres Trainers" gegeben habe. Steuer selbst fühlt sich durch die Aussagen "irgendwelcher Dopingopfer" nicht direkt angesprochen. Er sagt bewusst naiv: "Gerade weil wir so zusammengehalten haben, konnten wir so eine Einheit bilden."

          Über seine Vergangenheit will Ingo Steuer nicht mehr sprechen. Lieber klagt er wie so oft über die DEU, die fünfhundert Euro pro Schaulaufauftritt von der Gage der Weltmeister fordere. "Der Verband", schimpft er, "will Leistung von den Sportlern und donnert sie mit einem Brief zu, ehe die Wettkämpfe losgehen. Unsensibler geht's nicht." Inzwischen hat sich die geübte Schlichterin Treitz in den Streit eingeschaltet. Sie will dafür sorgen, dass an das Paar aus den Abgaben etwas zurückfließt, etwa um einen Teil der Reisekosten (9000 Euro in dieser Saison) zu ersetzen. "Wir werden uns einigen", sagt die Mannheimerin voraus. Das Arrangement könnte halten - bis zum nächsten Krach.

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