https://www.faz.net/-gtl-9u5al

Skandal beim Eiskunstlauf : Der Holocaust als Accessoire

Kostüme des Jahres? Anton Schulepow zeigt sich mit einem fragwürdigen Outfit auf dem Eis. Bild: AFP

Eiskunstläufer Anton Schulepow trägt ein Outfit, das halb Nazi-Uniform, halb KZ-Gefangenendrillich inklusive gelbem Stern ist. Die Krönung der Würdelosigkeit lieferte dann allerdings der Weltverband.

          1 Min.

          Ende des Jahres, Auszeichnungen ohne Ende. Eiserne Regel: Gewinnt Messi einen Preis (Ballon d’Or), bekommt auch Ronaldo (bester Spieler der Serie A) was. Alles langweilig, aber im Lot. Anders als im Eiskunstlauf. Ständig auf der Suche nach Balance, fast immer vergeblich. Diese Woche ist der Internationale Verband ISU nicht nur ausgerutscht auf dem Glatteis des guten Geschmacks, sondern aufs Übelste abgestürzt.

          Am ersten Dezember bat der Verband auf seiner Internetseite zur Wahl der Kostüme des Jahres. Neben den üblichen Absurditäten stand auch der Dress des Russen Anton Schulepow zur Wahl. Der lief seine Kür zur Musik aus dem Film Schindlers Liste. Fragwürdig, aber da war er längst nicht der Erste. Allerdings war er der erste Eiskunstläufer, dem ein Kostümschneider, ein Choreograph gesagt haben muss, dass der künstlerische Ausdruck so lange nicht genozidal genug rüberkommt, wie er nicht halb Nazi-Uniform, halb KZ-Gefangenendrillich inklusive gelbem Stern trägt.

          Denn so lief Schulepow im November in Sapporo und Grenoble. Der Holocaust als Accessoire. Womit bewiesen ist, dass es in diesem Sport keine Entgleisung gibt, die nicht in viereinhalb Minuten Kür gepresst werden kann. Die Krönung der Würdelosigkeit lieferte dann allerdings die ISU, als sie erklärte, bei Schulepows Nominierung sei ihr ein bedauerlicher Fehler passiert. Man habe das Kostüm aus seinem Kurzprogramm nominieren wollen. Den blauen Rollkragenpulli.

          Weitere Themen

          Abschied von einem Urgestein der Bundesliga

          Friedhelm Funkel : Abschied von einem Urgestein der Bundesliga

          Für viele verkörperte Friedhelm Funkel die Sehnsucht nach dem alten Fußball ohne eingeflogene Starfriseure oder goldene Steaks. In Düsseldorf hielt er sich für unantastbar – und beendet nach der Entlassung seine Trainerkarriere.

          Topmeldungen

          Die IAA in Frankfurt ist vorerst Geschichte.

          Automobilausstellung : Die IAA verlässt Frankfurt

          Bis zum Ende hatte Frankfurt gehofft, doch nun ist es beschlossene Sache: Die Automesse IAA nimmt nach dem Misserfolg der letzten Ausgabe Abschied vom langjährigen Standort in Hessen. Drei Städte dürfen sich Hoffnung machen.
          Blick auf die deutsche Hauptstadt und den Fernsehturm: Was bezweckt der Mietendeckel?

          Berliner Wohnungen : 94,4 Prozent der Angebote liegen über Mietdeckel-Obergrenze

          Der Berliner Mietendeckel dürfte vor allem auf Neuvermietungen erhebliche Auswirkungen haben. Das zeigt eine Analyse der Online-Plattform Immoscout. So wurden im vergangenen Jahr fast alle Wohnungen über den im Gesetzesentwurf geplanten Obergrenzen angeboten.
          Erste Trainerstation im Profifußball: Bayer 05 Uerdingen, hier im Jahr 1991

          Friedhelm Funkel : Abschied von einem Urgestein der Bundesliga

          Für viele verkörperte Friedhelm Funkel die Sehnsucht nach dem alten Fußball ohne eingeflogene Starfriseure oder goldene Steaks. In Düsseldorf hielt er sich für unantastbar – und beendet nach der Entlassung seine Trainerkarriere.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.