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Eiskunstlauf : Freifahrtschein für Eisdiva Kwan

  • Aktualisiert am

Für Michelle Kwan gelten andere Regeln Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Obwohl sie sich wegen einer Verletzung nicht qualifizieren konnte, schickt Amerika Michelle Kwan zu den Olympischen Spielen. Die schillernste Eiskunstläuferin der vergangenen zehn Jahre wurde der eher blassen Emily Hughes vorgezogen.

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          Eiskunstlauf-Diva Michelle Kwan darf zum dritten Mal Anlauf auf den Olymp nehmen. Die fünfmalige Weltmeisterin erhielt am Samstag vom Eiskunstlaufverband der Vereinigten Staaten einen Freifahrtschein für die am 10. Februar beginnenden Winterspiele in Turin. Die 25jährige konnte wegen Hüft- und Leistenproblemen am Wochenende nicht an der nationalen Qualifikation in St. Louis teilnehmen, wurde jedoch in einer Abstimmung innerhalb des Wahlkomitees mit 20:3 Stimmen für Olympia nominiert.

          „Ich bin sehr glücklich, daß der Verband meinem Antrag zugestimmt hat. Ich weiß aber auch, wie sich Emily jetzt fühlt. Ich war 1994 in der gleichen Situation“, sagte Kwan. Die schillerndste Läuferin der vergangenen zehn Jahre hatte 1994 für Nancy Kerrigan wegen des sogenannten Eisenstangenanschlags des Tonya-Harding-Clans auf Olympia verzichten müssen. Emily Hughes, jüngere Schwester von Salt-Lake-Olympiasiegerin Sarah Hughes, hatte in St. Louis hinter der souveränen Meisterin Sasha Cohen (199,18 Punkte) und Kimmie Meisner (171,04) Platz drei (165,62) belegt und damit eigentlich einen Turin-Platz so gut wie sicher.

          Gesundheitstest Ende Januar

          Emily Hughes nahm die Entscheidung allerdings gefaßt auf: „Ich muß die Dinge so akzeptieren wie sie kommen. Jetzt werde ich daheim weiter hart trainieren. Man weiß nie, was bis zu den Spielen noch alles passiert.“ Michelle Kwan muß jedenfalls noch bis zum 27. Januar einer fünfköpfigen Kommission nachweisen, daß sie gesundheitlich und sportlich in der Lage ist, bei Olympia aussichtsreich ins Rennen gehen zu können.
          Davon sind die Verbands-Offiziellen bereits überzeugt. „Aus unserer Sicht hat Michelle eine bessere Medaillenchance als Emily“, sagte stellvertretend Verbandsmitglied Bob Horen, der aber einräumte: „Wir hatten eine lebhafte Diskussion.“ Als Trostpflaster erhielt Emily Hughes an Stelle von Kwan das dritte Ticket für die WM vom 20. bis 26. März in Calgary.

          2002 in Salt Lake City verstolperte sie ihre Chance auf Olympia-Gold

          Michelle Kwan war noch am Donnerstag in ihrer Wahlheimat Kalifornien von einem Verbandsarzt untersucht worden. Sie hatte nach einer aufgebrochenen Leistenverletzung erst in dieser Woche mit dem Training begonnen und erstmals seit dem 17. Dezember wieder einen Dreifachsprung probiert. „Ich bin selbst mein größter Kritiker. Wenn ich nicht das Gefühl habe, daß ich mein Bestes geben kann, wäre es für mich nicht gut, nach Turin zu fahren“, hatte Michelle Kwan stets betont.

          „Ein Schuß Wodka und eine Prise Kokain“

          Bei den Herren tritt Amerika erstmals seit 1976 mit drei olympischen Neulingen an. Der zum dritten Mal in Folge zum Meister gekürte Johnny Weir wird gemeinsam mit Evan Lysacek und Matt Savoie die amerikanischen Farben vertreten. Ganz ohne Kontroverse lief allerdings auch diese Nominierung nicht ab. Der aufgrund seiner oft zweifelhaften Kostümwahl als Exzentriker bekannte Weir rief in St. Louis die Verantwortlichen auf den Plan, als er den Journalisten die Reaktion des Publikums auf eine seiner ruhigeren Nummern erklärte und diese mit dem schnellen Programm eines Konkurrenten verglich.

          „Bei mir lehnen sich die Zuschauer quasi entspannt zurück und genehmigen sich einen Cognac und eine Zigarette. Bei meinem Mitbewerber war es eher ein Schuß Wodka und eine Prise Kokain“, stellte Weir fest. Obwohl sich der 21jährige schnell für seinen verbalen Ausfall entschuldigte, sorgte er bei Verbandschef Ron Hershberger für leichte Verstimmung: „Natürlich höre ich diese Dinge nicht gerne. Aber Johnny hat das Recht, zu sagen, was er will. Im Endeffekt geht es darum, daß unsere Athleten Super-Leistungen bringen. Mehr möchte ich zu diesem Thema nicht sagen.“

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