https://www.faz.net/-gtl-ryzn

Eiskunstlauf-EM : Fan Katarina Witt gratuliert Irina Slutskaja

  • -Aktualisiert am

Sieben Mal Europameisterin Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Moment, nach dem sich Irina Slutskaja gesehnt hatte, war gekommen - und zwar mit Glanz und Gloria. Die Moskauer Eiskunstlauf-Königin hat bei der EM die Konkurrenz wieder einmal auf Abstand gehalten und dazu einen Europarekord gebrochen.

          3 Min.

          "Sieben, sieben, sieben", rief sie, noch ganz atemlos nach einer feurigen Kür, in die Kameras. Der Moment, nach dem sich Irina Slutskaja in Lyon gesehnt hatte, war gekommen - und zwar mit Glanz und Gloria. Die 26 Jahre alte Moskauer Eiskunstlauf-Königin hatte bei der Europameisterschaft die sehr gute Konkurrenz wieder einmal auf Abstand gehalten und dazu einen Europarekord gebrochen, den vor ihr die legendären Kolleginnen Sonja Henie (in den dreißiger Jahren) und Katarina Witt (im achtziger Dezennium) aufgestellt hatten.

          Mit sieben kontinentalen Titeln zwischen 1996 und 2006 thront die Russin nun auf einsamer Höhe in ihrem oval umgrenzten eiskalten Reich. Besser noch: Die seinerzeit in Sofia allererste russische Europameisterin, die auch zwei Weltmeistertitel ihr eigen nennen darf, gilt als hohe Favoritin auf die Eroberung der Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Turin. Seit sie 2004 nach ihrer bedrohlichen Blutgefäßerkrankung auf ihre weiß glitzernde Bühne zurückkehrte, hat sie erst einen Wettkampf verloren: das Grand-Prix-Finale im Dezember des vergangenen Jahres. Die sie besiegte, das japanische Wunderkind Mao Asada, ist indes mit 15 noch zu jung, um bei Olympia starten zu dürfen.

          Historische Dimension

          Die historische Dimension ihres Triumphs am Donnerstag abend war für den Augenblick, da die braunhaarige, rotwangige Moskowiterin ihre Flamenco-Show zelebriert hatte, zu mächtig, um darüber tiefschürfend nachdenken zu wollen. Ihre Glückszahl Sieben, die sie noch auf dem Eis vertont hatte, animierte die vor ihrer Landsfrau Elena Sokolowa und der Italienerin Carolina Kostner erfolgreiche Serien-Europameisterin nur zu kurzen, von Freudenkieksern begleiteten Bemerkungen danach: "Katarina Witt war für mich die beste Läuferin der Welt, ich hätte nicht gedacht, daß ich ihren Rekord knacke. Vielleicht kommt irgendwann ja jemand und sagt, oh, ich habe den Rekord der Slutskaja übertroffen."

          Die Russin mit dem Löwenherz imponiert ihrer großen Vorgängerin aus Chemnitz schon lange. "Irina", sagte Katarina Witt, die sich die Konkurrenz daheim in Berlin am Fernseher anschaute, gegenüber dieser Zeitung, "ist eine tolle Athletin. Bei allen Höhen und Tiefen, die sie mitgemacht hat, ist es bewundernswert, wie sie das europäische Feld seit langem hartnäckig und ausdauernd beherrscht." Die inzwischen 40 Jahre alte Sächsin würde sich deshalb von Herzen freuen, wenn sich Irina Slutskaja nun auch noch ihren Herzenswunsch vom olympischen Gold erfüllen könnte. Schon allein deswegen, weil bei den drei vergangenen Spielen jeweils unbefangene, unausgereifte Teenager die Nerven besaßen, den erfahrenen Meisterinnen des Eises eine lange Nase zu zeigen.

          Russin mit dem Löwenherz

          Die 16 Jahre alte Ukrainerin Oksana Bajul rauschte 1994 in Lillehammer an der 24 Jahre alten amerikanischen Schönheit Nancy Kerrigan vorbei; die unbekümmerte, 15 Jahre alte Amerikanerin Tara Lipinski störte sich 1998 in Nagano nicht weiter an der in den Vereinigten Staaten damals schon hofierten 17jährigen Kalifornierin Michelle Kwan; 2002 in Salt Lake City verlor Queen Kwan ihren immer noch nicht aufgegebenen Kindheitstraum aufs neue aus den Augen, da diesmal ihre 17 Jahre alte Landsfrau Sarah Hughes eine goldene Sternstunde hatte.

          "Die letzten drei Olympiasiegerinnen", faßt Katarina Witt im Blick zurück auf vergängliche Tage zusammen, "kamen, siegten und wurden nicht mehr gesehen. Sie triumphierten in der Unschuld ihrer Jugend." Da floß bei den Älteren so manche Träne. Auch bei Irina Slutskaja, die vor vier Jahren im Wilden Westen Amerikas Zweite vor ihrer ähnlich bitter enttäuschten Freundin Michelle Kwan wurde. Daß die mittlerweile 25 Jahre alte fünfmalige Weltmeisterin trotz fehlender saisonaler Leistungsnachweise in Turin voraussichtlich dabei ist, freut die unerschütterliche Russin ganz besonders. "Ich hoffe, Michelle dort zu treffen, und wünsche mir, mit ihr auf dem Podium zu stehen."

          Drama für Annette Dytrt

          Sollte es so weit kommen, wird Annette Dytrt den Triumph der "alten Damen" nur als Fernsehzuschauerin miterleben können. Die vor ihrer alten Trainerin Shanetta Folle von München nach Erfurt zu ihrer neuen Eislauf-Lehrerin Ilona Schindler geflüchtete fünfmalige deutsche Meisterin verfehlte in Lyon die Olympiaqualifikation. Mit ihrer allzu zaghaften Kür, bei der im Zweifel sicher gelandete Doppelsprünge die programmatische Regel und waghalsige Dreifachsätze die löbliche Ausnahme waren, kam sie nur auf Rang zehn. Achte hätte sie werden müssen, um ihr Ziel Turin zu erreichen. Platz zehn empfanden Läuferin wie Trainerin zumindest als Trostpreis, können damit doch 2007 in Warschau endlich wieder zwei deutsche Damen an der EM teilnehmen.

          Das wahre Drama für Annette Dytrt fand diesmal indes nicht auf, sondern am Rande der Eisbahn statt. Um die herum schlich auch die von der Läuferin inzwischen gefürchtete Russin Folle. Die hatte Annette Dytrt noch vor kurzem gesagt: "Ohne mich bist du nichts." Dagegen setzte die fragile Sportlerin diesmal zumindest ein Achtungszeichen. Und so waren Dytrts Tränen, die allein bei der Namensnennung der Russin prompt geflossen waren, schließlich schnell getrocknet.

          Weitere Themen

          „Joker“ Petersen stoppt die Borussia

          0:1 in Freibuirg : „Joker“ Petersen stoppt die Borussia

          Der Freiburger Rekordtorschütze richtet es als Einwechselspieler: Nils Petersen trifft gegen Mönchengladbach nach weniger als 60 Sekunden. Die Borussia verliert Alassane Plea und Max Eberl begeht eine traurige Premiere.

          Topmeldungen

          Michael Zahn hat sich mit Äußerungen zur Wohnungspolitik in Berlin nicht überall beliebt gemacht.

          Deutsche-Wohnen-Chef Zahn : Der unbeliebte Vermieter

          Nach 14 Jahren hat die deutsche Hauptstadt wieder einen Dax-Konzern. Michael Zahn ist der Mann, der ihn führt. Doch viele Berliner sind auf den Immobilienmanager nicht gut zu sprechen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.