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Eishockey-WM in Belarus : Lukaschenka ignoriert Proteste aus In- und Ausland

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Aleksandr Lukaschenka hat die Eishockey-WM in Belarus entzogen bekommen. Bild: dpa

Der Druck, dem Machthaber die Eishockey-WM zu entziehen, ist immens. Doch Aleksandr Lukaschenka denkt nicht an einen Rückzug von Belarus als Teilausrichter. Der Weltverband will Ende Januar eine Entscheidung treffen.

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          Aleksandr Lukaschenka hat einen Rückzug von Belarus als Teilausrichter der Eishockey-Weltmeisterschaft im Mai und Juni dieses Jahres ausgeschlossen: „Es gibt keinen Grund, warum sie nicht stattfinden sollte“, behauptete der Präsident des Landes in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des russischen Staatsfernsehens. Alles andere wäre eine Schande: „Wir sind bereit, die Weltmeisterschaft auch schon morgen auszurichten.“

          Damit reagierte er auf die Forderungen aus dem In- und Ausland an den Internationalen Eishockey-Verband (IIHF), Belarus die WM-Spiele vor dem Hintergrund der massiven Menschenrechtsverletzungen durch sein Regime zu entziehen. Dazu gehört nach Darstellung von Zeugen und Menschenrechtsorganisationen etwa die Folterung von Demonstranten. In einem offenen Brief an IIHF-Präsident René Fasel hatte der Schriftsteller Sasha Filipenko ein brutales Vorgehen von Lukaschenka beschrieben. Bundestagsabgeordnete aus Regierung und Opposition bekräftigten nach der Lektüre ihre Forderung, Lukaschenkas Regime keine Möglichkeit für ein „Whitewashing“ zu bieten.

          Die belarussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja verwies auch auf den Wunsch der Teilnehmer an der WM: „Die meisten Länder wollen nicht an Lukaschenkas politischer Show teilnehmen“, schrieb sie auf Telegram. Angesichts von 160 politischen Gefangenen und Tausenden Menschen im Gefängnis sollte es kein Sportereignis in Belarus geben. Tichanowskaja war bei der Präsidentenwahl im August gegen Lukaschenka angetreten. Lukaschenka hatte sich nach einer angeblichen Stimmenquote von 80,1 Prozent zum Sieger erklären lassen. Die Wahl gilt weithin als gefälscht.

          Auch die EU erkennt Lukaschenka nicht mehr als Präsidenten an. Unterdessen appellierte der Koordinator der „Botschaft des Volkes von Belarus“ an die Deutschen, zu unterstützen und solidarisch zu sein: „Unter solchen Umständen für die Austragung der Weltmeisterschaft in Belarus zu plädieren bedeutet (...), dass man sich vor dem offensichtlichen Leid der Menschen verschließt und das Treiben des Terrors gegen die Zivilbevölkerung der Republik Belarus billigend in Kauf nimmt.“ Die IIHF will Ende Januar eine Entscheidung treffen.

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