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Eishockey-WM in Belarus : „Lügen, Fake News“

Im Abseits: Belarus sollen unter dem Druck von Geldgebern und Regierungen die WM-Spiele entzogen werden. Bild: Picture-Alliance

Während belarussische Athleten dem IIHF-Präsidenten René Fasel falsches Spiel vorwerfen, drohen die Sponsoren mit einem Rückzug von der Eishockey-WM. Nun steht wohl eine zentrale Entscheidung für das Land bevor.

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          Die Sponsoren machen dem Eishockey-Weltverband IIHF Beine. An diesem Montag wird die Sportorganisation mit Sitz in Zürich, das meldet das gut informierte Schweizer Nachrichtenportal Watson, Belarus und dessen Machthaber Lukaschenka die Eishockey-Weltmeisterschaft entziehen. Demnach wird das Council der IIHF der ultimativen Forderung der Sponsoren Škoda und Beiersdorf (Nivea) folgen. Lettland, das ursprünglich gemeinsam mit Belarus Gastgeber der Veranstaltung sein sollte, könnte die Spiele, die in Minsk stattfinden sollten, übernehmen. Auch die Slowakei und Dänemark haben angeboten, einzuspringen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Zunächst hatte Nivea bekannt gemacht, dass es die Eishockey-WM nicht unterstützen werde, falls sie auch in Belarus stattfinde. Kurz darauf drohte auch der Hauptsponsor, der Automobilkonzern Škoda, mit Rückzug. „Wir sind seit 28 Jahren stolzer Partner der Eishockey-Weltmeisterschaften“, teilte der tschechische Hersteller mit, nachdem Aktivisten der Belarusischen Sport-Solidarität-Stiftung (BSSF) am Unternehmenssitz Mladá Boleslav demonstriert hatten. „Aber wir respektieren und fördern auch die Menschenrechte. Deshalb wird Škoda sich vom Sponsoring der WM 2021 zurückziehen, wenn Belarus als Mitveranstalter bestätigt werden sollte.“

          Verbandspräsident René Fasel, der heftige Kritik dafür auf sich gezogen hat, dass er den belarussischen Machthaber Lukaschenka bei seinem Besuch in Minsk in der vergangenen Woche herzlich umarmte, wird nun zusätzlich dafür angegriffen, dass er behauptet, mit der belarussischen Opposition gesprochen zu haben, vertreten von „einer Person, die Swetlana Tichanowskaja nahesteht“, wie er in einem Interview mit Watson behauptete.

          Die Oppositionsführerin und im August um ihre Wählerstimmen betrogene Präsidentschaftskandidatin verwahrte sich gegen diese Behauptung. Sie glaube, Fasel sei in seinen Statements durcheinander, schrieb sie auf Twitter. Weder sie noch ihr Büro hätten ein Treffen mit ihm gehabt: „Stattdessen hatte Diktator Lukaschenka eines.“ Sie habe die Außenministerien von Kanada, Russland und Kasachstan aufgefordert, sich gegen die Austragung der WM in Minsk auszusprechen.

          René Fasel behauptet, mit der belarussischen Opposition gesprochen zu haben.
          René Fasel behauptet, mit der belarussischen Opposition gesprochen zu haben. : Bild: dpa

          BSSF, die Organisation von mehr als tausend Top-Athleten des Landes, nannte die Aussagen von Fasel Lügen und Fake News. Sie bezog sich darauf, dass er im Interview sagte: „Es ist nicht einfach, mit der Opposition in Weißrussland in Kontakt zu kommen, weil sie nicht organisiert ist und weil es keine Partei, aber viele Einzelinteressen gibt. Wir haben mit verschiedenen Vertretern direkt telefoniert und unsere Absicht für ein Treffen erklärt, und das ist sehr geschätzt worden.“ Darüber hinaus will Fasel in der Opposition Befürworter der WM gesprochen haben.

          „Das ist das Drama: Die Vertreter der Opposition sagen uns, dass sie diese WM wollen, es sei eine WM für das Volk“, behauptete er: „Aber es gibt offensichtlich keinen Dialog zwischen der Regierung und der Opposition.“ Darüber hinaus habe er beim Treffen mit Lukaschenka einige Themen auf Wunsch der Opposition angesprochen. Die Bitte um ein Treffen mit Vertretern der BSSF habe er allerdings abgelehnt, weil er dadurch unter Druck geraten wäre. BSSF teilt mit, dass sie angeboten hatte, Fasel in Vorbereitung auf seine Reise nach Belarus in der vergangenen Woche in Zürich zu treffen.

          Aus dem Gespräch mit Lukaschenka, dem die Umarmung vorausging, berichtet Fasel, dass dieser die Unterredung beinahe abgebrochen habe, als er die Verfassung und die Opposition ansprach. „Nennen Sie es naiv, und vielleicht bin ich ein Romantiker. Aber es war den Versuch wert.“ Auf die Frage nach politischen Gefangenen in Belarus gab Fasel die Behauptung Lukaschenkas wieder, bei den Demonstrationen würden Menschen nicht wegen ihrer politischen Überzeugung, sondern wegen Straftaten verhaftet. Er wisse nicht, ob es politische Gefangene gebe.

          Auch die Regierung Merkel erwartet eine Verlegung der WM. Gespräche mit dem Sport zeigten, dass „aktiv Lösungen hinsichtlich der Austragung“ gesucht würden, teilt der Parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) im Innenministerium in der Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit: „Die Bundesregierung sieht eine Austragung der Weltmeisterschaft in Belarus kritisch und würde es deshalb begrüßen, wenn sich, unter Berücksichtigung der besonderen politischen, menschenrechtlichen und der Sicherheitslage in Belarus, solche zeitnah finden ließen.“

          Margarete Bause, menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordert: „Horst Seehofer als für Sport zuständiger Minister muss nun umgehend aktiv werden und dem Deutschen Eishockey-Bund und dessen Präsident Franz Reindl klarmachen, dass Belarus unter dem brutalen Diktator Lukaschenka als Austragungsort nicht in Frage kommt. Der deutsche Spitzensport hat sich dazu verpflichtet, sich auch international für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden und sich nicht zum Komplizen eines Diktators zu machen, muss der DEB sich für eine Verlegung in ein anderes Land starkmachen.“

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