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Deutsche Eishockey-Junioren : Liebesgrüße aus Ottawa

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Das deutsche Sturm-Trio verzückt: Florian Elias freut sich mit seinen Teamkollegen Tim Stützle und John-Jason Peterka (r.) Bild: dpa

Die deutsche U 20 scheidet bei der Eishockey-WM gegen Russland aus – aber das Trio mit Tim Stützle, Florian Elias und John-Jason Peterka verzückt die nordamerikanischen Fans.

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          Wer eine teure Uhr geschenkt bekommt, macht in der Regel ein erfreutes Gesicht. Aber was wäre eine Regel ohne Ausnahmen? Die sind jedes Jahr bei der U-20-WM im Eishockey zu beobachten, wenn die besten Spieler jeder Mannschaft nach ihrem letzten Spiel ein Geschenk eines Sponsors aus der Schweiz erhalten. Glücklich ist dann allerdings niemand, weil die Übergabe für neun der zehn Teams bedeutet, dass die anderen jubeln.

          So erging es am Samstag der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nach der 1:2-Niederlage im Viertelfinale gegen Russland. Da konnten sich Torhüter Florian Bugl, Verteidiger Mario Zimmermann und Stürmer Tim Stützle nicht mal für das obligatorische Foto ein Lächeln abringen. Zu enttäuscht waren sie, denn nach dem Treffer zum 1:2 durch Florian Elias Anfang des Schlussdrittels „haben die Russen gewackelt, wir waren ganz nah dran und haben an den Sieg geglaubt“, sagte Trainer Tobias Abstreiter, dessen Team drei Großchancen auf den Ausgleich hatte, Elias traf gar die Latte – was ihn nachher hadern ließ: „Die Russen hatten etwas Glück und wir Pech.“

          Das wäre früher ein unerhörter Satz gewesen. Eine Niederlage gegen Russland? Ja, was denn sonst? Aber die neue deutsche Eishockey-Generation ist keine mehr, die es gegen Top-Nationen als Erfolg erachtet, wenn sie nicht zweistellig verliert. Sie hat – vor allem dank der Akademien in Mannheim und von Red Bull in Salzburg (zur Organisation gehört auch das Team aus München) – selbst Hochbegabte in ihren Reihen. Leon Draisaitl mag als wertvollster Spieler der nordamerikanischen Profiliga NHL ein deutscher Eishockeyspieler sein, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat, aber er ist längst nicht der einzige, der internationale Beobachter schwärmen lässt. Dafür muss man nur dem Kanadier Ray Ferraro zuhören: Kein anderer Spieler bei der WM sei „annähernd so bereit für die NHL wie Tim“, sagte der ehemalige NHL-Spieler und heutige TV-Experte.

          Der Star des jungen Teams: Tim Stützle
          Der Star des jungen Teams: Tim Stützle : Bild: dpa

          Mit Tim ist Tim Stützle aus der ersten Sturmreihe mit Florian Elias und JJ Peterka gemeint. 13 der 15 deutschen Tore erzielte das Trio und wirbelte selbst Abwehrreihen von Top-Nationen durcheinander. Da gab es immer neue Highlight-Clips in den sozialen Medien mit atemraubenden Alleingängen, krachenden Checks und schönen Toren zu sehen. Millionenfach geklickt, tausendfach geherzt und geteilt. Vor allem von Fans aus Ottawa, die Senators wählten Stützle bei der jährlichen Talentziehung (Draft) der NHL jüngst an Position drei. Manager Pierre Dorion nennt den 18-Jährigen bereits einen „Grundstein“ für den erhofften Umschwung beim dauerkriselnden Hauptstadtklub.

          Trotzdem waren die Voraussetzungen beim DEB für ein gelungenes Turnier denkbar schlecht: Abwehrchef Moritz Seider wurde von seinem Team nicht freigegeben, Topstürmer Lukas Reichel und Stammtorwart Tobias Ancicka mussten wegen positiver Corona-Tests zu Hause bleiben. In Kanada erwischte es acht weitere Spieler. Sie mussten tagelang im Hotel bleiben, während der klägliche Rest gegen Finnland noch halbwegs gut mithielt (3:5) und einen Tag später von Kanada überrannt wurde (2:16).

          Schon vorher war die Frage aufgekommen, welchen Sinn es hat, um die halbe Welt zu fliegen, sich vielleicht mit einem gefährlichen Virus zu infizieren, über Weihnachten in Quarantäne zu sitzen und sich mit einer Rumpftruppe abschießen zu lassen. Nun stellt die Frage niemand mehr. Denn danach gab es ein 4:3 gegen die Slowakei und ein 5:4 gegen die Schweiz. Stützle und Peterka schossen gegen den Erzrivalen alle fünf Tore – eines schöner als das andere. So stand die deutsche U 20 erstmals überhaupt im WM-Viertelfinale, wo sie sich ebenfalls teuer verkaufte.

          Entsprechend zufrieden sind sie nun beim DEB. Mit der Leistung, der internationalen Anerkennung, der Aufmerksamkeit daheim. Die Spiele wurden live übertragen, es gab zahlreiche Presseartikel. Endlich gute Nachrichten für die arg von der Corona-Krise getroffene Branche. Sportdirektor Christian Künast richtete gleich einen Appell an die DEL-Klubs, dem Nachwuchs auch in der Liga „weiter die Chance zu geben und auf sie zu bauen“. Für Kapitän Stützle gilt das allerdings nicht, er hat seinen Vertrag in Mannheim aufgelöst. Noch am Abend flog er nach Ottawa, wo er sehnlichst erwartet wurde.

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