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Comeback auf dem Eis : Wie die DEL ihre Saison retten will

  • -Aktualisiert am

Der Puck soll zurück ins Spiel: Die Deutsche Eishockey Liga will endlich wieder loslegen. Bild: dpa

Nach Monaten der Corona-Depression will die Deutsche Eishockey Liga endlich zurück auf die Bildfläche. Ein Turnier soll als Testlauf für die Saison dienen. Doch längst nicht alle Teams machen mit.

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          Man muss schon tief in den Archiven graben, um eine frohe Botschaft aus dem Mund von Gernot Tripcke zu finden. Seit März suchen der Geschäftsführer und seine Mitstreiter aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verzweifelt nach Lösungen, wie in der Corona-Pandemie gespielt werden kann. Während andere Sportarten und selbst unterklassige Eishockey-Ligen längst aktiv sind oder zumindest feste Termine im Blick haben, musste der Saisonstart der DEL zweimal verschoben werden.

          Ob der nächste Termin, der 18. Dezember, eingehalten werden kann, ist unklar. Nun gibt es aber zumindest etwas Hoffnung. Am Donnerstag durfte Tripcke von einem „wichtigen Schritt“ sprechen, denn vom 11. November bis 13. Dezember veranstaltet die DEL ein Vorbereitungsturnier. Dann soll es über Wochen fast jeden Abend Spitzeneishockey zu sehen geben. „Wir alle freuen uns, somit unseren Sport zurück auf die Bildfläche zu bringen“, sagte Tripcke.

          Diskussionen um das Turnier gibt es schon länger. Ursprünglich sollte es zentral an einem Ort stattfinden. Aber über Wochen eine Halle zu mieten und die Spieler in Hotels unterzubringen wäre wohl zu teuer gewesen. Auch die Trainingsmöglichkeiten hätten für mehrere Teams nicht ausgereicht. Zudem soll der „Magenta Sport Cup“ ja ein Testlauf sein, um zu sehen, ob eine Saison in Corona-Zeiten funktionieren kann. Also braucht es Reisen.

          Nicht alle machen mit

          Auch für TV-Partner Telekom werden das entscheidende Wochen, um zu sehen, wie man Eishockey ohne laute Fankurven rüberbringen kann. Und natürlich, ob überhaupt genügend Menschen einschalten. Einerseits gab es ein Punktspiel in Deutschland zuletzt Anfang März. Andererseits scheint Sport selbst für leidenschaftliche Anhänger gerade nicht das Wichtigste zu sein, weltweit haben Ligen und Verbände mit Zuschauerschwund zu kämpfen. Einen Rückschlag anderer Art erlitt die DEL bereits Wochen vor dem Turnier: Es machen nicht alle Teams mit.

          Als Krisenmanager gefragt: DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke
          Als Krisenmanager gefragt: DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke : Bild: dpa

          Lediglich acht sind dabei, die übrigen sechs – darunter so prominente Namen wie die Kölner Haie – sind nicht bereit, in den Normalbetrieb zu schalten. Die Teilnehmer wollen Anfang November mit dem Training beginnen. Dafür müssen sie alle ausländischen Spieler einfliegen, ihre verliehenen Profis zurückholen, die Kurzarbeit beenden und volle Gehälter zahlen. Aber was ist, wenn die Saison trotz des Turniers nicht beginnen kann? „Ohne konkrete Perspektive“, sagt beispielsweise Augsburgs Gesellschafter Lothar Sigl, „hat es keinen Sinn, den kompletten Kostenapparat hochzufahren und die prekäre wirtschaftliche Situation, in der wir uns unverändert befinden, weiter zu verschärfen.“

          Zumindest die Turnierkosten sollen gedeckt sein. Das Fachmagazin „Eishockey News“ berichtet, die Telekom wolle eine „Antrittsprämie in nicht unerheblicher Höhe garantieren“. Das hilft für den Moment, aber für den Start der richtigen Saison ist das kein Konzept. Zwar schließt Tripcke eine Saison mit Geisterspielen nicht mehr aus. Aber dafür braucht es Hilfe.

          Hoffen auf den Hauptgewinn

          Also reden die Klubs: Mit ihren Gesellschaftern oder Mäzenen, dass die noch etwas dazulegen. Mit Sponsoren, dass die auch ohne Fans in den Hallen zahlen. Mit den Spielern, dass die nach den ersten 25 Prozent noch mal auf Gehalt verzichten – was sie an einigen Standorten bereits tun. Und mit der Politik, um doch noch an die versprochenen Staatshilfen zu kommen. Dafür gebe es auch erste Anzeichen, heißt es, die Anträge wurden vereinfacht, die Deckelung von 800000 Euro pro Klub könnte fallen.

          So ist dieses Testturnier auch als Zeichen der Liga an die vielen Skeptiker und Kritiker zu sehen: „Seht her, wir haben ein Konzept.“ Ob das zum Saisonstart führt? Kann niemand sagen. Es wirkt so, als hätte die DEL mit ihrem letzten Geld ein Los gekauft und hoffte auf den Hauptgewinn. Aber in diesen Zeiten wäre sie vielleicht schon froh, am Ende zumindest den Einsatz wieder rauszuhaben.

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