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Eishockey-Trainer Tillikainen : Das Löwen-Sprungbrett genutzt

  • -Aktualisiert am

Gute Arbeit in Frankfurt: Eishockey-Trainer Matti Tillikainen Bild: Picture-Alliance

Trainer Matti Tiilikainen kam als Unbekannter nach Frankfurt und macht jetzt in Finnland Karriere. Doch die Löwen sind bestens präpariert.

          3 Min.

          Die Rückkehr in seine finnische Heimat hatte sich Matti Tiilikainen anders vorgestellt. Auf direktem Weg ging es für den Eishockey-Trainer und seine Familie in der vergangenen Woche wegen der Corona-Pandemie vom Flughafen für 14 Tage in häusliche Quarantäne – eine Maßnahme der finnischen Regierung zur Eindämmung des Virus. „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, um Sport im Fernsehen zu schauen oder in die Eishalle zu gehen. Ich werde die Zeit zu Hause mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen genießen, bevor für mich ein neues Kapitel beginnt“, sagt Tiilikainen.

          Normalerweise wäre in den Play-offs der Zweiten Deutschen Eishockey-Liga (DEL2) mit den Löwen Frankfurt gerade kaum Zeit für Privates gewesen. Der Abbruch der Saison hat es möglich gemacht. „Ich war so fokussiert und voller Energie für die Play-offs, die wir unbedingt als Meister beenden wollten. Momentan brauchen wir uns über Eishockey aber keine Gedanken zu machen. Es gibt Wichtigeres“, sagt Tiilikainen, der im November ein Angebot der Löwen für eine Vertragsverlängerung ausgeschlagen hatte und zur kommenden Saison als Chefcoach zu seinem Heimatklub Hämeenlinnan Pallokerho (HPK) zurückkehren wird.

          Mit Stolz zurückblicken

          Ein Abschied auf der großen Bühne wird für ihn somit ausbleiben. Der 32-Jährige wirkte trotz des abrupten Endes seiner Zeit in Frankfurt während der letzten Tage in Deutschland gelöst und mit sich im Reinen. Schon jetzt kann Tiilikainen mit Stolz auf sein knapp zweijähriges Engagement in der Mainmetropole zurückblicken: „Ich bin sehr zufrieden. Der Klub hat sich weiterentwickelt, die Spieler haben sich verbessert und wir uns als Trainerteam auch“, sagte er. Sein erfolgreiches Wirken bei den Löwen hat ihm den nächsten großen Sprung in seiner Karriere ermöglicht. Gekommen war er nach Frankfurt im Sommer 2018 als große Unbekannte – ein unerfahrener Trainer aus dem Juniorenbereich, der zuvor noch nie eine Profimannschaft trainiert hatte. Nun wird er als Headcoach den finnischen Meister übernehmen.

          Seine Reputation ist international vor allem wegen der Einladung zum Deutschland-Cup als Assistenztrainer der deutschen Nationalmannschaft enorm gestiegen. Dieses Engagement ist wiederum auf seine gute Arbeit bei den Löwen zurückzuführen, wo er ein Team mit vielen Nachwuchstalenten als jüngster Headcoach der Liga zweimal zum Hauptrunden-Titel und einmal ins Play-off-Finale führte. Tiilikainens Werdegang zeigt, dass ein Wechsel aus Finnland in die zweite deutsche Spielklasse nicht zwangsweise das Ende der eigenen Karriere bedeuten muss, wie dies früher oft behauptet wurde. Die Attraktivität des deutschen Eishockeys und insbesondere der DEL2 ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Für Tiilikainen war die Liga ein Sprungbrett. Das machte ihn zu einem Wegbereiter, dem nun andere folgen. Hannu Järvenpää ist einer: Er betreut in der kommenden Saison den EC Bad Nauheim (siehe nebenstehenden Bericht). Olli Salo ist ein anderer: Der 36-Jährige wird seine Stelle als Ko-Trainer in der finnischen ersten Liga aufgeben und die Löwen als Cheftrainer übernehmen. „Matti hat in Frankfurt sehr viel erreicht. Seine Rückkehr nach Finnland zu einem Spitzenteam hat uns überhaupt erst die Türen geöffnet, um mit Trainern vom Format eines Olli Salo sprechen zu können“, sagt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier.

          Dass der Wechsel auf der Trainerposition vor der Saison 2020/21, in welcher der Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga wieder möglich sein wird, nicht ideal für die Löwen ist, steht außer Frage. Tiilikainen hat im Konzept von Fritzmeier eine wichtige Rolle gespielt, war auch in schwierigen Zeiten im Dezember ein Ruhepol und hat die Mannschaft kontinuierlich weiterentwickelt. Sein Abgang wird dennoch zu verkraften sein. Mit Ko-Trainer Marko Raita und Videoanalyst Valtteri Salo, dem Bruder des neues Cheftrainers, bleiben dem Klub zwei wichtige Bausteine erhalten. Sie kennen Olli Salo aus gemeinsamen Zeiten bei HPK gut und werden den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Zudem wird die in den vergangenen zwei Jahren geschaffene Basis wohl einen ruhigen Sommer nach sich ziehen, in dem es nicht allzu viele Veränderungen im Kader geben dürfte.

          Die Löwen scheinen deshalb auch ohne Tiilikainen bestens präpariert für die kommende Spielzeit, in der es erstmals wieder einen Aufsteiger geben soll. „Ich hoffe, dass der Klub in der Zukunft erfolgreich sein wird und bald wieder erstklassig spielt“, sagt Tiilikainen, der gerne in der nächsten Saison zu Besuch kommen würde, falls diese trotz der Corona-Pandemie unter normalen Umständen stattfinden kann. „Ich werde die Löwen weiter verfolgen und vor allem die Atmosphäre in der Eissporthalle und die Fankultur hier nie vergessen. Der Klub wird immer einen Platz in meinem Herzen haben.“ Wie leere Worthülsen klingen diese Äußerungen nicht. Man spürt vielmehr die Dankbarkeit, die der 32-Jährige empfindet, wenn er über die Löwen spricht – für die Chance, die er in Frankfurt bekam und die es ihm ermöglicht hat, nun seinen Heimatklub trainieren zu können. Tiilikainen wird ab Sommer dort sein, wo er immer hinwollte. Da angekommen am Ziel einer Reise, die ihn irgendwann auch wieder zurück zum Zwischenstopp in der Mainmetropole führen könnte: „Man weiß nie, was passiert. Ich würde mich unglaublich freuen, eines Tages als Trainer nach Frankfurt zurückzukehren.“ Ohne danach gefragt worden zu sein, hatte der Finne damit zum Abschluss alles gesagt.

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