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Talent Lola Liang : Wie eine 15-Jährige im Eishockey verblüfft

  • -Aktualisiert am

Spielt mit den Jungs: Lola Liang. Bild: Jan Huebner

Ihre zierliche Gestalt deutet eher auf eine Eiskunstläuferin hin. Doch die 15-Jährige Lola Liang spielt Eishockey – mit älteren Jungs bei den Löwen und mit Frauen in der Bundesliga. Doch ihr steiler Weg war nicht ohne Rückschläge.

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          Wenn Lola Liang ihre Geschichte zu erzählen beginnt, irritiert sie erst einmal die Zuhörer. Eishockey als Mädchen? Gegen zwei Jahre ältere Jungs? Was außergewöhnlich klingt, ist für die 15-Jährige ganz normal – und in Deutschland, wo das Frauen-Eishockey kaum Aufmerksamkeit generiert, tatsächlich keine Seltenheit. Junioren-Mädchenmannschaften gibt es auf Klubebene nicht. Der weibliche Nachwuchs kurvt seit Kindertagen mit den Jungs über das Eis. Lola auch. Seit zehn Jahren spielt sie schon in der Jugend der Löwen Frankfurt, sitzt als einziges Mädchen in der Kabine zwischen heranwachsenden Männern und opfert viel Freizeit – für das vage Ziel, eines Tages zu den Olympischen Spielen zu fahren.

          Dass sie anfangs oft skeptisch beäugt wird, wenn sie von sich und vom Eishockey spricht, liegt auch an ihrer Statur: 1,64 Meter Größe und 53 Kilogramm Gewicht deuten eher auf den Körper einer Eiskunstläuferin als einer Eishockeyspielerin hin. Ihre zierliche Gestalt hindert die Stürmerin jedoch nicht daran, sich gegen die älteren Jungs der U17 zu behaupten. Vier Tore und sieben Vorlagen hat sie dank ihrer Schnelligkeit und ihrem flinkem Spiel in 16 Saisonpartien schon erzielt.

          Wie lange sie die physischen Nachteile wohl kompensieren kann? „Man merkt die unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen immer mehr. Zur Zeit bekomme ich das aber noch ganz gut hin“, sagt Lola, die für ihr junges Alter schon relativ reif und abgeklärt auftritt. Die Angreiferin weiß genau, wo sie hin will. Und was sie dafür leisten muss. Das wird während des Gesprächs mehrfach deutlich. Und zwischendurch kommt es immer wieder zum Vorschein, dieses Strahlen in ihrem Gesicht, wenn Lola erzählt, wie alles begann und dass ihr „Hobby mittlerweile zu einer ganz großen Leidenschaft geworden“ ist.

          Erst ein Schock, dann noch ein Schock

          Die meisten Mädchen in Deutschland fangen mit dem Eishockey an, weil Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte den Sport betreiben. Bei Lola ist das nicht der Fall. Ihre erste Eislaufstunde nahm sie während eines Besuchs in China bei den Großeltern, als gleichzeitig auf der anderen Seite der abgetrennten Eisfläche in einem Pekinger Einkaufszentrum eine Eishockey-Mannschaft trainierte. Die Fünfjährige war begeistert vom schnellen Spiel und begann nach der Rückkehr aus dem Urlaub in Frankfurt mit dem Sport, wo man schnell ihr Talent entdeckte. Schon mit 13 Jahren lief sie zum ersten Mal für die deutsche U-18-Frauen-Nationalmannschaft auf, ehe ihr steiler Aufstieg im Jahr darauf jäh gebremst wurde: In einem Spiel bei der U15 der Löwen brach Lola in einem Zweikampf an der Bande der Arm.

          Erstmals richtig verletzt, schuftete sie für das Comeback auf dem Eis. Dann der nächste Schock: Im zweiten Spiel nach der Genesung krachte es abermals in einer ähnlichen Situation – wieder war der Arm gebrochen. Ans Aufhören dachte sie während dieser schweren Zeit nicht. „Aktuell bin ich noch nicht wieder bei hundert Prozent. Es dauert, bis alles wie vorher ist“, sagt Lola. Ihre aktuelle Saison bezeichnet sie als „guten Schritt nach der Verletzung“. Vollständig zufrieden sei sie ohnehin nie.

          Das sagt viel über den Ehrgeiz der Stürmerin aus, die seit dieser Saison – mit einem Zweitspielrecht ausgestattet – auch für die Mad Dogs Mannheim in der Frauen-Bundesliga antritt, als jüngste Spielerin der Liga. Trotz ihres Alters bekomme sie genug Spielzeit, versichert Lola, die mit Mannheim regelmäßig auf gestandene deutsche Nationalspielerinnen trifft. Das soll förderlich sein für die eigene Entwicklung. Sie bekommt oft gesagt, dass sie eine große Zukunft habe und irgendwann sogar in der A-Nationalmannschaft auflaufen würde, wenn sie weiter dran bleibe: „Aber es ist egal, was jetzt gesagt wird. Es kommt darauf an, wie ich weitermache und wie hart ich an mir arbeite.“ Ihr großer Traum ist es, nach den Olympischen Jugendspielen in Lausanne in diesem Jahr eines Tages auch an den großen Olympischen Spielen teilzunehmen – bestenfalls schon 2022 in Peking im Heimatland ihrer Eltern.

          „Mit den Jungs ist es nicht so kompliziert“

          Dabei Schule und Sport zu vereinen, ist nicht immer einfach, aber notwendig: Schließlich wird die Stürmerin mit Eishockey nie Geld verdienen können. Bei den männlichen Profis generiert die Sportart in Deutschland den zweithöchsten Publikumsschnitt nach dem Fußball. In der Frauen-Bundesliga kommen hingegen oft nicht mehr als zwei Dutzend Zuschauer. Das Frauen-Eishockey sieht Lola trotzdem „auf einem guten Weg, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Der Terminplan der Schülerin, die an einem Frankfurter Gymnasium ihr Abitur machen will, ist prall gefüllt. Inklusive der Spiele steht sie rund sechsmal pro Woche auf dem Eis. Von Montag bis Donnerstag hat sie Nachmittagsunterricht. Im Anschluss geht es direkt ins Training. Wenn sie abends zu Hause am Frankfurter Stadtrand angekommen ist, ist es meist 22 Uhr. Dann müssen oft noch Hausaufgaben erledigt werden, „aber zwischendurch findet sich in der Bahn zum Beispiel ja auch immer noch Zeit“, sagt Lola und lacht. Sie macht den Eindruck, dass das Programm sie nicht übermäßig belaste. Dass sie aufhörte, eine Musikinstrument zu spielen hat einen anderen Grund: „Da fehlte mir die Action.“ Lola braucht Bewegung. Am liebsten auf dem Eis.

          Schule und Eishockey werden von ihr strikt getrennt. Mit den Freundinnen redet sie „eher über andere Themen“, bei den Löwen steht dann der Sport im Vordergrund. „Mit den Jungs ist es manchmal sogar einfacher, nicht so kompliziert, und oft auch viel lustiger, weil die Stimmung meistens spaßiger ist.“ Die Jungs, wie Lola ihre Teamkollegen nennt, sind inzwischen zu Freunden geworden. „Wir sind zusammen aufgewachsen, oft gemeinsam unterwegs. Das schweißt zusammen.“ Obwohl alle älter werden, ist vieles noch so wie damals, als sie anfing. Nur aus den Raufereien auf dem Eis hält sich die 15-Jährige inzwischen raus.

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