https://www.faz.net/-gtl-9xakr

Eishockey-Klub Straubing : „Wir sind hungrig, bissig und gefährlich“

  • -Aktualisiert am

Für die Tigers auf dem Eis: Jeremy Williams, hier beim Spiel in München Bild: dpa

Die Macht vom Pulverturm: In Deutschlands höchster Eishockey-Liga erleben die Straubing Tigers in dieser Saison einen bemerkenswerten Aufschwung. Nun steht das Highlight der Saison bevor.

          2 Min.

          Dafür, dass von der Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) noch einiges übrig ist, waren die Straubing Tigers am Freitagabend in München ziemlich ekstatisch. Die mitgereisten Fans, viele von ihnen mit freiem Oberkörper, forderten die Mannschaft nach deren 6:3-Sieg beim Tabellenführer immer wieder vor die Kurve und sangen: „Europapokal!“ Die Spieler, als sie sich dann in die Kabine zurückgezogen hatten, ließen ebenfalls so manchen Juchzer vernehmen. Und Trainer Tom Pokel gönnte sich einen Moment des Rückblicks voller Zufriedenheit: „Wir hatten ,unfinished business‘. Das haben wir jetzt erledigt.“

          Am letzten Spieltag der vorangegangenen DEL-Hauptrunde hatte das Team aus Niederbayern Position sechs und einen Platz im Playoff-Viertelfinale aus der Hand gegeben, in den Pre-Playoffs schied es aus, das Sportjahr 2018/19 fühlte sich nicht mehr gut an. Doch das ist korrigiert: 2019/20 ist die Saison der Straubing Tigers. Schon vor der abschließenden 1:4-Niederlage gegen die Iserlohn Roosters am Sonntag hatten sie Platz drei gefestigt. Und sich damit für die Champions Hockey League qualifiziert.

          „Wir haben nicht die Skills wie andere“

          Pokel hat die Statistik aus den vier Begegnungen mit dem EHC München parat: „7:5 Punkte für uns. Diese Serie haben wir also gewonnen.“ Der 52 Jahre alte Amerikaner, der eine kaum wahrnehmbare Spielerkarriere hatte und bereits mit 28 seine erste Cheftrainerstelle antrat beim damals zweitklassigen ETC Timmendorfer Strand, orientiert sich an den Duellen mit Don Jackson, dem mit acht Meisterschaften erfolgreichsten Trainer der DEL-Geschichte. Es gab eine Saison, 2014/15, die sie gemeinsam in der EBEL, der österreichisch-italienischen Gemeinschaftsliga, zubrachten. Pokel gewann mit Bozen die Finalserie gegen Jackson, der das Team aus Salzburg betreute. Seit drei Jahren treffen sie sich in der DEL wieder. Pokel war Mitte der Saison 2017/18 nach Straubing gekommen. „Ich habe die Mannschaft auf dem letzten Platz übernommen, wir wurden Vorletzter. Danach haben wir 15 Spieler ausgetauscht.“ Seitdem herrscht Kontinuität am Pulverturm, wie die Spielstätte der Tigers heißt.

          Pokel siedelt sein Team in der Arbeiterklasse an. „Wir haben nicht die Skills wie andere, wir haben keine einzelnen Stars.“ Erfolgreiche Außenseiter im Mannschaftssport charakterisieren sich häufig auf diese Weise, meist ist Understatement dabei. Straubing hat in Jeremy Williams und Mike Connolly zwei routinierte Nordamerikaner, die in den vergangenen drei Jahren die besten Punktesammler der Liga waren. Torwart Jeff Zatkoff gewann vor vier Jahren mit den Pittsburgh Penguins in der NHL den Stanley Cup. Und einige deutsche Spieler wie Stefan Loibl, Tim Brunnhuber und Benedikt Schopper halten sich im Dunstkreis der Nationalmannschaft auf.

          Und unstrittig ein Star ist Felix Schütz, Silbermedaillengewinner von Olympia 2018. Zu Beginn der Saison war der nach einer Kreuzbandverletzung vertragslose frühere Kölner in Straubing als Trainingsgast, er machte dann ein paar Spiele in der schwedischen Liga, nahm im November am Deutschland Cup teil und entschied sich, das Angebot anzunehmen, richtig zu den Tigers zu gehören. „Wir sind eine harte Mannschaft, aber wir sind wirklich gut“, sagt er. „Hätten wir am vorangegangenen Wochenende nicht zweimal verloren, wären wir ja fast Erster.“ Auch der Düsseldorfer Trainer Harold Kreis schätzt die Straubinger hoch ein: „Viele verstehen noch gar nicht, wie die spielen. Straubing ist eine Kampfmannschaft – doch sie ist auch taktisch und technisch mit München und Mannheim klar vor allen anderen.“

          Straubing ist der kleinste DEL-Standort, noch dazu befindet er sich in einer Randlage auf der DEL-Landkarte. Schon deswegen wird er in der öffentlichen Wahrnehmung noch unterschätzt. „Doch die Größe der Stadt hat nichts mit der Größe der Mannschaft zu tun“, meint Pokel. Er findet, die Ausgangsposition für die Play-offs – Gegner im Viertelfinale sind die Fischtown Pinguins Bremerhaven – könne besser nicht sein für seine Tigers: „Wir erwarten nichts, wir müssen nicht etwas Bestimmtes erreichen, aber wir können es. Wir reiten die Welle, solange es geht. Wir sind hungrig, bissig und gefährlich.“ Und das klingt, als wäre doch noch Business zu erledigen.

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Topmeldungen

          Bei den Maßnahmen geht auch um eine Autokaufprämie.

          Treffen am Nachmittag : Gräben vor dem Konjunktur-Gipfel

          Am Nachmittag treffen sich die Koalitionsspitzen, um über milliardenschwere Konjunkturmaßnahmen zu entscheiden. Zankäpfel sind Kaufprämien für Autos und Schuldenhilfe für Kommunen. Aber auch andere Wünsche haben es in sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.