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Start der DEL-Saison : Mut und Kreativität auf dem Eis

  • -Aktualisiert am

Die Mühen waren nicht vergebens: Die DEL-Saison startet wieder. Bild: dpa

Trotz aller widrigen Umstände startet die Deutsche Eishockey Liga erfolgreich in eine Not-Saison. Das konnte nur gelingen, weil sich die Verantwortlichen auf und abseits des Eises für einen unbequemen Weg entschieden haben.

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          Am Sonntagabend fiel ein Puck in Wolfsburg aufs Eis – und mit ihm Steine von vielen Eishockey-Herzen. Der Gegner der Grizzlys kam nämlich aus Krefeld, wo die örtlichen Pinguine seit Monaten ein Drama mit weit mehr als fünf Akten aufführen. Und hätten sie – wie von vielen befürchtet – doch nicht gespielt, die ganzen schönen Pläne der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für eine Not-Saison wären obsolet gewesen.

          Nun steht fest: Die Pinguine sind dabei. Und mit ihnen die ganze Liga. Trotz der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, weil die Fans als größte Einnahmequelle wegfallen. Das liegt an selbstlos auf Gehalt verzichtenden Spielern, Hilfsgeldern sowie der Treue von Klubbesitzern, Sponsoren und Fans. Das liegt aber auch an den entscheidenden Personen in Ligabüro und Klubs. Also denen, den monatelang nicht zu Unrecht Konzeptlosigkeit vorgeworfen wurde, weil sie im Sommer alle Realitäten ignorierend mit Zuschauereinnahmen planten, Geisterspiele ausschlossen und nach dem Staat riefen.

          Doch irgendwann bekamen sie die Kurve und zeigten Tugenden, die im Eishockey lange vermisst wurden: Mut und Kreativität. Anstatt den bequemen Weg zu gehen und die Saison einfach abzusagen, veränderte die Liga ihre Regeln auf und abseits des Eises, setzte den Abstieg aus, verkürzte den Spielplan, verabschiedete sich vom Freitag-Sonntag-Rhythmus und teilte sich in regionale Gruppen auf. Und Stand jetzt funktioniert es. Bis auf die fehlenden Fans sah das am Wochenende fast nach einer normalen Eishockey-Saison aus.

          Der Plan der DEL

          Nun ist gerade mal ein Spieltag vorbei, nicht alle Klubs haben die Saison bereits komplett finanziert, zudem drohen Corona-Fälle und Spielabsagen. Aber auch dafür hat die DEL einen auf dem Papier stimmigen Plan. Es wurde Platz geschaffen für Nachholspiele, die Tabelle wird nach Punkteschnitt berechnet, und das Wichtigste: Es gibt ein eigenes Protokoll für infizierte Spieler. Die sollen selbst nach milden Verläufen nicht einfach wieder aufs Eis, es soll grundlegende Untersuchungen an Herz und Lunge geben, um Langzeitschäden zu vermeiden.

          Und das sportliche Niveau nach monatelanger Pause und ohne Fans als emotionale Antreiber? Konnte sich sehen lassen. Natürlich waren selbst die extra angesetzten Derbys zwischen Köln und Düsseldorf sowie München und Augsburg nicht so hitzig wie sonst. Natürlich waren die im Vorteil, die das Vorbereitungsturnier gespielt hatten. Die, die erst seit wenigen Wochen auf dem Eis sind, gewannen nicht ein Spiel. Aber es gab packende wie enge Duelle und eben keine übertriebenen Kantersiege.

          Das einzig deutliche Ergebnis war das 5:1 von Mannheim gegen Nürnberg, aber das wäre auch sonst keine Sensation gewesen. Der Auftakt ist also geglückt. Und so durften sich die Verantwortlichen nach dem ersten DEL-Wochenende nach neun Monaten Pause zufrieden zurücklehnen. War es doch eins, das die Hoffnung weckt, am Ende den 100. deutsche Eishockeymeister küren zu können. Selbst die Krefelder standen ja auf dem Eis. Und als die auf dem Rückweg waren, wurde Nationalspieler Leon Draisaitl auch noch Deutschlands Sportler des Jahres.

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