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Kein deutscher Meister : Eishockey-Liga beendet Saison wegen Coronavirus

Das Tor bleibt leer: Die Deutsche Eishockey-Liga stellt den Spielbetrieb ein. Bild: Picture-Alliance

Es wird in dieser Saison keinen deutschen Meister geben. Die DEL bricht als erste deutsche Profisport-Liga die Saison wegen des Coronavirus ab. Nun stellen sich Fragen, die beantwortet werden müssen.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Am Dienstagmittag liefen sie noch wie selbstverständlich übers Eis, die Spieler der Nürnberg Ice Tigers und der Grizzlys Wolfsburg. Offiziell war es das Abschlusstraining vor dem für diesen Mittwoch geplanten Start in die Play-offs der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Doch einige Stunden später war klar: Es war in der Tat ein Abschlusstraining – allerdings das der gesamten Saison. Um 18.00 Uhr erklärte die DEL die Spielzeit 2019/20 wegen des Coronavirus für beendet.

          Die Play-offs wurden abgesagt, ein Meister wird nicht gekürt. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem der 100. Titelträger in der Geschichte des deutschen Eishockeys gesucht wurde. Auch die DEL 2 beendete ihre Saison, auch bei ihr gibt es keinen Meister, zudem keinen Absteiger. Zumindest das Problem hat die DEL nicht, in der ersten Liga werden Auf- und Abstieg erst zur kommenden Saison wieder eingeführt.

          Grund für das verfrühte Saisonende seien „die Verbote diverser Bundesländer, Großveranstaltungen wie Spiele der DEL mit mehr als 1000 Zuschauern stattfinden zu lassen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Liga folge damit „den offiziellen Empfehlungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Gesundheitsminister Jens Spahn, die nun in den behördlichen Verboten umgesetzt wurden“. Zuvor hatten die Landesregierungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen Erlasse an ihre örtlichen Behörden erteilt, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zu verbieten. Und da gleich sechs der zehn Play-off-Teilnehmer aus den beiden Bundesländern kommen, war der Spielbetrieb nicht mehr aufrechtzuerhalten.

          Damit ist die DEL die erste deutsche Sportliga, die ihren Betrieb wegen der Ausbreitung des Coronavirus vorzeitig beendet. Gleichzeitig ist das ein einmaliger Fall in der 26-jährigen Ligageschichte. „Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus“, wird Geschäftsführer Gernot Tripcke in der Mitteilung zitiert.

          Natürlich hätte auch die DEL sogenannte Geisterspiele ohne Zuschauer ansetzen können, doch die würden sich kaum lohnen. Eishockeyklubs erhalten nur wenige hunderttausend Euro TV-Geld pro Saison, den Großteil ihrer Einnahmen erwirtschaften sie am Spieltag durch Tickets, Fanartikel und an den Imbissständen. Das Geld hätte nun gefehlt. Und auch wenn die Play-off-Einnahmen bei der Lizenzierung der 14 Klubs keine Rolle spielen, trifft sie das empfindlich. In den Play-offs sind Zuschauerzahlen und Aufmerksamkeit gemeinhin am größten. Hinzu kommt, dass es in der kommenden Saison ohnehin finanzielle Einbußen geben wird. Durch die steigenden Beiträge der Berufsgenossenschaft und den dann fehlenden Ligasponsor könnte jeder Klub um die 400 000 Euro weniger zur Verfügung haben. In einer Liga, in der die meisten Teams mit einem einstelligen Millionenetat auskommen müssen, ist das viel Geld.

          Weitere Details zu den finanziellen Folgen sollen in den kommenden Tagen geklärt werden: Bekommen die Spieler dennoch ihre Prämien für das Erreichen der Play-offs? Was ist mit den laufenden Mietverträgen für die Hallen? Für Mittwochvormittag hat Geschäftsführer Gernot Tripcke zu einer Pressekonferenz nach Köln geladen.

          Die DEL und die DEL 2 sind nicht die einzigen Eishockeyligen, die vom Coronavirus betroffen sind. Auch die österreichische Liga beendete ihre Saison vorzeitig. In der Schweiz und in der Slowakei wurden die Play-offs zumindest verschoben. Zudem steht hinter der Weltmeisterschaft im Mai in der Schweiz ein Fragezeichen, der Weltverband IIHF hat bereits mehrere Jugend- und Frauenturniere für März und April abgesagt. Mitte des Monats will er über die Herren-WM beraten.

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