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Eishockey-Profi Tom Kühnhackl : Tribünenplatz statt Überholspur

  • -Aktualisiert am

Abgedrängt: Tom Kühnhackl (r,) im Duell mit Johnny Boychuk von den New York Islanders Bild: AFP

Tom Kühnhackl wurde mit Pittsburgh Meister in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL. Nun ist die Karriere des Deutschen ein wenig ins Stocken geraten.

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          Es hatte fast den Anschein, als wolle Tom Kühnhackl jede Sekunde genießen. Nachdem der Eishockeyprofi vor einigen  Tagen endlich einmal wieder für die Pittsburgh Penguins in der Auswärtspartie bei den Boston Bruins spielen durfte, kam er als Letzter aus der Kabine. Frisch geduscht, adrett in einen dunklen Anzug gekleidet und mit einem Stück Pizza in der Hand ging der Stürmer zum Mannschaftsbus. Es sei „natürlich schön gewesen“, sagte Kühnhackl, und klar freue er sich, „mal wieder auf dem Eis zu sein“. Aber der Ärger über die 3:4-Niederlage war dann doch größer als die eigenen Emotionen.

          Dabei ist es durchaus verständlich, wenn Kühnhackl derzeit jeden Schritt auf dem NHL-Eis auslebt. Denn in dieser Spielzeit bekommt er viel zu selten die Gelegenheit, sich in der weltbesten Eishockey-Liga zu beweisen. Am Dienstag war es mal wieder soweit, bei der 2:3-Niederlage nach Penaltyschießen gegen die Calgary Flames durfte er wieder mitspielen, aber Einsätze im Zehn-Tages-Rhythmus sind natürlich nicht zufriedenstellend.

          Die Partie war erst sein vierter Einsatz in diesem Jahr. Von den bisherigen 53 Saisonspielen hat Kühnhackl 26 verpasst. Im Dezember hatte er sich „eine kleinere“ Verletzung zugezogen. Ansonsten aber war er einsatzbereit - fand sich jedoch trotzdem auf der Tribüne wieder.

          Mehr Konstanz gefordert

          Natürlich spreche er mit den Trainern, sagt Kühnhackl. Er wolle ja schließlich wissen, was er besser machen könne oder müsse. Die Antwort von Chefcoach Mike Sullivan lautete stets: mehr Konstanz. Und Kühnhackl weiß natürlich, wie ausgeglichen und hochklassig der Kader des Meisters besetzt ist. Von seinem Platz in der vierten Sturmreihe ist es bis zur Tribüne nicht weit. „Wenn hier jeder fit ist, ist es schwierig. Dann muss einer raus, und leider bin oft ich derjenige“, sagt Kühnhackl.

          Eine Verletzung eines Mitspielers war es, die ihn vor etwas mehr als einem Jahr in die NHL brachte. Der Sohn von Deutschlands Eishockey-Legende Erich Kühnhackl gehörte zwar seit 2010 zu den Penguins, musste sich aber erst einmal durch die unteren Ligen wühlen. Kurz vor seinem 24. Geburtstag kam dann die Beförderung. Im NHL-Kader hatte sich mit Beau Bennett ein Stammspieler verletzt. Kühnhackl rückte aus dem Farmteam nach oben, gab am 9. Januar 2016 sein Debüt. Daheim in Landshut buchte Vater Erich eiligst einen Flug nach Pittsburgh. Er wollte seinen Sohn wenigstens einmal auf dem NHL-Eis sehen, bevor dieser wieder ins Ausbildungsteam zurückgeschickt werden würde. Wer hätte damals schon ahnen können, dass Tom Kühnhackl bis zum Saisonende kein einziges Spiel mehr verpassensollte? Dass er sich in der dritten und vierten Sturmreihe sowie als Unterzahlspezialist etabliert und nur sechs Monate später mit Pittsburgh den Stanley Cup gewinnt?

          Bild aus besseren Tagen: Tom Kühnhackl mit dem Stanley Cup

          Es hätte „kaum schöner laufen können“, sagt Kühnhackl rückblickend über sein Jahr 2016. Er war nach Uwe Krupp und Dennis Seidenberg der dritte deutsche NHL-Meister - doch der erste, der die berühmteste Eishockey-Trophäe der Welt in seine Heimat brachte. Tausende Fans empfingen ihn Mitte August in Landshut. Selbst aus dem angrenzenden Ausland waren Menschen gekommen, um den Stanley Cup zu sehen, den jedes Mitglied der Meistermannschaft einen Tag lang für sich bekommt. Kühnhackl trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein, und Vater Erich sagte, dass die Familien-Hierarchie ab sofort eine andere sei. „Früher haben sie immer gesagt, er sei der Sohn vom Erich. Und jetzt sagen sie, ich bin der Vater vom Tom.“

          Das Wort Krise vermeidet er

          Anschließend reiste Kühnhackl junior mit der Nationalmannschaft zum Olympia-Qualifikationsturnier nach Lettland. Es waren seine ersten Pflichtspiele für Deutschlands A-Team. Er habe einfach nur geschaut, der Mannschaft so gut wie möglich zu helfen, sagt Kühnhackl und ergänzt, dass das „am Ende relativ gut funktioniert“ habe. In den siebziger und achtziger Jahren war es oft Erich Kühnhackl gewesen, der traf, wenn Deutschland seine Tore dringend brauchte. Diesmal schoss Tom im entscheidenden Match gegen die Letten den Treffer zum 3:2-Sieg und die DEB-Auswahl somit zu den Winterspielen nach Südkorea.

          Irgendwie war es ja abzusehen, dass Tom Kühnhackl nicht weiter so ungehindert auf der Überholspur bleiben konnte wie 2016. Das Wort Krise vermeidet er. Aber vehement Einsätze fordern, das entspricht nicht seinem Naturell. „Ich schaue einfach, dass ich im Training meine beste Leistung abrufe, dem Coach zeige, dass ich bereit bin“, sagt er. Tom Kühnhackl hofft nun Woche für Woche auf weitere Einsätze in der NHL. Sonst hat sich sein Leben nicht sonderlich geändert. Bis auf eine Kleinigkeit. „Vor einem Jahr habe ich im Hotel gewohnt und hatte einen Leihwagen. Mittlerweile habe ich mir eine Wohnung und ein eigenes Auto zugelegt.“

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