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Karriereende für Marcel Goc : Einer der größten deutschen Eishockeyspieler

  • -Aktualisiert am

Sein größter Triumph: Marcel Goc (Zweiter von links) gewinnt Silber bei den Winterspielen in Pyeongchang Bild: Picture-Alliance

Acht Weltmeisterschaften, drei Olympische Spiele, fast 700 Spiele in der NHL: Marcel Goc war eine herausragende Figur im deutschen Eishockey. Mit Mannheim wollte er noch einmal Meister werden. Doch plötzlich ist Schluss.

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          Einmal war er dann doch noch auf dem Eis. Vor gut zwei Wochen beim letzten Training der Jugendmannschaft seines Sohnes. Da habe er „noch mal die Schlittschuh angezogen und mit den Jungs ein bisschen gezockt“. Danach war alles vorbei. Die Saison. Und die Karriere von Marcel Goc. Weil die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ihre Spielzeit wegen des Coronavirus vorzeitig abgebrochen hat.

          Keine Play-offs. Keine Chance auf den nächsten Meistertitel. Von jetzt auf gleich. Ohne „echtes“ letztes Spiel oder öffentlichen Abschied, ohne Ehrenrunde oder Tränen. Er komme sich vor wie im „falschen Film“, hat der Kapitän der Adler Mannheim danach gesagt. Was nicht heißen soll, dass er die Entscheidung für falsch hält. Was seien die Probleme einer Sportliga schon im Vergleich zu denen in den Krankenhäusern dieser Welt?

          Nach 21 Jahren auf den größten Bühnen des Profi-Eishockeys ist das trotzdem kein schönes Ende, eines, das „seiner Leistung und seiner Karriere nicht angemessen ist“, sagt Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, und nennt Goc einen der „größten deutschen Eishockeyspieler“. Das ist er zweifellos: Jüngster DEL-Debütant mit 16 Jahren, bis zu Leon Draisaitl der am höchsten gedraftete Deutsche in der nordamerikanischen Eliteliga NHL, wo er rund 700 Mal auf dem Eis stand und mehr als 200 Scorerpunkte sammelte. Hinzu kommen 388 Spiele in der DEL und ein Meistertitel mit Mannheim, 80 Länderspiele, acht Weltmeisterschaften und drei Olympische Spiele für die Nationalmannschaft – mit dem Höhepunkt 2018 in Südkorea, wo er die DEB-Auswahl als Kapitän zur Silbermedaille führte.

          Überglücklich: Goc wird mit Mannheim 2019 noch einmal Meister.

          Einem breiten Sportpublikum ist der 36 Jahre alte Goc über weite Teile seiner Karriere dennoch verborgen geblieben. Zu seinen erfolgreichsten NHL-Zeiten waren die Höhepunkte eben mehr als einen Wisch über das Smartphone entfernt, zudem war er kein Spektakelspieler und alles andere als ein Lautsprecher. Ob in Nordamerika, in Deutschland oder in der Nationalmannschaft – Schlagzeilen machten meist andere. Dennoch ernannten ihn seine Trainer immer wieder zum Kapitän. Goc war ein Musterbeispiel in Sachen Arbeitseifer – auf wie neben dem Eis. Er selbst beschreibt seine Einstellung so: „Niemand spielt absichtlich einen Fehlpass, aber dann musst du bremsen und nach hinten ackern. Solche Spieler wollte ich immer in meinen Team haben. Und so ein Spieler wollte ich sein, einer, mit dem man gern zusammenspielt.“

          Einer, der Kleinigkeiten richtig macht

          Das taten die meisten. Weil Goc, ein defensiv denkender Stürmer, einer war, der die Kleinigkeiten richtig macht, der Bullys und Zweikämpfe gewinnt, Passwege zustellt, Pucks erkämpft und gegnerische Topstürmer in Schach hält – besonders in Unterzahl. Ein Torjäger war er hingegen nie, in dieser Saison erzielte er keinen einzigen Treffer. Weil er meist in den hinteren Reihen eingesetzt wurde und nicht mal 15 Minuten pro Spiel aufs Eis durfte. In der Vorsaison war das nicht anders. Und dennoch war er im fünften Finalspiel gegen München der entscheidende Mann: Da erzielte er ein Tor und bereitete zwei vor – auch das zur Meisterschaft in der Verlängerung, was er selbst gar nicht mitbekam, weil er nach seinem Pass erschöpft in Richtung Spielerbank fuhr.

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