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Eishockey-Nationalteam : Alles oder nichts

  • -Aktualisiert am

Das tut weh: Alexander Barta nach der Niederlage gegen Italien Bild: dpa

Das deutsche Eishockeyteam braucht an diesem Sonntag einen Sieg über Österreich, um sich für Olympia zu qualifizieren. Ein Scheitern hätte fatale Folgen. Auch weil der Verband finanziell nicht frei von Sorgen ist.

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          Der Spielplan passt perfekt zur Dramaturgie des Viernationenturniers. An diesem Sonntag kommt es in der finalen Partie der Veranstaltung zum entscheidenden Aufeinandertreffen zwischen der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und Österreich. Nur der Gewinner besitzt anschließend das Vergnügen, sich bei Olympia in Sotschi mit den Besten der Zunft messen zu können. Die Aussichten der Deutschen haben sich durch das 1:2 nach Verlängerung gegen Italien am Freitag eingetrübt, Österreich geht verlustpunktfrei als Tabellenführer in den Showdown (15.15 Uhr). Nur ein Sieg nach regulärer Spielzeit bringt Pat Cortina und seine Auswahl ans Ziel.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Der Bundestrainer gab vorab den Slogan aus, jetzt sei die passende Gelegenheit gekommen, zu zeigen, dass die Spieler „aus Fehlern schnell die richtigen Lehren“ ziehen könnten: „Wir müssen unseren Plan durchziehen, den Kopf hoch tragen, darauf kommt es an.“ Seit 1952 war der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mit seinen Männerteams stets bei Winterspielen dabei. Schon sechsmal setzten sie sich bei Qualifikationswettbewerben wie an diesem Wochenende in Bietigheim-Bissingen in der Nachprüfung durch, weil zuvor die WM-Ergebnisse nicht gut genug waren.

          Auch finanziell nicht frei von Sorgen

          Diese Serie, prophezeite Constantin Braun, werde im anstehenden Nachbarschaftsduell ein weiteres Mal Bestand haben. Der Verteidiger der Eisbären Berlin, obwohl erst 24 Jahre alt, gehört mit 33 Länderspielen zu den erfahrensten und selbstbewusstesten Profis einer verjüngten Mannschaft, die durch alle Reihen mit der Last der hohen Erwartungen an den ersten Tagen nicht zurechtkam. Braun sprach von Abstimmungsproblemen, die dem Gegner in die Karten gespielt hätten, doch diese seien nicht verwunderlich angesichts der Kürze der Vorbereitung und dem Ausfall einiger Stammkräfte. Bange machen gilt für ihn nicht: „Es ist doch weiter alles im Lot, jetzt haben wir das Endspiel gegen Österreich. Und das gewinnen wir.“

          Nicht ganz so optimistisch klang Uwe Harnos, der DEB-Präsident. Er sagte, er fürchte keine Blamage, verspüre „aber Bauchschmerzen“. Harnos freute sich, dass wenigstens die DEB-Frauen seit Freitagabend schon einen Schritt weiter sind: Sie lösten durch ein 3:1 gegen Tschechien ihr Ticket für Sotschi: „Das macht Mut.“ Bei der Qualifikation für das Großereignis an der russischen Schwarzmeerküste im Februar 2014 steht viel Geld auf dem Spiel für seinen Verband - zumal der auch finanziell nicht frei von Sorgen ist.

          „Wenn du bei Olympia nicht dabei bist, bist du keine richtige Sportart“, hebt Franz Reindl, der Generalsekretär des DEB, hervor. Ein Scheitern hätte fatale Folgen bei der Suche nach Sponsoren und Auswirkungen auf die Fördergelder. Die Unterstützung durch das Bundesinnenministerium berechnet sich unter anderem aus der Anzahl der Teilnahmen bei den beiden zurückliegenden Olympischen Spielen - und der Prognose künftiger Erfolgsaussichten. Zuletzt belief sich der Zuschuss für den DEB auf knapp eine halbe Million Euro im Jahr.

          Besiegelt: Nathan di Casmirro erzielt den entscheidenden Treffer zum 2:1 für Italien
          Besiegelt: Nathan di Casmirro erzielt den entscheidenden Treffer zum 2:1 für Italien : Bild: dpa

          Constantin Braun macht sich keine Sorgen. Ihm gebe die angespannte Ausgangslage „einen Extra-Kick, deswegen spiele ich so gerne Eishockey“. Wann immer er in den vergangenen sechs Jahren das Play-off-Finale mit den Eisbären erreichte, hielt er am Ende den Titel in die Höhe. Er steckte im Herbst einen Knorpelschaden im Sprunggelenk weg, nachdem er zuvor wegen einer schweren Gehirnerschütterung pausieren musste. Er wisse, was es bedeute, „mit Druck umgehen zu müssen“.

          Der Gedanke an eine Enttäuschung komme in seinen Überlegungen grundsätzlich nicht vor: „Wenn wir alles abrufen, was wir können, dann klappt es.“ Genau in dieser Einschätzung steckt auch eine Erkenntnis, die einen möglichen Fehlschlag erklären würde: Zu wenige seiner Nationalmannschaftskollegen können bislang in Bietigheim-Bissingen von sich behaupten, olympiareife Leistungen abgeliefert zu haben.

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