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Eishockey-Liga KHL : Europäischer Angriff auf die NHL

Wirklicher „Kalter Krieg“ - auf dem Eis

Medwedew, der gleichzeitig stellvertretender Vorstandsvorsitzender des russischen Energiekonzerns Gasprom und damit auch größter Geldgeber der seit 2008 existierenden KHL ist, würde lieber heute als morgen seine Liga als ebenbürtiges, globales Konkurrenzprodukt zur NHL vermarktet sehen. Vor drei Jahren brachte der Russe bereits eine Trophäe ins Gespräch, um die die Sieger des Gagarin-Pokals und des Stanley-Cups spielen sollten.

Im vergangenen Winter dann lud Medwedew süffisant alle NHL-Spieler, die aufgrund der Aussperrung kurzfristig in die KHL gewechselt waren, ein, ihre Kurzzeitverträge auch gerne zu verlängern, wenn es ihnen in Europa und Asien besser gefalle als in Nordamerika. Und tatsächlich drohten einige Spieler damals, weiter in der KHL zu spielen, falls die NHL plane, Gehälter zu kürzen. Amerikanische Medien beschrien da schon den Ausbruch eines neuen, diesmal wirklichen „Kalten Krieges“. Auf Eis.

Go West - Erweiterung der KHL geplant

Damit es jedoch dazu kommen kann, müssen die Vereine in der KHL zunächst einmal noch einen deutlichen finanziellen Rückstand auf die NHL-Teams aufholen: Während die Teambudgets in den Vereinigten Staaten und Kanada bei durchschnittlich mehr als 75 Millionen Euro liegen, kommen die KHL-Mannschaften im Schnitt nur auf einen Etat von knapp unter 25 Millionen Euro. Um dies zu ändern, plant Medwedew zunächst mit künstlich erschaffenen, finanzstarken Vereinen wie Wladiwostok die qualitativ und medial deutlich unattraktivere Ost-Konferenz auf ein ähnliches Niveau wie die beiden Divisionen im Westen zu heben.

Gleichzeitig will er die Liga in Richtung Westen immer mehr erweitern und auch in Mitteleuropa etablieren. Nachdem Zagreb in diesem Jahr dazustieß, wird von der kommenden Saison an auch der finnische Meister Jokerit Helsinki seine Spieler in der KHL aufs Eis schicken. Darüber hinaus gibt es immer wieder Gerüchte, dass in den nächsten Jahren auch Servette Genf aus der Schweiz oder ein vom Getränkehersteller Red Bull gesponsertes Team aus Leipzig, München oder Salzburg in der KHL an den Start gehen wird. Insgesamt will Medwedew seine Liga auf 32 Teams aufstocken und damit genauso groß werden wie die NHL.

Riga mischt die KHL ein wenig auf

Dass diese Strategie - mehr Geld in die Vereine zu pumpen und die Liga immer weiter aufzublähen - nicht zwangsläufig die richtige ist, zeigt derzeit allerdings der Erfolg der Mannschaft von Dinamo Riga. Mit dem zweitkleinsten Etat in der KHL (13 Millionen Euro) mischt die Mannschaft aus der lettischen Hauptstadt die Liga auf und ist eines der wenigen Teams, die den Topmannschaften aus St. Petersburg und Moskau folgen können.

Zwar unterlag Dinamo zuletzt bei SKA St. Petersburg knapp nach Penaltyschießen, doch die Heimspiele gegen Dynamo und CSKA Moskau konnten die Letten gewinnen. Auch bei Lokomotive Jaroslawl und Severstal Cherepovets gab es jüngst Siege. Damit belegt der Tabellenletzte der Vorsaison derzeit einen überraschenden dritten Platz und hat sehr gute Chancen, sich für die Play-offs zu qualifizieren. Manche Wege zum Erfolg sind dann doch nicht so lang.

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