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Deutscher Eishockey-Star : Die Hoffnung trägt den Namen Draisaitl

  • -Aktualisiert am

Trotz Draisaitl droht wieder das frühe Aus

Allerdings: So attraktiv der Blick auf die Statistik in seinem Fall auch ausfallen mag. Auf die einzige Kategorie, die wirklich zählt, haben seine Glanztaten so gut wie keinen nachhaltigen Einfluss. Die Mannschaft hängt im unteren Tabellenabschnitt der Western Conference fest. Die Oilers haben in der Western Conference bei acht ausstehenden Spielen noch fünf Punkte Rückstand auf einen Wildcard-Platz. Das frühe Aus ist in Edmonton seit mehr als einem Jahrzehnt so etwas wie das Standardresultat. Nur einmal – vor zwei Jahren – erreichten sie zuletzt überhaupt die K.-o.-Runde und kamen bis unter die letzten acht. An Grundvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit mangelt es nach wie vor nicht. Sonst hätte sich zum Beispiel Kapitän Connor McDavid – der zweite Top-Mann der Oilers – nicht öffentlich dafür starkgemacht, dass die Fans seinen Kollegen Draisaitl zum All-Star-Treffen der Liga in San Jose nachnominieren.

Schreckern der Torhüter: Draisaitl gegen Malcolm Subban von den Vegas Golden Knights.

Der gebürtige Kölner schied zwar mit der Auswahl der Pacific Division im Halbfinale aus und erzielte bei seinem Einsatz keine Tore. Dafür konnte er bei der sogenannten „Skills Competition“ glänzen. Er gewann den Titel als bester Passgeber und damit einen Siegerscheck über 25 000 Dollar. „Der andere Star der Edmonton Oilers“, wie die kanadische Zeitung „The Globe & Mail“ ein Porträt des Kölners überschrieb, verfügt über ein hohes Maß an Bodenhaftung. Im Herbst spendete er in aller Stille einer karitativen Organisation namens „Hockey Helps Kids“ 1,2 Millionen Dollar.

Gelegentlich hilft Draisaitl bei sozialen Einrichtungen und deren Aktivitäten aus. Für seine Mannschaft, in der mit dem Landshuter Tobias Rieder noch ein zweiter Deutscher steht, vermag er vermutlich nicht mehr zu tun, als er ohnehin leistet. Sein Trainer Ken Hitchcock, der sich bereits im Ruhestand befand, als man ihn nach dem schlechten Saisonstart überreden konnte, die Oilers zu übernehmen, holte wie erwartet das Maximum aus ihm und dem Kader heraus. Sein simples Rezept: Er gab McDavid und Draisaitl so viel Eiszeit wie möglich.

Das klubinternere Motto, um im Schlussspurt noch zuzulegen, klang denkbar schlicht: Irgendetwas muss passieren. Als jüngste Maßnahme wurde deshalb ein echter Gretzky animiert. Waynes jüngerer Bruder Keith wurde zum Interims-General-Manager befördert. Als Spieler war der 52-Jährige nicht gut genug für die NHL. Aber er weiß, was es heißt, im Schatten einer Legende zu stehen. Ein Ziel formulierte er nicht, als er den neuen Posten annahm: Nur seine Philosophie: „Du arbeitest hart und konzentrierst dich auf das, was vor dir liegt.“

Das wäre fürs Erste gar nicht mal so schwierig. In der Liga spielen 31 Klubs, von denen sich die besten sechzehn für die Play-offs qualifizieren. Und einen Abstieg gibt es nicht. Sollte es mit den Oilers mal wieder nicht zum Happy End reichen, bliebe Draisaitl immerhin noch eine weitere Gelegenheit, zum versöhnlichen Abschluss einer für ihn wechselhaften Saison: Am 10. Mai beginnt die Weltmeisterschaft in der Slowakei. Toni Söderholm hat bereits signalisiert, dass er für den Stürmer bis zuletzt einen Platz im Kader frei lassen wird: „Er ist absolute Weltklasse“, sagte der neue Bundestrainer, „wenn Leon dabei wäre, wäre es super.“

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