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Krise im deutschen Eishockey : Verzweifelte Hilfsgesuche

  • -Aktualisiert am

Tim Stützle ist in Amerika ein gefragtes Nachwuchstalent. In der Heimat fürchtet der Sport um die Zukunft. Bild: dpa

In Amerika ist man voll des Lobes gegenüber Eishockeyspielern aus Deutschland. Doch gerade hierzulande kämpft der Sport derzeit verzweifelt ums Überleben. Daran ist die Branche selbst Schuld.

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          Es klang fast wie eine Drohung, als Brian Burke kürzlich zum Monolog ansetzte. Burke, früher Manager in der NHL, ist seit Jahren TV-Experte für die stärkste Eishockeyliga der Welt. Und die mache sich besser auf was gefasst: „Die Deutschen kommen“, sagte der 65-Jährige und ist längst nicht der einzige Nordamerikaner, der dieser Tage Lobeshymnen anstimmt. Auf Superstar Leon Draisaitl, auf Wunderkind Tim Stützle, auf all die anderen Hochbegabten aus dem eigentlichen Fußballland. Doch nicht mal die „goldene Generation“ kann den Blick auf die Gesamtlage im deutschen Eishockey verstellen: eine unschöne Mischung aus Existenzangst, verzweifelten Hilfsgesuchen, abwandernden Spielern und wütenden Fans.

          Noch immer ist unklar, wie die von Zuschauereinnahmen abhängige Deutsche Eishockey Liga (DEL) ihren Spielbetrieb finanzieren soll. Den Start hat sie zweimal verschoben, auch der dritte Termin (inoffiziell 18. Dezember) ist fraglich. Sicher, ohne volle Arenen oder Staatshilfen wäre es fahrlässig, zu spielen und Insolvenzen zu riskieren. Aber ist schon ein verstellter Blick auf die Dinge nötig, um die Misere allein mit dem Virus zu erklären. Die Brache ist nicht unverschuldet in Schieflage geraten, die Pandemie hat die Not lediglich verschärft. Und offengelegt.

          Kritik an den Strukturen

          Seit Jahren nimmt kaum ein Verein das Geld ein, was er ausgibt. Den Deckel zahlen reiche Gönner oder Unternehmen. Trotz der mit Abstand besten Zuschauerzahlen außerhalb des Fußballs. Doch in Sponsoring oder TV-Vertrag schlägt sich die Popularität kaum nieder. Rücklagen sind in der Krise entsprechend rar. Stattdessen wurden ein Gehaltsverzicht der Aktiven erpresst und der Politik ein anmaßendes Ultimatum gestellt. Gleichzeitig verpflichteten die Klubs weiter fleißig Spieler. Irgendjemand wird schon zahlen.

          Der Kölner Nationalspieler Moritz Müller hat recht, wenn er die Strukturen grundsätzlich kritisiert. Zwar musste lange kein Team die Segel streichen. Aber nur weil die Mäzene verlässlicher geworden sind, hat man sich nicht von ihnen emanzipiert. Kritik daran gab es immer, wurde aber stets als Einzelmeinung heruntergespielt. Inzwischen nicht mehr: Zwar ist die neue Spielervereinigung keine klassische Tarifpartei. Doch es hört sich anders an, wenn Müller nun als „Chef der Gewerkschaft“ spricht.

          Und wie reagiert die DEL? Sie blockt ab. Es gäbe „sicherlich einen besseren Zeitpunkt“, sagt Schwenningens Geschäftsführer Christoph Sandner, um „über etwaige Versäumnisse in der Vergangenheit oder eine gemeinsame neue Ausrichtung zu diskutieren“. Welchen? Ohne Pandemie wäre es weitergelaufen. Die Krise hat auch etwas Gutes. Sie dient als willkommener Anlass, das Geschäftsmodell zu hinterfragen.

          Wayne Gretzky, der beste Spieler der Geschichte, hat einmal gesagt: „Du verfehlst 100 Prozent der Torschüsse, die du nicht machst.“ In der DEL schießt derzeit niemand. Weder auf dem Eis noch abseits.

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