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Eishockey-Finale : Wie konntest du diesen Puck nur fangen, Timo?

  • -Aktualisiert am

Top-Quote: Timo Pielmeier hat in den DEL-Play-offs 94 Prozent aller Schüsse gehalten. Bild: picture alliance / Sport Moments

Der ERC Ingolstadt kann an diesem Sonntag Eishockeymeister werden. Das wäre eine Sensation – und hätte viel mit Torwart Timo Pielmeier zu tun. Er hält in der Finalserie gegen Köln überragend.

          Charlie Stephens, Stürmer der Kölner Haie, war schon versucht, den Schläger hochzureißen und jubelnd abzudrehen. Er hatte den perfekten Pass bekommen und bei seinem Schuss alles richtig gemacht, ihn flach plaziert auf die Ecke, in der der gegnerische Torwart gerade nicht war. Es dauerte zwei, drei Sekunden, bis die vermeintlich so klare Situation entschlüsselt war: kein Treffer. Timo Pielmeier, der Mann im Tor des ERC Ingolstadt, hatte die Scheibe gehalten. Mit einem „Monstersave“, wie man in der amerikanisch geprägten Eishockeysprache sagt. Der 24-Jährige machte einen Spagat wie ein Balletttänzer und fuhr dazu die linke Hand aus. In seinem Handschuh fand er den Puck. „Ich musste selber erst nachschauen, sicher war ich mir nicht“, räumte Pielmeier ein.

          Auf der Kölner Bank blickte Haie-Trainer Uwe Krupp entgeistert drein, während übers Gesicht seines Ingolstädter Kollegen Niklas Sundblad ein Lächeln huschte. Der Schwede spürte: Das war vielleicht der entscheidende Moment im fünften Play-off-Finalspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) am Freitagabend. Das Nicht-Tor, das tieferen Eindruck hinterlassen würde als ein Tor. So war es: Ingolstadt geriet nicht weiter in Rückstand (es wäre das 2:4 gewesen), es schaffte noch den Ausgleich und in der Verlängerung den 4:3-Siegtreffer. Zum zweiten Mal gewannen die Oberbayern in dieser Best-of-Seven-Serie auswärts, sie führen mit 3:2 Spielen und können an diesem Sonntag (14.30 Uhr/Live in ServusTV) in ihrer Halle deutscher Meister werden. Es wäre eine Sensation – und sie hätte viel mit Timo Pielmeier zu tun.

          Ein Spiel in der legendären NHL

          „Ich bin mit 14 von daheim ausgezogen, um Eishockeyprofi zu werden“, blickt der gebürtige Deggendorfer auf eine Karriere zurück, in der seine Entschlossenheit nicht immer belohnt wurde. Fünf Jahre lang versuchte er, sein Glück in Nordamerika zu finden. Als er 18 war, hatten die San José Sharks aus der berühmten NHL die Rechte an ihm erworben. Doch absolviert hat Timo Pielmeier in der legendären Profiliga nur ein Spiel, und nicht mal ein komplettes: 2011 stand er für zwei Drittel im Tor der Anaheim Ducks, er fing sich fünf Tore ein. In der Statistik seiner Karriere steht unter der Station NHL der Schandfleck einer Fangquote von 58,3 Prozent. Jetzt, in den Play-offs der DEL, hat Pielmeier mehr als 94 Prozent aller Schüsse auf sein Tor abwehren können.

          Herumgereicht in Liga drei

          „Nach fünf Jahren Amerika habe ich gemerkt, dass ich nicht weiterkomme“, sagt Pielmeier, der überwiegend in der drittklassigen Eastcoast League herumgereicht wurde. „Den Traum von der NHL habe ich noch nicht begraben, aber erst mal hintangestellt.“ Wichtig wurde für ihn, Spielpraxis zu bekommen. 2012/13 wechselte er zum Zweitligaklub EV Landshut, weil er dort eine Stammplatzgarantie bekam. Der ERC Ingolstadt, der immer starke Torhüterpersönlichkeiten wie Jimmy Waite und zuletzt Ian Gordon gehabt hatte, entdeckte und holte ihn.



          Timo Pielmeier musste beim ERC erst in ein Casting gegen Markus Janka, den langjährigen Ersatztormann, gehen. Er gewann es, wurde die Nummer eins. In Ingolstadt schätzt man Pielmeiers Leistung – und seine Unkompliziertheit: Er setzt sich auch mal geduldig hin, wenn der Klub freiwillige Spieler für PR-Aktionen wie eine Kinderfragestunde sucht. Jugendliche Fans wollen meistens wissen, wie schwer seine Torwartausrüstung ist und wie lange er braucht, um sie anzulegen. Vielleicht fragen sie beim nächsten Mal aber: Wie konntest du diesen Puck in Köln nur fangen, Timo?

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