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Eishockey : „Elvis“ läßt die dezimierten Lions feiern

„Es war vor allem eine Kopfsache”: Rich Chernomaz Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Mit dem 2:1 gegen Krefeld fuhren die Frankfurt Lions wichtige Punkte im Kampf um die Play-off-Plätze ein. Doch der Erfolg konnte die Probleme, die Trainer Rich Chernomaz beheben muß, nur teilweise überdecken.

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          Wer eine Ahnung davon bekommen wollte, wie groß der Druck gewesen sein muß, der vor diesem Spiel auf den Frankfurtern gelastet hatte, konnte auf seinem Nachhauseweg den Kabinentrakt der Lions passieren. Der Lärm, den das Löwen-Rudel im Keller der Eissporthalle veranstaltete, drang durch die nur einen Spalt weit geöffneten Fenster nach draußen: es wurde gelacht und gejauchzt, es lief die Stereoanlage mit Rockmusik, es ging nach dem knappen 2:1-Sieg (0:0, 1:0, 1:0) gegen Krefeld hoch her (Siehe auch: Ergebnisse Eishockey).

          Keine fünfzig Meter entfernt rang Rich Chernomaz wenige Minuten zuvor noch um Worte. Der Trainer hätte über den unansehnlichen Erfolg am liebsten den Mantel des Schweigens gedeckt. Er sagte, er sei „zufrieden“ mit dem, was seine Spieler geleistet hatten. Sah dabei aber ganz anders aus. Die Partie gegen die Pinguine hat gute Chancen, in der ewigen Rangliste der unansehnlichsten Auftritte am Ratsweg ganz weit vorne zu landen.

          „Hosen gestrichen voll gehabt“

          Sein Team, lautete eine der griffigsten Formeln seiner Analyse des Abends, habe die „Hosen gestrichen voll gehabt“. Will heißen: die Angst, mit einer Niederlage gegen den unmittelbaren Verfolger aus den Play-off-Plätzen zu rutschen, machte selbst den routiniertesten Akteuren im durch Verletzungen so dezimierten Kader der Lions zu schaffen. „Es war vor allem eine Kopfsache“, sagte Chernomaz, der dem zu diesem Zeitpunkt überraschenden 1:0 durch Nationalspieler Michael Hackert Mitte des zweiten Drittels eine „befreiende Wirkung“ zusprach; danach „liefen die Füße leichter“.

          David Gosselin, einer der Problemfälle der vergangenen Wochen, der sich stets mühte, aber außer Strafzeiten und Fehlern kaum Produktives zusammenbrachte, entschied mit einem Abstaubertor in der 42. Minute die Begegnung; Krefeld kam gegen die zusehends müder werdenden Hausherren trotz einer munteren Schlußoffensive nur noch zum Ehrentreffer durch den ehemaligen Frankfurter Alexander Seliwanow, der 2002 ausgemustert wurde - und seitdem in Krefeld zu den Topscorern der Deutschen Eishockey Liga zählt.

          Stürmer der Pinguine scheitern an „Elvis“

          Daß Torhüter Ian Gordon zum wiederholten Mal zum „Mann des Abends“ gewählt wurde, sagt viel über die augenblickliche Verfassung der Lions aus. Der kleine Kanadier zwischen den Pfosten bekam mehr Möglichkeiten sich auszuzeichnen, als ihm lieb gewesen sein dürfte. Anders als am Sonntag in Nürnberg hatte er sich diesmal im Griff, wehrte einen Angriff nach dem anderen souverän ab und verlor über die mangelnde Abwehrkraft seiner Vorderleute nicht die Nerven.

          An „Elvis“, wie seine Kollegen den 30 Jahre alten Elvis-Presley-Fan nennen, verzweifelten die Stürmer der Pinguine. Warum die Kombinationen nicht so flüssig wie erhofft liefen und dem Powerplay die Durchschlagskraft fehlte? Für Chernomaz gab es gleich mehrere Gründe: Er bemängelte zuerst die schlechte Eisqualität am Bornheimer Hang - verursacht durch die vielen Besucher beim öffentlichen Schlittschuhlaufen in diesem Winter.

          „Ein Typ, der auch mal in den Hintern tritt“

          Er hielt sich aber auch mit Kritik an Führungskräften wie Dwayne Norris nicht zurück, der seit Monaten nicht an seine Glanzform aus den beiden zurückliegenden Spielzeiten „aus welchen Gründen auch immer“ anknüpfen kann. Außerdem fehlten jedes Wochenende andere Schlüsselspieler.

          An diesem Sonntag in Kassel (18.30 Uhr) und mindestens bis Mitte Februar müssen die Lions auch noch auf Steve Kelly verzichten, der am Finger operiert werden muß. „Wenn unsere Häuptlinge wieder zurückkehren, werden wir andere Lions erleben“, ist sich Markus Jocher sicher. Dem Bayern, der selbst momentan in Garmisch-Partenkirchen seine Schulterverletzung auskuriert, fehlt „auf dem Eis ein Typ wie unser Kapitän Jason Young, der den anderen auch mal in den Hintern tritt“ (ein Interview mit Markus Jocher lesen Sie in der Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 29. Januar 2006).

          Testspiele Japan und Dänemark

          Jocher selbst wird am Dienstag das erste Mal seit gut drei Monaten wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Während der Spielpause wegen der Winterspiele in Turin wird er dann mit den Lions zu einem Einladungsturnier nach Asien aufbrechen. Für sieben Tage halten sich die Hessen auf Kosten des japanischen Eishockeyverbandes in Nagano auf, der Olympiastadt von 1998.

          Unter anderem sind Testspiele gegen die Nationalmannschaften Japans und Dänemarks geplant. „Und der Spaß“, versicherte Manager Karl-Heinz Fliegauf, „kommt sicher auch nicht zu kurz.“ Zum Feiern genügt den Lions ja bereits ein kleiner Anlaß.

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